Verkehr in Emden ADFC lobt blaue Fahrradstraße als mutigen und guten Schritt
Die Stadt Emden bekommt für ihre Verkehrsexperimente in der Neutorstraße Rückendeckung vom Fahrradverband. Die Emder können über Fahrradfreundlichkeit abstimmen.
Emden - In der Diskussion um die umstrittenen Verkehrsexperimente in der Innenstadt bekommt die Stadt Emden Rückendeckung vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Der Verband wertet die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Neutorstraße und die großflächige Einfärbung der Fahrbahn in der Farbe Blau als mutigen Schritt, den Radverkehr voranzubringen und das auch trotz unzureichender Gesetzeslage in die Tat umzusetzen.
Was und warum
Darum geht es: die Verkehrsexperimente und die Fahrradfreundlichkeit in Emden
Vor allem interessant für: alle, die mit dem Rad in Emden unterwegs sind, und diejenigen, die sich für den Verkehr in der Innenstadt interessieren
Deshalb berichten wir: In der Diskussion um die Fahrradstraße in der Neutorstraße haben wir den Fahrradverband ADFC nach seiner Meinung befragt. Zudem hat die Stadt zur Teilnahme an einer Umfrage des ADFC aufgerufen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
„Die klare Erkennbarkeit als Fahrradstraße ist ein wichtiges Kriterium für ihren Erfolg“, sagte Isabella Breeck, Referentin für Radverkehr beim ADFC Niedersachsen. Nach ihren Angaben leiden Fahrradstraßen oft darunter, dass Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer die geltenden Regeln nicht kennen und es bisher oft kaum erkennbare Vorteile für Radfahrerinnen und Radfahrer gibt. „Eine flächige Einfärbung kann dabei helfen, indem sie Autofahrende darauf hinweist, dass sie hier nur zu Gast sind“, so die Verbandsvertreterin.
Eingefärbte Flächen sind kein Einzelfall
Große eingefärbte Flächen von Infrastruktur für den Radverkehr wie in der Neutorstraße seien auch „kein Einzelfall“. Laut Breeck werden in immer mehr Städten Radwege und Fahrradstraßen flächig markiert. Ein Beispiel dafür liefere Bremen. „Für Radfahrende hat die farbige Fahrbahn als Abgrenzung zu einer ‚normalen‘ Straße ein erhöhtes Sicherheitsgefühl zur Folge“, sagte die ADFC-Referentin.
Fahrradstraßen gebe es mittlerweile in Grün, Rot und Blau. „Für jede Farbe gibt es sowohl Argumente dafür als auch dagegen“, so Breeck. Sie bedauert, dass es aktuell noch keine einheitliche Gestaltungsvorgabe für Fahrradstraßen gibt. Solche Vorgaben wären aus ihrer Sicht allerdings wichtig, „um den Wiedererkennungswert der Fahrradstraßen zu steigern und so mehr Verkehrssicherheit zu gewährleisten“. In Sachen Fahrradinfrastruktur hingen die aktuellen Gesetze und Verordnungen der Entwicklung aber ohnehin hinterher.
Nicht jeder kennt die Regeln in einer Fahrradstraße
Auf der anderen Seite müssten Kommunalverwaltungen und Polizei auch immer Sorge dafür tragen, dass Verkehrsteilnehmer und Anwohner über die Besonderheiten einer Fahrradstraße informiert werden. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen, in der auch Emden Mitglied ist, kennt jeder zweite Verkehrsteilnehmer selbst die wichtigsten Regeln der StVO nicht, die in einer Fahrradstraße gelten.
Wie fahrradfreundlich ist Emden wirklich? Ist die Stadt womöglich schon ein Paradies für Radfahrer? Das will der ADFC herausfinden – Radfahrerinnen und Radfahrer können wieder das Fahrradklima in ihren Städten und Gemeinden bewerten. Im Mittelpunkt des Fahrradklima-Tests 2022 steht der ländliche Raum, denn dort gebe es „viel Potenzial für den Radverkehr und einen hohen Nachholbedarf beim Infrastrukturausbau“, so der Verband.
Stadt ruft Bürger zur Teilnahme an Umfrage auf
Die Stadt Emden hat Radbegeisterte ausdrücklich dazu aufgerufen, an der Online-Befragung des ADFC unter www.fahrradklima-test.de teilzunehmen. Das sei noch noch bis Ende November möglich, teilte die Nahmobilitätsmanagerin Thessa Gebhardt vom städtischen Fachdienst Umwelt mit. „Wir wollen einen nachhaltigen und klimafreundlichen Straßenverkehr, von dem alle Einwohner*innen der Stadt Emden profitieren“, schreibt sie.
Laut Gebhardt setze die Stadt dabei „vor allem auf das Fahrrad“. Erste Maßnahmen seien bereits umgesetzt worden. Dazu gehörten der Umbau der Hermann-Löns-Straße zur Fahrradstraße sowie rot markierte Radwege und grüne Pfeile für Radfahrer an Kreuzungen. Zwei weitere Fahrradstraßen stünden vor der Realisierung: die Jahnstraße und die Braunsberger Straße, beide liegen im Herrentorviertel. Um weitere Projekte anstoßen zu können, benötige die Stadt die Rückmeldung der Bürgerinnen und Bürger: „Denn sie wissen am besten, was sie brauchen, um im Alltag mehr mit dem Rad unterwegs zu sein“, so die Nahmobilitätsmanagerin.
2020 bekam Emden die Schulnote 3,5
Beim bisher letzten Fahrradklima-Test im Herbst 2020 hatte der ADFC zum neunten Mal bundesweit Radfahrer befragt. Rund 230.000 Menschen nahmen an der Umfrage teil. Das Fahrradklima in Emden war vor zwei Jahren mit der Schulnote 3,5 bewertet worden. Damit erreichte die Stadt Rang acht von 110 Orten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Das Ranking ist nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer.
Bei dem Test sollen 27 gleichbleibende Fragen zur Fahrradfreundlichkeit der Kommune beantwortet werden. Hinzu kommen in diesem Jahr fünf weitere Fragen, die besonders auf die Bedürfnisse von kleineren Orten im ländlichen Raum abzielen. Die Ergebnisse des neuen Tests sollen im kommenden Frühjahr vorgestellt werden.
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