Neue Pastorin in Hinte  Für Christina Klasink geht es von Dorf zu Dorf

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 11.11.2022 15:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Christina Klasink absolvierte bereits ihr Vikariat in Emden. Jetzt kommt sie als Pastorin zurück nach Ostfriesland. Foto: Privat
Christina Klasink absolvierte bereits ihr Vikariat in Emden. Jetzt kommt sie als Pastorin zurück nach Ostfriesland. Foto: Privat
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Neustart in Hinte, Westerhusen und Groß Midlum: Christina Klasink fängt dort bald als Pastorin an. Im Süden Niedersachsens aufgewachsen, wird sie nun die ostfriesische Kultur weiter kennenlernen.

Hinte/Westerhusen/Groß Midlum - Die evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Hinte, Westerhusen und Groß Midlum haben ab Anfang 2023 eine neue Pastorin: Christina Klasink. Sie erhielt 172 der 173 Stimmen in der Pfarrwahl. Es seien ihre Vorliebe zu Dorfgemeinden und die positiven Erfahrungen damit, die sie wieder nach Ostfriesland ziehen, sagt Klasink im Gespräch. Von der Vorstellung der „Kirche auf dem Dorf“ und der ländlichen Kultur sei Klasink begeistert. Sie freue sich schon darauf, ihre neuen Kirchengemeinden besser kennenzulernen und auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Vom Leben in der Großstadt hingegen hält sie nichts.

Was und warum

Darum geht es: Christina Klasink ist die neue Pastorin der Kirchengemeinden Hinte, Westerhusen und Groß Midlum. Das kommt auf sie zu.

Vor allem interessant für: Gläubige in der Gemeinde Hinte und diejenigen, die sich für die demografische Entwicklung im ländlichen Raum interessieren

Deshalb berichten wir: Präses Frank Wessels hatte uns über den Wechsel in den Kirchengemeinden informiert und wir wollten uns ein eigenes Bild von der neuen Pastorin machen.

Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de

Die 41-Jährige absolvierte bereits ihr Vikariat, also ihre Ausbildung, in Emden. Mit dem Dienstbeginn im kommenden Jahr geht es für sie und ihre Familie in einer kleineren Kommune weiter. Die politische Gemeinde Hinte hat insgesamt gut 7000 Einwohner und ist damit in etwa so groß wie die Stadt Schüttorf (Grafschaft Bentheim) aus der sie stammt. „Ich kenne das Dorfleben von klein auf“, sagt sie unserer Redaktion. Damals habe sie auch den Beruf als Pastorin für sich entdeckt. „Wenn meine Oma vom Pastor an Geburtstagen besucht worden ist, fand ich es rührend, wie sehr er auf sie eingegangen ist und für sie gebetet hat.“ Klasink sei immer hautnah dabei gewesen und diente als „Gesprächsassistentin“ zwischen ihrer Großmutter und dem Pastor.

Mit dem Hollandrad quer durch Ostfriesland

Die Bewunderung für dessen Aufgaben hielt an. Der Umgang mit Menschen sollte daher auch für die heute 41-Jährige eine berufliche Rolle spielen. So studierte sie Anfang der 2000er Jahre Theologie an der kirchlichen Hochschule Wuppertal. Weiter ging es nach Berlin, wo sie ihr Studium an der Humboldt-Universität abschloss. „Ich wollte das Großstadtleben dann doch mal ausprobieren.“

Die vielen Eindrücke der Menschen gefielen ihr zwar, doch es zog die Theologin vor etwa zehn Jahren in eine kleinere Stadt: nach Emden. In der Neuen Kirche absolvierte sie ihr Vikariat und lernte dabei Ostfriesland kennen. „Ich bin viel mit meinem Hollandrad durch die Gegend gefahren, so auch durch Hinte“ sagt Klasink. Außerdem war sie oftmals die Sommervertretung in Groß Midlum und Westerhusen. „Die drei Kirchen sind einfach schön.“ Fremd sind die Gemeinden ihr also schon mal nicht.

Herzlich und warm: So ist Ostfriesland

In Bunde (Rheiderland) machte die gebürtige Schüttorferin nach ihrem Vikariat ihr Anerkennungsjahr. Die ostfriesische Art begegnete ihr vor allem dort: „Diese direkte und trockene Art der Menschen ist hängen geblieben.“ Diese gefällt ihr. Und sie hört den Leuten auch gerne beim Plattdeutsch reden zu, obwohl sie diese Sprache selbst nur ein wenig spricht. Wenn aber Leute auf Plattdeutsch mit der Pastorin reden wollen, „dann nur zu. Beim Zuhören verstehe ich die Sprache inzwischen fast komplett“. Das dürfte ihr auch bei der Seelsorge weiterhelfen.

Ihre Sprachkenntnisse wird die Dorfliebhaberin direkt auf die Probe stellen müssen. Sie will sich am Anfang mit den Leuten und den Gemeinden weiter vertraut machen. Bekanntschaft will sie auch mit den Jugendlichen und Konfirmanden machen. Heutzutage sei die Kirche nur eine von vielen Freizeitmöglichkeiten für Personen in dieser Altersgruppe. Klasink ist daher gespannt, was sie mit dieser Gruppe auf die Beine stellen kann.

Das „Hinternet“ bleibt bestehen

Mit ihrer Vorgängerin Steffi Sander ist sie übrigens gut befreundet. „Wir sind uns in der Vergangenheit schon oft über die reformierte Landeskirche über den Weg gelaufen.“ Beide haben sich schon viel im Vorfeld unterhalten. Das dürfte dann für einen quasi nahtlosen Übergang sorgen, meint auch Christina Klasink. „Falls ich Fragen habe, kann ich sie ansprechen“, merkt die Schüttorferin an: „Sie überlässt mir gerne die drei Gemeinden“, habe Sander versichert. Über diese Herzlichkeit und Wertschätzung ist die 41-Jährige sehr froh.

Das unter Sander entstandene „Hinternet“ soll unter ihrer Nachfolgerin fortgeführt werden, auch wenn über den genauen Plan noch gesprochen wird. Das „Hinternet wurde Anfang 2020 wegen der Corona-Pandemie ins Leben gerufen.“ Man kann sich darüber mit der Pastorin digital unterhalten, ohne den direkten Kontakt vor Ort. Die Kirche kann darüber außerdem Fotos, Videos und Texte mit den Mitgliedern teilen.

Künftig drei statt zwei Gemeinden

Herzlich und warm wurde Klasink aber nicht nur von Sander empfangen, sondern auch von den anderen Gläubigen in Hinte, Westerhusen und Groß Midlum, berichtet sie. In jedem Ort gab es zur Begrüßung einen eigenen Gottesdienst mit anschließendem Austausch bei Tee und Kaffee. Auch Geschenke habe Klasink bekommen, wie zum Beispiel ein Buch über Ostfriesland, „damit ich mich hier schnellstmöglich einlebe“. Es wurde zudem mehrmals seitens des Kirchenrats betont, wie sehr man sich auf die Zusammenarbeit freue. Ein derart freundlicher Empfang sei keine Selbstverständlichkeit, betont sie.

Zuletzt war Klasink in der Nähe von Göttingen als Pastorin in zwei Dörfern tätig. Derzeit ist noch nicht klar, wann genau sie nach Ostfriesland stößt und ihren Dienst in Hinte, Westerhusen und Groß Midlum antritt. Ist es eine besondere Herausforderung, fortan für ein Dorf mehr zuständig zu sein? „Ja“, sagt Klasink. Die Aufgaben im Kirchenrat werden laut ihr nämlich immer komplexer, aber man wachse auf mit den Aufgaben. „Man kann sich unterstützen und gegenseitig den Rücken stärken.“

Zusammenarbeit mit Schrap

Es ist eine Entwicklung, die sich weiter fortsetzen wird, denn immer mehr Kirchengemeinden werden in Zukunft zusammenarbeiten. Es ist schon jetzt selten, dass ein Pfarrer nur für eine zuständig ist, meint sie. Eine erste Zusammenarbeit kündigt sich dabei schon jetzt für die Geistliche an: Pastor Sebastian Schrap, ebenfalls ein alter Bekannter von ihr, „behirtet“ Canhusen und Loppersum. Die beiden werden in Zukunft regelmäßig miteinander zu tun haben.

Auch wenn sich für die Zukunft noch vieles ergeben muss, ist eines schon klar: der Umzug in das „wunderschöne Pfarrhaus in Hinte“. Die 41-Jährige zieht mit ihrem Mann und ihrem zweijährigen Sohn dort ein. Da sie generell ein Familienmensch sei und viel Zeit mit ihren Liebsten verbringe, freut sie sich schon auf „gemeinsame Spaziergänge zum Spielplatz“. Ihr Sohn habe sogar schon darauf gespielt und freue sich genauso wie seine Mutter auf das, was kommt.

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