Berlin ARD und ZDF: Wofür geben sie die Rundfunkbeiträge aus?
Der Rundfunkbeitrag für die öffentlich-rechtlichen Sender ist umstritten. Im vergangenen Jahr nahmen ARD und ZDF damit die Rekordsumme von 8,4 Milliarden Euro ein. Und trotzdem reicht das Geld nicht. Wofür geben sie es aus? Ein Überblick.
Dass der monatliche Rundfunkbeitrag regelmäßig von vielen Seiten kritisiert wird, ist nichts Neues. Dass massive Kritik aus den eigenen Reihen kommt, schon. Tom Buhrow, Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), sagte in einer Rede, die von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht wurde: „Mein fester Eindruck ist: Deutschland scheint uns in zehn Jahren nicht mehr in dem Umfang zu wollen – und auch finanzieren zu wollen wie heute.“
Die jüngste Debatte um die Öffentlich-Rechtlichen ist im Sommer durch den Skandal beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ausgelöst worden. Doch wie Buhrow sagt, handele es sich mittlerweile nicht mehr nur um eine Debatte um Einzelthemen, sondern um eine Grundsatzdebatte. Er spricht von einer notwendigen Reform – und stellt in Frage, ob es tatsächlich beide Sender, ZDF und ARD, braucht.
18,36 Euro beträgt der monatliche Rundfunkbeitrag aktuell. Erhöht wurde er zuletzt im August vergangenen Jahres – um 86 Cent. Wie aus dem jährlich veröffentlichten Bericht der öffentlich-rechtlichen TV-Sender und des Deutschlandfunks hervorgeht, kam 2021 so die stattliche Summe von rund 8,4 Milliarden Euro zusammen.
Eine Rekordsumme, wie man feststellt, wenn man sich die vergangenen Jahre anschaut. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Einnahmen durch den Rundfunkbeitrag um vier Prozent gestiegen. Zuletzt kassierten die Öffentlich-Rechtlichen 2014 mit rund 8,3 Milliarden Euro eine ähnlich hohe Summe.
Woran der zwischenzeitliche Finanzeinbruch lag, ist schnell erklärt: 2015 wurde der Rundfunkbeitrag von 17,98 Euro auf 17,50 Euro gesenkt. Seit 2017 stiegen die jährlichen Erträge allerdings wieder. Das lag zum einen an erneuten Erhöhungen des Beitrags, zum anderen auch an der wachsenden Anzahl der Beitragszahlerinnen und -zahler.
Was passiert nun aber mit dem vielen Geld? So viel vorab: Den mit Abstand größten Anteil bekommt das ZDF, nämlich gut zwei Milliarden. Der Rest verteilt sich auf die ARD-Anstalten. Am meisten profitiert hier der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mit 1,3 Milliarden Euro. Danach folgen der Südwestrundfunk (SWR) und der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit jeweils 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt kassieren die regionalen Rundfunkhäuser der ARD so zusammen rund sechs Milliarden Euro jährlich.
Allein 172,75 Millionen Euro der Rundfunkbeiträge wurden 2021 für den Beitragsservice ausgegeben. Sprich, für die Institution, die mit ihren rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den Einzug der Gebühren zuständig ist. Aus dem Jahresbericht geht hervor, dass hier mit rund 88 Millionen Euro rund 300.000 Euro mehr für Gehälter, Löhne und Altersversorgung ausgegeben wurden, als noch ein Jahr zuvor.
Aber kommen wir zu ARD und ZDF direkt: Ein großer Teil der Einnahmen entfällt natürlich auf die Gehälter und Löhne. So kosteten zum Beispiel die elf Sportmoderatorinnen und -moderatoren der ARD in der Saison 2020/2021 rund 2,25 Millionen Euro. 1,74 Millionen Euro wurden für 16 Expertinnen und Experten ausgegeben, die in Sportsendungen im Einsatz waren. Das verrät die ARD direkt auf ihrer Webseite.
Auch die Gehälter der Intendanten sind dort einsehbar. So verdiente der Intendant des SWR 2021 mit 381.000 Euro am meisten, der Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR) mit 245.000 Euro am wenigsten.
Filme, Serien, Shows, Reportagen und Dokumentationen machen den zweiten großen Batzen an Ausgaben aus. Allein eine Folge der beliebten ARD-Krimireihe „Tatort“ kostet in der Produktion durchschnittlich 1,7 Millionen Euro. Rund die Hälfte der Kosten entfallen auf die Entlohnung von Schauspielerinnen und Schauspieler sowie die Film-Crew.
Auch das ZDF gibt Einblicke in seine Ausgaben. Für Filme, die sowohl selbst produziert als auch eingekauft werden, fallen jährlich rund 267 Millionen Euro an. Die Kosten für Serien belaufen sich auf gute 198 Millionen Euro. Der Bereich Nachrichten, Dokumentationen und Reportagen ist im Vergleich ziemlich günstig. Hier fallen nur rund 77 Millionen Euro an. Auch interessant: Die erste Sendeminute der „Tagesschau“ – Deutschlands beliebtester Nachrichtensendung – kostet 1844 Euro.
Neben den eigenen Programmen finanzieren ARD und ZDF im Übrigen gemeinsam die Sender 3sat, Arte, Phoenix, KiKa und das Online-Content-Netzwerk Funk. Das ZDF betreibt außerdem noch die Kanäle ZDFneo und ZDFinfo.
Trotz Rekorderträgen reicht der Rundfunkbeitrag offenbar nicht aus, um die anfallenden Kosten bei ARD, ZDF und Co. zu decken. Wie aus den 2021 verabschiedeten Wirtschaftsplänen der Anstalten hervorgeht, weisen die Finanzen 2022 teils gravierende Defizite auf. Die mit Abstand größten Verluste verzeichnet der SWR mit 216 Millionen Euro. Doch auch das ZDF ist voraussichtlich mit 105 Millionen Euro in den Miesen.