Sicherheit geht vor  Im Winter können einige Sprit-Spartipps fürs Auto gefährlich sein

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 06.11.2022 12:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Autofahren kann man sicher Sprit sparen - dabei muss man im Winter nicht unbedingt an der Licht- oder Heizungsanlage drehen. Foto: Ortgies/Archiv
Beim Autofahren kann man sicher Sprit sparen - dabei muss man im Winter nicht unbedingt an der Licht- oder Heizungsanlage drehen. Foto: Ortgies/Archiv
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Autofahrer ächzen unter den hohen Spritpreisen. Einige Spartipps aber können in dieser Zeit gefährlich werden. Wir haben mit Experten gesprochen und erklären, wie man sicher spart.

Ostfriesland - Vor einem Jahr lag der Preis für Benzin (Super E10) noch bei 1,65 Euro der Liter, Diesel kostete 1,53 Euro, lässt sich beim ADAC nachlesen. Und schon da haben Autofahrer gestöhnt, denn es war bereits eine gute Steigerung zu den Preisen von Anfang 2021 mit 1,35 Euro für Super, 1,23 Euro für Diesel. Jetzt können Pendler darüber nur müde lächeln.

Zwar sind die Kosten vom absoluten Hoch im Frühjahr wieder etwas gefallen, aber das Volltanken leert dennoch rasch den Geldbeutel. Um den hohen Ausgaben entgegenzuwirken, entscheiden sich viele, spritsparender zu fahren. Schon kleine Änderungen am Fahrverhalten können dabei helfen. In der kälteren und dunkleren Jahreszeit gibt es aber teilweise anderes zu bedenken.

Wenn die Scheiben beschlagen

„Man sollte nicht am falschen Ende sparen“, sagt Hermann Diekhoff, Fahrtrainer der Verkehrswacht aus Moormerland. Generell wird zwar empfohlen, die Neben-Verbraucher wie Klima-Anlage und Gebläse nicht unnötig einzuschalten. Wenn es aber sehr kalt ist, sollte man sich eher für die Heizung als für dicke Kleidung entscheiden. Denn: Diese macht unbeweglich. „Man muss vernünftig sitzen und lenken können“, erklärt er. Das Ausschalten der Heizung verbessere auch nur „unwesentlich“ den Verbrauch, sagt Lothar Freese, Obermeister bei der Kfz-Innung für Ostfriesland.

Ein weiteres Problem: In der kälteren und nassen Zeit beschlagen die Scheiben insbesondere von etwas älteren oder günstigeren Modellen. Ohne Durchblick wird das Autofahren gefährlich. Die Klima-Anlage sorgt meist schnell für klare Sicht. „Aber bei 15 Grad ohne direkte Sonne brauche ich die Klimaanlage nicht“, betont Hermann Diekhoff. Gerade Autos mit kleinen Motoren verbrauchen bei der Verwendung enorm viel Sprit. Und: Mit Entfeuchtern im Auto kann man dem Beschlagen auch ohne Strom entgegenwirken. Es gibt Säckchen mit Granulat, die man sich vorne aufs Armaturenbrett legt. Die benutze er auch und es funktioniere. Man müsse die Säckchen nur nach ein paar Tagen auf der Heizung oder in der Mikrowelle trocken lassen. Lothar Freese nennt auch ein Anti-Beschlagspray als mögliches Hilfsmittel.

Finger weg vom Licht

Manch einer mag Sprit sparen wollen, in dem er tagsüber das Licht am Auto ausschaltet. Im Straßenverkehr aber gehe es darum, zu sehen und gesehen zu werden, sagt Hermann Diekhoff. Etwa 80 Prozent der älteren Verkehrsteilnehmer, die in der Fahrschule keine Gefahrenbremsung gelernt haben, weil das früher nicht zum Lehrplan gehörte, könnten nicht schnell bremsen, meint er. Ist ein Auto dann auch noch weniger sichtbar, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man zu spät gesehen wird, der Fahrer nicht schnell bremsen kann und es zum Unfall kommt.

In dieser Jahreszeit sorge die tiefstehende Sonne oft auch für so „unglückliche Lichtverhältnisse“, dass man auf ein Licht am Auto nicht verzichten sollte, sagt der Moormerländer. Noch ist es aber nicht Gesetz, dass das Fahrzeug am Tag mit Licht fahren muss. Demnach muss erst bei Einbruch der Dämmerung oder wenn es die Sichtverhältnisse erfordern mit dem sogenannten Abblendlicht gefahren werden. Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) kann sich durch das Ausschalten dieses Lichts tagsüber der Kraftstoffverbrauch aber nur um etwa 0,1 bis 0,2 Liter auf 100 Kilometern verringern.

Fuß vom Gas und richtiger Gang

So richtig Sprit sparen, kann man allerdings, wenn man einige Gewohnheiten ändert. Lothar Freese etwa rät dringend davon ab, den Motor an kalten Tagen warmlaufen zu lassen oder zu warten, bis der Innenbereich des Autos erwärmt ist. „Der Verbrauch dabei ist gar nicht mal so gering“, sagt er. Am besten sei es, wenn man die Scheiben - wenn nötig - frei mache und dann zügig losfahre.

Es hilft auch enorm, etwas vom Gaspedal zu gehen. Ein Redakteur dieser Zeitung, der jeden Tag von Oldenburg nach Emden pendelt, hat den Test gemacht. Ein paar Tage ist er auf der Autobahn extra schnell gefahren, an anderen hat er sich bei 120 Stundenkilometern eingependelt. Sein Fazit: Das sparsame Fahren ermöglicht es ihm, ein bis zwei Tage länger zu pendeln. „Das macht enorm was aus“, sagt auch Hermann Diekhoff. Er rät Autofahrern dazu, regelmäßig im Bordcomputer auf den aktuellen Verbrauch zu schauen. Da sieht man schnell, wie sich das eigene Fahrverhalten auf den Spritverbrauch auswirkt. „Und im günstigsten Fall kann man schnell ein, zwei Liter sparen“, sagt Lothar Freese.

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Bei einem Schaltgetriebe gilt es, frühzeitig hochzuschalten und erst spät wieder runterzuschalten, so Diekhoff. Bei einigen Autofahrern, die er schon trainiert hatte, hätten sich dadurch Einsparungen von bis zu 40 Prozent ergeben. Ab einer Drehzahl von 1500 sollte hochgeschaltet werden. Bei Überholvorgängen können auch Gänge übersprungen werden. Er beobachte immer wieder, dass viele erfahrene Autofahrer falsch schalten. „Sie haben noch das Fahrverhalten von vor 30 Jahren, das aber heute total falsch ist“, sagt er. Die Autos seien aber heute ganz anders ausgerichtet.