Sieglos-Serie in der Bezirksliga Trotz der Talfahrt keine Trainerdiskussion bei TuRa
Die Landesliga-Absteiger Westrhauderfehn und Leer sind weit von der Bezirksliga-Spitzengruppe entfernt. So analysieren die Verantwortlichen die Situation.
Westrhauderfehn/Leer - Seit fast zwei Monaten läuft es sportlich bei TuRa Westrhauderfehn alles andere als rund. Bildeten die Fehntjer nach sieben Spielen mit Esens und Middels noch ein punktgleiches Spitzentrio, sind sie mittlerweile ins Mittelfeld der Fußball-Bezirksliga abgerutscht. Vor dem letzten Hinrunden-Spieltag am Wochenende beträgt der Rückstand auf Ligaprimus Esens bereits 19 Zähler. Nur noch neun Punkte Vorsprung sind es dagegen auf einen Abstiegsplatz. In Panik verfallen die Verantwortlichen beim Landesliga-Absteiger aber nicht. Trainer Erhan Colak steht nicht zur Diskussion, wie Fußballobmann Christian Schulte auf Nachfrage sagt.
„Man denkt über vieles nach, aber im Moment sehe ich die Probleme im Kader und bei den Spielern selbst“, betont der 50-Jährige. „Vielleicht können wir im Winter ein wenig nachjustieren.“ Gemeint sind potenzielle Spieler-Neuzugänge. Trainer für die letzten Spiele in 2022 und auch im neuen Jahr bleibe Erhan Colak. „Wenn wir jetzt zweimal sieben oder acht Gegentore bekommen würden, würde Erhan vielleicht auf uns zukommen. Aber das sollte nicht passieren“, umschreibt Schulte das Vertrauen in den Trainer.
Schulte sucht einen Nachfolger
Dagegen neigt sich die Amtszeit von Schulte als Fußballobmann dem Ende entgegen. Das habe er dem Vorstand auch mitgeteilt, wie er bestätigt. „Ich mache das jetzt schon 27 Jahre lang. Es muss auch ein Leben ohne Fußball geben“, sagt Schulte. Die Kaderplanungen für die kommende Saison soll sein Nachfolger bereits übernehmen. „Mein Wunsch wäre es, wenn sich im Winter jemand findet und ich ihn einarbeiten kann.“
Neben Schulte hält sich auch Erhan Colak selbst weiterhin für den „richtigen Mann“ an der Seitenlinie bei TuRa. „Ich bin mit Leib und Seele dabei, führe Einzelgespräche mit den Jungs und habe nicht das Gefühl, dass ich die Mannschaft nicht mehr erreiche.“ Warum holte Westrhauderfehn dann nur sechs Punkte aus den vergangenen neun Spielen und ist seit vier Spielen sieglos? „Es kommt gerade einiges zusammen“, deutet Colak mehrere Gründe an. Da wäre zum einen Verletzungspech, zum anderen das fehlende Spielglück. Aber auch eine schlechte Chancenverwertung trage einen „großen Teil“ dazu bei. So erzielte TuRa in den vergangenen vier Spielen nur drei Tore, beim 0:1 gegen Wiesmoor am Sonntag trafen die TuRaner zweimal das leere Tor nicht. „Im Training streuen wir die ein oder andere Torschussübung mehr ein, damit die Jungs wieder Sicherheit bekommen“, erzählt Colak. Das „fehlende Selbstvertrauen“ ist auch Christian Schulte in den vergangenen Partien aufgefallen.
Leer vor besonderem Spiel
Einen Vorwurf machen die beiden ihren Spielern nicht. „Wir haben einen großen Umbruch hinter uns, zehn erfahrene Spieler haben uns verlassen, zwölf junge kamen dazu“, sagt Colak. „Wir wussten, dass es in diesem Jahr auch mal holprig werden könnte“, ergänzt Schulte. „Von dem guten Saisonstart hat sich der ein oder andere vielleicht blenden lassen. Jetzt müssen wir uns wieder aus der Abwärtsspirale rausboxen.“ Das Team wollte „oben mitspielen“, bleibt derzeit aber hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. In der Defensive steht TuRa – vor allem seit der Umstellung auf ein 3-5-2-System – gut. „Wir spielen ja keinen unterirdischen Fußball, sondern machen nur die Tore nicht“, sagt Schulte. „Jetzt müssen wir sehen, dass wir vor der Winterpause aus der Ergebniskrise rauskommen.“ Im Idealfall soll am Sonntag gegen Norden ein Sieg eingefahren werden. Doch verliert TuRa auch da, zieht der Gegner – wie schon Wiesmoor in der Vorwoche – an den Fehntjern vorbei.
Läuft es bis zur Winterpause ganz blöd, könnte TuRa sogar noch von Landesliga-Mitabsteiger Germania Leer überholt werden. Dieser ist nach einem Mega-Umbruch mit ganz anderen Zielen in die Saison gegangen und steht nun knapp über der Abstiegszone. „Priorität hat der Klassenerhalt“, sagt Trainer Frank Bajen. „Wir haben viele junge Spieler, viele verschiedene Nationalitäten. Da braucht es Zeit, bis sie als Mannschaft konstant guten Fußball spielen.“ Nach vier sieglosen Spielen in Folge möchte Bajen aufgrund der Umstände nichts von einer Krise wissen. „Am Sonntag im Derby gegen Holtland wollen wir wieder gewinnen – hoffentlich vor vielen Zuschauern“, sagt Frank Bajen. „Das Spiel hat aufgrund der Ex-Germanen bei Holtland einen besonderen Charakter.“