Kolumne „Klare Kante“ Im Jammertal
Donnerstags gibt es in unserer Kolumne immer klare Kante. Heute geht es um die „German Angst“ - Deutschland ein Jammertal.
Des Deutschen liebste Mauer sei die „Klagemauer“, wusste schon Otto von Bismarck, der erste deutsche Reichskanzler. Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass die Deutschen die größten Jammerer der Welt sind. In der angelsächsischen Welt kursiert der Begriff von der „German Angst“. Weltschmerz steht in vielen Wörterbüchern als Ausdruck der Schwere des deutschen Alltags.
Im Gegensatz zu früher gibt es für ein Dasein im Jammertal inzwischen Gründe, die von der Energiekrise bis zur Sorge um das Einkommen und den Arbeitsplatz reichen. Umfragen zeigen, dass der Politik bei der Bewältigung der Krise wenig zugetraut wird. Die Dankbarkeit für Energiespartipps von prominenten Politikern hält sich da auch in Grenzen. Der 80-jährige Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble empfiehlt ein oder auch zwei Pullover, Kerzen und Taschenlampen. Die verwöhnte Gesellschaft müsse erkennen, dass „vieles nicht mehr selbstverständlich sei“. Für den Linken Dietmar Bartsch sind solche Ratschläge „blanker Hohn“.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann weiß, dass man einfach mehr Zeit hat, wenn man statt der Dusche einen Waschlappen nutzt. Er sei ein „überzeugter Anhänger des Säureschutzmantels der Haut“. Jetzt hat seine Landesregierung mit „Cleverländ“ eine Kampagne zum Sparen von Strom, Gas und Wasser gestartet. Kretschmann dreht höchstselbst zur Nachtabsenkung an der Heizung.
Bevormunden wollen natürlich beide Politiker die Bürger nicht, überzeugender ist da das Motiv von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck: „Frieren für die Freiheit“ zur Verteidigung auch der eigenen Demokratie ist für ihn eine überzeugende Haltung .
Partnerschaftliches Kuscheln zum Energiesparen kann aber auch positive Wirkungen zur Steigerung der Geburtenrate haben. Eine Studie besagt, dass im ersten Corona-Lockdown 7,1 Prozent weniger Babys als in den Jahren zuvor gezeugt worden sind. Beiträge zur Überwindung der demographischen Krise sind da willkommen.
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