Schäden durch Impfungen  Kreis will Patienten mit Post-Vac-Syndrom unterstützen

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 12.11.2022 13:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine kleine Gruppe von Menschen hat nach der Impfung gegen das Coronavirus Langzeitschäden. Foto: Archiv
Eine kleine Gruppe von Menschen hat nach der Impfung gegen das Coronavirus Langzeitschäden. Foto: Archiv
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In der jüngsten Kreistagssitzung haben sich fünf Geschädigte einer Corona-Impfung zu Wort gemeldet. Sie fordern eine Anlaufstelle für ihre Probleme. So könnte ein Netzwerk geknüpft werden.

Aurich - Die Einwohnerfragestunde dauerte in der jüngsten Auricher Kreistagssitzung ungewöhnlich lang. Etwa eine halbe Stunde beschäftigte sich die Verwaltung mit einem Anliegen von vier Frauen und einem Mann. Sie stellten sich als Opfer einer Impfung gegen das Coronavirus vor. „Ich heiße Gaby. Ich habe durch eine Corona-Impfung körperliche Schäden erlitten. Wohin kann ich mich jetzt wenden?“ Eine andere Frau bat darum, man möge Ärzte für das Post-Vac-Syndrom sensibilisieren. Die meisten seien nämlich damit überfordert. So oder ähnlich lauteten die Anfragen.

Detlev Krüger (FWG) hatte ihr Anliegen anmoderiert. Er setzt sich seit einigen Wochen für die Belange der Geschädigten ein. „Zeigen Sie sich solidarisch mit denen, die sich durch ihre Impfung auch solidarisch gezeigt haben“, appellierte er an die Mitglieder des Kreistags. Das Spektrum der Beeinträchtigungen ist sehr breit. Es reicht von Glieder- und Muskelschmerzen über Sehstörungen, Konzentrationsprobleme, Erschöpfungszustände, Kopfschmerzen bis hin zu starken Gangunsicherheiten. Vom Gesamtbild her ähneln die Beschwerden denen von Menschen, die nach einer Corona-Infektion noch lange Zeit massive Begleitsymptome haben.

Klassisches Problem der Gesellschaft

Die Kreis-Spitze versprach, sich für die Belange der Geschädigten einzusetzen, warnte aber vor überzogenen Erwartungen. „Es handelt sich um ein fachlich schwer zu erforschendes Problem“, sagte Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert. Impfschäden gebe es im Übrigen nicht nur als Folge einer Covid-Impfung. Sie seien auch bei anderen Impfungen zu beobachten. Deshalb hätte man sich besser darauf vorbereiten können. „Doch bei allem, was wir machen, hinken wird hinterher.“ Das sei ein klassisches Problem unserer Gesellschaft: „Wir leuchten die Dinge nicht aus.“ Landrat Olaf Meinen (parteilos) warb dafür, Kompetenzen zu bündeln. Bei einem Treffen der Landräte Weser-Ems in Aurich werde er das Thema vortragen, damit man eine gemeinsame Forderung an das Land formulieren könnte. Unterstützung auf Landes- oder Bundesebene will auch Ingeborg Kleinert (SPD) organisieren. Es gehe darum, eine Anlaufstelle für Betroffene in Niedersachsen zu schaffen. Die könnte in Oldenburg etabliert werden.

In Deutschland gibt es derzeit lediglich an der Uniklinik in Marburg eine Anlaufstelle für Patienten mit Post-Vac-Syndrom. Diese Spezial-Ambulanz sei allerdings heillos überlaufen und nehme niemanden mehr auf, hieß es in der Kreistagssitzung. Dort sind seit Januar etwas mehr als 200 Fälle behandelt worden. Auf der Warteliste stehen allerdings nach Medienberichten rund 4000 Männer und Frauen. Etwa 0,02 Prozent aller Geimpften seien von Impfschäden betroffen, schätzt Bernhard Schieffer, Leiter der Spezialambulanz in Marburg.

Anspruch auf Entschädigung

Personen, bei denen wegen einer Corona-Schutzimpfung dauerhafte gesundheitliche Schäden eintreten, haben einen Anspruch auf Entschädigung. Dieser muss bei den zuständigen Ämtern beantragt werden. Olaf Meinen legte den Betroffenen ans Herz, ihre Ansprüche anzumelden. Zuständig sei das Landessozialamt. Die Deutsche Presseagentur hat Anfang des Jahres berichtet, dass bisher in Deutschland rund 600 Anträge auf Schadenersatz wegen Impffolgen gestellt worden seien. Die positiven Bescheide bewegten sich im einstelligen Bereich, hieß es.

Zur nächsten Kreis-Gesundheitsausschusssitzung am 19. Dezember soll unter Umständen ein Arzt aus Bremen eingeladen werden. Julien Defayet habe sich sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und könne viele Fragen beantworten, sagte Detlev Krüger. Ob sein Besuch klappt, könne er allerdings noch nicht sagen.

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