Alles Kultur Rein ins Wortgefecht!
Heute erzählt unsere Kolumnistin, warum sie sich so gern streitet – und was sie dabei gelernt hat.
Ist das Thema noch so polarisierend, geradezu ein gesellschaftspolitisches Wespennest, das die großen Partycrash-Themen wie Religion oder Politik umfasst und irgendwie mein Gerechtigkeitsempfinden evoziert, können wir uns sicher sein, dass ich mich voll reinschmeiße. Manchmal ohne Intention, weil ich meinen Sprechfluss nicht aufhalten kann und dann mit dem, was ich laut ausgesprochen habe, nicht nur leben muss, sondern anschließend auch erklären und verteidigen will. Ich schätze die Diplomatie anderer, bin es selbst oft nicht. Als würde es ständig unkontrolliert in mir schreien, dass Neutralität was für Anfänger sei. Ich diskutiere leidenschaftlich, ungeachtet der Uhrzeit oder Promille-Höhe meines Gegenübers. Ich verbeiße mich richtig in eine Sache und ärgere mich, wenn ich merke, dass mir noch der richtige Argumentationsweg oder eine klare Beweisführung fehlen, um Mitdiskutierende zu erreichen. Oft liege ich stundenlang nachts wach, nur um fiktive Diskussionen in meinem Kopf zu führen, um beim nächsten Mal besser gewappnet zu sein.
Joachim Braun schrieb neulich in dieser Zeitung, dass man sich mit mir nicht anlegen möchte. Ich möchte ihm Recht geben, obwohl wir uns noch nie an einen echten Tisch gesetzt haben. Ich mache keinen Hehl daraus, ich bin bei herausfordernden Themen oft gut vorbereitet und weiß, was meine Haltung dazu ist. Ich möchte debattieren und analysieren und dabei entweder einen Wissenvorsprung haben oder zumindest mein Bauchgefühl in Worte packen können. Und dann: Rein ins Wortgefecht! Ich kenne meine Bibel. Ich kenne mein Grundgesetz. Ich kenne Menschen. Doch bei aller Beharrlichkeit, andere Menschen von meiner Anschauung zu überzeugen, habe ich unbestritten am meisten gelernt! Über meine Bibel, mein Grundgesetz und die Menschen und dadurch oft meine Haltung überdacht. Ich liebe es, diese Bäder in Redekunst, Wein, gekränkten Egos und Krawall.
Ob es bei mir auch mal belanglos sein darf? Sicherlich. Ich hätte auch über etwas anderes schreiben können, schließlich ist heute „Tag der Zartbitterschokolade mit Mandeln“.
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