Hamburg Klimakrise: Ist es ok, noch Fleisch zu essen?
Übermäßiger Fleischkonsum gefährdet das Klima. Ist es dennoch in Ordnung, nicht auf die Bratwurst zu verzichten und sogar gerne Fleisch zu essen?
Kennen Sie diesen Satz? „Ich esse zwar Fleisch, aber wenig und dann nur, wenn ich weiß, wo es herkommt.“ So oder so ähnlich habe ich ihn schon dutzende Male gehört. Er klingt wie eine Rechtfertigung für den eigenen Fleischkonsum, vermischt mit der Scham, dass man es nicht schafft, ganz auf Steaks, Aufschnitt oder Gehacktes zu verzichten.
Auch ich rechtfertige mich ähnlich, meist dann, wenn ein Vegetarier mitbekommt, dass ich das Curry explizit nicht mit Tofu bestelle, sondern mit Hühnchen. In meinem Fall ist der Satz nur halb wahr. Ja, ich esse relativ wenig Fleisch, aber meistens habe ich keine Ahnung, wo es genau herkommt. Schon mal gar nicht, wenn ich es im Restaurant bestelle. Aber ist Fleisch wirklich so schlimm?
Ja, sagt zum Beispiel der Natur- und Umweltverband (Nabu). Der steigende Fleischkonsum der westlichen Industriestaaten führe zum Klimawandel, Artensterben, Hunger und Wasserknappheit – ein bedrohliches Quartett, das sich schwer mit „Aber ich mag kein Tofu“ wegargumentieren lässt. Auch von der Weltklimakonferenz in Ägypten wird besonders die Reduzierung des Treibhausgases Methan gefordert, das Nutztiere ausstoßen.
Es gibt gute Gründe, die für mehr regionales Gemüse und deutlich weniger argentinische Steaks sprechen:
Eine deutlich bessere (Klima-)Bilanz dagegen hat Biofleisch. Der Nabu hat ausgerechnet, dass Schweinefleisch aus Biohaltung das Klima um ein Drittel weniger belastet als konventionelle Landwirtschaft.
Darauf zu achten, woher Fleisch kommt, ist wichtig – auch um mit dem bewussten Kauf lange Transportwege zu vermeiden. Das gilt allerdings auch für Obst und Gemüse. Spargel, der per Flugzeug aus Südamerika importiert wird, belastet das Klima 280-mal stärker als jener aus der Region.
Wie viele Menschen sich im europäischen Vergleich fleischlos ernähren, zeigt diese Grafik:
Seien wir mal ehrlich: Die meisten von uns kennen die Argumente gegen Schnitzel und Wurstbrot. Die Frage ist letztendlich, kann ich das Essen von Schwein, Rind und Huhn trotzdem mit meinem Gewissen vereinbaren? Ich denke, dass die Welt nicht an der Bratwurst kollabieren wird, die ich auf dem Weihnachtsmarkt esse, ohne ihre Geschichte zu kennen.
Für das Klima ist ein grundsätzlich bewussterer Konsum von Lebensmitteln entscheidend, dazu zählt auch regional und saisonal einzukaufen, egal ob Fleisch oder Gemüse. Für mich gilt aber, dass ich im Moment nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte.