Osnabrück  Im Ritual erstarrt: Klimatreffen wird Erwartungen kaum erfüllen

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 05.11.2022 14:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Gäste betreten das Kongresszentrum, in dem von diesem Sonntag an die UN-Weltklimakonferenz COP27 stattfindet. Foto: picture alliance/dpa/AP
Gäste betreten das Kongresszentrum, in dem von diesem Sonntag an die UN-Weltklimakonferenz COP27 stattfindet. Foto: picture alliance/dpa/AP
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Der Kampf gegen den Klimawandel hat infolge des Ukraine-Krieges international an Schwung verloren. Viele Menschen sorgen sich mehr um ihre Existenz als um Wetterkapriolen. Das ist nachvollziehbar aber fatal.

Schlechte Zeiten für die Weltenrettung. Nicht einmal Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier glaubt noch daran, dass die UN-Klimakonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich ein Erfolg wird. Sollte Deutschlands Staatsoberhaupt aber qua Amt nicht für Zuversicht und Optimismus stehen? Nicht nur. Er ist auch Mahner.

Die Dynamik beim Klimaschutz hat sich verlangsamt. Die geopolitische Lage ist nicht so, dass große Player wie China, Russland, die EU und die USA beherzt an einem Strang zögen. Zuletzt hat sich das vor wenigen Tagen bei der Antartkis-Konferenz gezeigt, wo man nicht einmal in der Lage war, sich auf grundlegende Schutzstandards zu einigen. Immer stehen nationale Interessen im Vordergrund.

Die vor einem Jahr beim Weltklimagipfel in Glasgow als historisch gefeierten Entscheidungen wurden von der schnöden Realität überholz - einem Krieg und seinen Folgen. Geld, das für die so wichtige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft hin zu Nachhaltigkeit und Klimaneutralität notwendig wäre, fließt stattdessen in Waffen und Programme zur Abfederung der Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine.

Machen wir uns also nichts vor. Es geht nicht mehr darum, den Klimawandel zu verhindern. Er ist längst da. Die Wetterkapriolen führen uns das von Jahr zu Jahr immer eindringlicher vor Augen. Die seit Jahrzehnten ersehnte und auf unzähligen Konferenzen herbeigeredete globale klimapolitische Wende ist ausgeblieben. Und das wird drastische Konsequenzen für viele Lebens- und Siedlungsräume und weltweite Migrationsbewegungen haben.

Fatalistisch ergeben sollten wir uns dieser Entwicklung gleichwohl nicht. Denn nur wenn es noch gelingt, das Schlimmste zu verhindern, gibt es eine reelle Chance, sich auf die Konsequenzen des Klimawandels technologisch und gesellschaftlich einzustellen.

Das ist wohl auch das stärkste Argument dafür, weiter kritische Emissionen zu drosseln, erneuerbare Energien voranzutreiben und entsprechende internationale Absprachen zu einer gegenseitigen Unterstützung zu treffen. Ob Konferenzen mit Tausenden Teilnehmern dazu das richtige Forum bieten, sei dahingestellt. Was aber wäre die Alternative?

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