Archäologische Überprüfung Experte beendet Voruntersuchung am Hinter Kirchgang
Vier Meter Geschichte machen den Hinter Kirchgang für Archäologen spannend. Ihr Grabungstechniker ist nun mit der Voruntersuchung durch. Das hat er entdeckt.
Hinte - Wer bei einem kommunalen Bauhof arbeitet, bekommt es mit Aufgaben aller Art zu tun. Eine archäologische Untersuchung stand für Helmut Stomberg und Nico Theeßen von der Gemeinde Hinte bislang aber noch nicht auf der Tagesordnung, sagen die beiden. Das hat sich diese Woche geändert. Sie halfen dem Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft am Hinter Kirchgang mit einem Bagger dabei, einen tiefen Blick in die Geschichte werfen zu können. Nun ist die Voruntersuchung abgeschlossen.
Was und warum
Darum geht es: um die archäologischen Untersuchungen in Hinte, die die Pläne für Wohnungen und für Gewerbeflächen ausbremsen
Vor allem interessant für: Geschichtsinteressierte; Leser auf Wohnungssuche
Deshalb berichten wir: Wir wurden auf die archäologische Voruntersuchung hingewiesen. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Dort, wo einmal 18 barrierefreie Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen sollen, befindet sich eine Wurt. Eine von Menschenhand aufgeschichtete und unter Denkmalschutz stehende Anhöhe also, in der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Siedlungsreste aus der Vergangenheit befinden. Laut dem zuständigen Grabungstechniker von der Landschaft, Matthias Oetken, liegt das Areal in Hinte etwa 4,20 Meter höher, als es normal wäre. Zumindest an einem der vier Stichproben-Löcher, an der sich unsere Zeitung die Arbeiten ansah. Gegraben wurde aber nur bis auf knapp drei Meter Tiefe. Weiter reiche der Bagger des Bauhofes nämlich nicht hinein, erklärten Stomberg und Theeßen.
Je höher desto älter
Grundsätzlich gilt: Je höher eine Wurt, desto älter sind auch die ganz unten zu erwartenden Fundstücke, denn jüngere Siedlergenerationen fügten neue Erdschichten hinzu. Eine zeitliche Einschätzung zur Siedlungsgeschichte am Hinter Kirchgang konnte Oetken vor Ort aber nicht geben. Er verwies auf die noch anstehenden detaillierteren Untersuchungen. Fest steht aber schon jetzt: Das Areal befindet sich in unmittelbarer Nähe zur spätgotischen Saalkirche und zur Burg Hinta und könnte in Verbindung mit der Burg gestanden haben.
Diese Einschätzung gab die Landschafts-Archäologin Dr. Sonja König bereits im Juli im Gespräch mit unserer Redaktion. Die historische Nähe ist auch der Grund, warum nicht einfach so für die geplanten Wohn- und Geschäftsflächen gerammt werden darf. Oetkens Aufgabe war es daher, sich im Auftrag der Gemeinde Hinte einen ersten Eindruck zu verschaffen, um besser den notwendigen Umfang der Ausgrabungen einschätzen zu können.
Muscheln, Torf und Knochen
Ungewöhnliches tauchte in dieser Woche allerdings noch nicht auf. Gefunden habe er unter anderem ein paar Muscheln, Torf und einzelne tierische Knochen, bei denen es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Speisereste handelt. „Stammten sie beispielsweise von einem Hund, so würde man normalerweise das ganze Skelett am Stück finden.“ Die Muscheln könnten indes bei einer Überschwemmung angespült worden sein, während der Torf auf eine Trockenphase hindeute – sofern er nicht auch einst angeschwemmt wurde, erklärt der Grabungstechniker.
Interessanter wären da schon Keramikfunde, mit denen sich auch das Alter einer Erdschicht leichter bestimmen lasse. Holzkohle wiederum könnte man mit der Radiokarbon-Methode (C14-Datierung) untersuchen. Dabei hilft der festgestellte Abbau von 14C-Atomen bei der Altersbestimmung von organischem Material. Finde man wiederum verbrannte Erde, könnte diese auf kriegerische Auseinandersetzungen oder auch nur auf ein abgebranntes Haus hindeuten.
Es können immer Überraschungen auftauchen
Dass Oetken überhaupt spekuliert, hat auch damit zu tun, dass eine Voruntersuchung oft noch nichts über die tatsächlichen archäologischen Schätze vor Ort aussagt. Da habe man in der Vergangenheit schon einige Überraschungen erlebt, als zunächst „vorbeigegraben“ worden sei. „Immerhin ist es vor der Schaufel dunkel“, kommentiert der Experte die jetzigen Stichproben.
Was aber sagen eigentlich die Besitzer der betroffenen Grundstücke, auf denen jetzt Pflanzen ausgerissen und alles umgebuddelt wurde? „Das gesamte Areal ist bereits im Eigentum des Investors“, schreibt unserer Redaktion auf Nachfrage Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos). „Er hat das Schürfen der Archäologen genehmigt.“ Nun müsse man die endgültigen Ergebnisse dieser Vorabuntersuchung abwarten. So oder so ist es Redenius jedoch wichtig, dass die Bestandsgebäude entfernt werden – und das zeitnah, schreibt er. „Dafür setzen wir uns ein. Alles andere ist besser als der jetzige Anblick!“
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