Preissteigerungen  Ostfriesischer Handel bangt um das Weihnachtsgeschäft

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 11.11.2022 12:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Angesichts der hohen Energie- und Lebensmittelpreise wollen viele Menschen in diesem Jahr an den Weihnachtsgeschenken sparen. Foto: Kalaene/dpa
Angesichts der hohen Energie- und Lebensmittelpreise wollen viele Menschen in diesem Jahr an den Weihnachtsgeschenken sparen. Foto: Kalaene/dpa
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Viele Menschen wollen oder müssen wegen der drastischen Preissteigerungen bei den Weihnachtseinkäufen sparen. Für den Handel ist das kurz nach Corona ein neuer Schlag – doch es gibt auch Hoffnung.

Ostfriesland - Angesichts der stark gestiegenen Lebenskosten und der Inflation müssen viele Menschen in Deutschland zu Weihnachten den Gürtel enger schnallen. Mehr als die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher wollen in diesem Jahr weniger Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben oder sogar ganz darauf verzichten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. Jeder Fünfte will demnach „deutlich weniger“ Geld für Weihnachtsgeschenke in die Hand nehmen. Weitere 22 Prozent planen „etwas weniger“ auszugeben. Und sogar 8 Prozent gaben an, im Gegensatz zu früher ganz auf Geschenke verzichten zu wollen.

Im Handel sorgt das für Unruhe. Rund 70 Prozent der Händler rechnen nach einer Branchenumfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) mit einem schlechteren Weihnachtsgeschäft als im Vorjahr. Der HDE geht davon aus, dass die Einzelhandelsumsätze im November und Dezember real – also bereinigt um die Preissteigerungen – um 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen werden. Diese Konsumflaute trifft gerade in den Einkaufsstraßen der Innenstädte viele Händler besonders hart, die noch immer unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden. Wie sieht es in Ostfriesland aus?

„Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“

„Ein Rückgang im Kaufverhalten ist definitiv da“, berichtet Helmut Papenhusen, Marktleiter von Janssen und Kruse in Emden. Das Unternehmen verkauft neben Baustoffen unter anderem auch Deko, Geschenke und vor allem Spielzeug. Der Kaufmann beobachtet, dass die Kundinnen und Kunden vor allem bei größeren Investitionen zurückhaltender geworden sind und lieber erst einmal abwarteten. Das bestätigt auf Nachfrage auch Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des ostfriesischen Einzelhandelsverbands. „Wir befinden uns in unsicheren Zeiten. Und Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft und für den Konsum“, sagt er. Für die Verbraucher sei die aktuelle Krise an „allen Ecken und Enden“ spürbar, weshalb sie sich sehr bewusst überlegten, wofür sie ihr Geld ausgeben wollen und können.

Wiebke Eilts von der ostfriesischen Industrie- und Handelskammer sprach bereits Mitte Oktober von einer „immer schlechteren Stimmung“ im Handel, die anhand des sogenannten Konjunkturklimaindikators gemessen werde. Aktuell liege der Wert nur knapp über dem Corona-Tief von 2020. Ein Stimmungsbild, das auch Helmut Papenhusen bestätigt. Der Puffer, den sich viele Händler aufgebaut hätten, schwinde dahin, erklärt er. „Es sind schwierige Zeiten, aber es liegt nicht alles in Schutt und Asche“, sagt Johann Doden. Die meisten ostfriesischen Händler zeigten sich trotz Krise „verhalten optimistisch“, was das Weihnachtsgeschäft betrifft und würden den Kopf nicht in den Sand stecken. „Die Städte müssen und werden sich anstrengen“, sagt der Fachmann.

Was die Renner im Weihnachtsgeschäft angeht, hat sich trotz aller politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen erstaunlich wenig verändert. Besonders beliebt als Präsente sind nach der aktuellen HDE-Verbraucherbefragung wie in den Vorjahren Geschenkgutscheine, Spielwaren, Bücher, Kosmetik, Bekleidung und nicht zuletzt Bargeld. Für den Handel ist dieses Stück Normalität vielleicht sogar ein Hoffnungssignal, dass beim Weihnachtseinkauf am Ende doch eigene Gesetze gelten. Das erleben auch Helmut Papenhusen und seine Kollegen aus Emden. Der Verkauf von Spielzeugen sei nämlich in diesem Jahr sogar früher losgegangen als in den Vorjahren. „Für Kinder wird scheinbar nach wie vor gerne Geld ausgegeben“, sagt er. Auch HDE-Geschäftsführer Stefan Genth versicherte: „Wir schreiben das Weihnachtsgeschäft nicht ab.“

Mit Material von DPA

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