Düsseldorf Warum ich ihn liebe: Heinrich Heine ist der Fanatiker der Freiheit
Noch ein Dichtergeburtstag? Am 13. Dezember 2022 jährt sich der Geburtstag Heinrich Heines zum 225. Mal. Ich lasse ihn hochleben - denn Heine geht uns weiter an, als Fanatiker der Freiheit.
Warum ich Heinrich Heine liebe? Ganz einfach: Weil er nicht Ludwig Börne war. Ist das ungerecht. Ja, und treffend zugleich. Denn Börne war der Ideologe und Heine der freie Geist. Wer Heine recht verstehen und damit lieben lernen will, der muss ihn dort aufsuchen, wo er sich am wohlsten fühlte: In Paris, ja, in der Melancholie, auch, aber vor allem in Streit und Bataille. Der Schlagabtausch, den er sich mit Ludwig Börne lieferte, ging in die Geschichte ein. Und das wohl gerade deshalb, weil sich zwei ineinander verbissen, die sich ähnlich waren, als Juden, als Parias, als kritische Intellektuelle und Emigranten.
Heinrich Heine lieben? Das war lange keine einfache Sache. Die Deutschen erkannten sich in ihm wieder, in dem Schmelz seiner Sehnsuchtslieder. Und sie verachteten ihn, den Außenseiter, den Exilanten, den Franzosenfreund, wie es damals noch hieß. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten: Heines berühmteste Gedichtzeile galt lange auch für das Fremdeln, mit dem ihm seine Landsleute begegneten. Dabei muss man Heinrich Heine geradezu lieben. Denn er ist Europäer par excellence, der erste Kulturkorrespondent, ein brillanter Kopf, der vielleicht weltläufigste, den Deutschland bislang hervorgebracht hat.
Und einer der Charakterstärksten. Denn so links und kritisch Heinrich Heine auch war, er ließ sich nicht zum Parteidichter machen. Anders als Ludwig Börne. Dem ist das eigene Schreiben nichts als Werkzeug im politischen Kampf. Heine schreckt vor dem „ultra radikalen Tone“ Börnes zurück und schreibt in seiner Denkschrift „Ludwig Börne“ später weiter: „Während der Lektüre der Börneschen Briefe dachte ich wahrhaftig immer an den alten Polizeivogt, und mir war oft, als hörte ich wieder seine Stimme“.
Heine erlebt in Paris, wie sich Revolutionen und Ideologien formieren, die noch das 20. Jahrhundert bestimmen werden. Der blitzgescheite Heine begreift, unter welchen Druck die Freiheit des Wortes gerät, wenn es der Politik dienen soll. Ludwig Börne geht diesen Schritt, Heinrich Heine nicht. Er lässt sich nicht verleiten, im Namen einer politischen Idee „die Interessen der Gegenwart und das zunächst zu verfechtende Menschenrecht, das Recht zu leben, aufs Spiel zu setzen“, wie er in seinem Essay „Verschiedenartige Geschichtsauffassung“ schreibt.
Das gute Leben hat jetzt zu sein, nicht in der Ferne einer Utopie. Und das bessere Leben ist erreichbar, auch wenn Pessimisten behaupten, dass Geschichte ohnehin nur aus Wiederholungen besteht. Heine wendet sich gegen Konservative und Kommunisten gleichermaßen. Er entscheidet sich für die Freiheit, für seine der Publikation, für die aller Menschen, die gut leben sollen und nicht einer politischen Idee geopfert werden dürfen. Der Mensch ist Zweck, kein Mittel. Darauf besteht Heine. Wie revolutionär, wie zeitlos.
Und wie freiheitlich. Heine schreibt über die Wahrheit: „Ich schreibe sie mit hübschen Buchstaben auf Papier und gebe sie dem Setzer; der setzt sie in Bley und giebt sie dem Drucker; dieser druckt sie und sie gehört dann der ganzen Welt“. Das ist das Credo des freien Wortes wie es kein Salman Rushdie oder Serhij Zhadan besser hätte aufschreiben können. Dafür liebe ich Heinrich Heine. Und wie.