Hohe Energiekosten Müssen Ärzte ihre Praxen schließen?
Gas- und Strompreise belasten auch die Hausärzte. Nun schlagen sie Alarm und fordern Unterstützung – auch in Ostfriesland.
Berlin/Ostftriesland - Die niedergelassenen Ärzte fordern staatliche Hilfe zur Bewältigung der Energiepreisexplosion. „Die inhabergeführten Praxen brauchen analog zu den Kliniken finanzielle Unterstützung in der Krise“, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Den Haus- und Kinderärzten brächen wegen eines „fehlgeleiteten von Personal- und Energiekosten hinzu. „Wenn der Bund nicht rasch mit erheblichen Mitteln hilft, trocknet die hausärztliche Versorgung aus“, warnte Fischbach.
„Wir hatten schon im vergangenen Jahr eine deutlich höhere Gasrechnung als sonst“, berichtete Mareike Grebe, die mit ihrem Mann und einem angestellten Arzt eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis in Hesel betreibt. Bedingt sei dies durch Corona- und Infektionssprechstunden gewesen. „Da müssen wir ja ordentlich lüften. Und wenn es kalt ist, schlägt das deutlich ins Kontor.“ Jetzt erhofft sich die Ärztin, dass die Hausarztpraxen nicht von der Politik vergessen werden.
Ärzte wollen gleiches Recht für alle
Der Bund hatte sich am Mittwoch mit den Ländern auf ein Hilfspaket von bis zu acht Milliarden Euro für Krankenhäuser, Kliniken und Pflegeeinrichtungen verständigt. „Es wird kein Krankenhaus in unmittelbare Not geraten auf der Grundlage gestiegener Energiepreise“, begründete Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Finanzspritze.
„Das angekündigte Hilfspaket für Krankenhäuser muss in gleicher Form auch für niedergelassene Ärzte und ihre Praxen gelten“, forderte Dieter Krott, Geschäftsführer der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Ein entsprechendes Schreiben habe die Kassenärztliche Bundesvereinigung bereits an Lauterbach versandt. In Gesprächen bekomme er häufig von den angeschlossenen Ärzten berichtet, wie stark die Folgen des Ukraine-Krieges auch auf den Praxen lasteten, so Krott.
Werden Kliniken einseitig unterstützt?
Fischbach monierte: „Es kann doch nicht sein, dass die Praxen hinten rüber fallen.“ Er warf Lauterbach eine „einseitige Politik zur Stützung der Kliniken“ vor, welche die ambulante Versorgung in den Hintergrund rücke. Dabei würden 80 Prozent der Patienten in Praxen behandelt. Ohne Gegensteuern des Bundes sieht der Mediziner sogar die freie Arztwahl in Gefahr. „Wenn alles nur noch über Kliniken, Medizinische Versorgungszentren oder ‚Gesundheitskioske‘ läuft, geht die hausärztliche Versorgung mit ihrer besonderen Wertschätzung eines persönlichen Arzt-Patienten-Verhältnisses den Bach runter.“
Fischbach berichtete von „riesengroßem Frust“ bei den niedergelassenen Ärzten. „Schon jetzt machen viele Kolleginnen und Kollegen ihre Praxen früher dicht, weil sich der Betrieb nicht mehr trägt. Und die Energiekostenexplosion ist vielerorts noch gar nicht angekommen.“ Zwar sollen auch Haus- und Facharztpraxen von der Gas- und Strompreisbremse profitieren. „Aber die Hürden sind viel zu hoch und es reicht vorne und hinten nicht“, betonte Fischbach.
Konkurrenz zu Kliniken
Krott hob hervor: „Die hohen Energiekosten sind eine Bürde für die niedergelassenen Ärzte, insbesondere für die Radiologen. MRT-Geräte lassen sich nicht einfach so ausschalten.“ Aber auch der medizinische Bedarf, der in den Praxen benötigt werde, schlage deutlich zu Buche. „Das ist auch alles teurer geworden.“
Die Energiekosten seien nicht das einzige Problem, mit dem gerade die ländlichen Praxen zu kämpfen hätten, sagte auch die Ärztin Grebe aus Hesel. Hinzu komme ein Personalwettstreit mit den Krankenhäusern. „Da gab es den Corona-Bonus und auch sonst wird besser bezahlt.“ So bildeten die Hausärzte medizinische Fachkräfte aus, die dann bei entsprechenden Angeboten zu den Krankenhäusern wechselten.