Zum Schutz der Wiesenvögel Landkreis verteidigt Kahlschlag am Großen Meer
Wiesenvögel brauchen eine offene Landschaft, sonst sterben sie aus. Um das zu verhindern, lässt der Landkreis Aurich im großen Stil Bäume fällen. Das gefällt nicht jedem.
Aurich/Emden - Kahlschlag im Sinne des Naturschutzes? Das erscheint vielen Menschen widersinnig. Gegen groß angelegte Baumfällaktionen im Landkreis Aurich und in Emden, die dem Schutz bedrohter Wiesenvögel dienen sollen, macht sich Widerstand breit. Am Dienstag protestierten beispielsweise in den Engerhafer Meeden rund 100 Menschen gegen den Plan, einen 1,2 Hektar großen Baumbestand zu beseitigen.
Der Landkreis Aurich weist die Kritik zurück. Wegen der anhaltenden Proteste erklärt die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung noch einmal ausführlich, weshalb aus ihrer Sicht an den Baumfällungen kein Weg vorbeiführt. Das Vogelschutzgebiet „Ostfriesische Meere“ gehöre zu den wichtigsten Brutgebieten für Wiesenvögel in Niedersachsen. Daher habe die Region eine besonders hohe Verantwortung für das Überleben bedrohter Wiesenbrüter wie Uferschnepfe, Bekassine, Kiebitz und Rotschenkel. Deren Bestände seien in den vergangenen 25 Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Einige Arten seien vom Aussterben bedroht.
Beutegreifer hocken auf den Bäumen
Wiesenvögel bräuchten eine offene, strukturarme Landschaft – eine Landschaft ohne Bäume. Denn in Büschen und Bäumen nisten Greifvögel und Rabenkrähen, die Fressfeinde der Wiesenvögel. Sie nutzen die Gehölze zudem zum Ausspähen von Beute. Auch Fuchs und Steinmarder, die es auf die Nester der Wiesenvögel abgesehen haben, finden dort Deckung. Die Fressfeinde und auch andere Arten wie Hase, Fasan und Reh könnten auf umliegende Flächen ausweichen, so die Kreisverwaltung. Die bedrohten Wiesenvögel hingegen seien auf die Wiederherstellung der typischen offenen ostfriesischen Meedengebiete angewiesen, sonst werde es diese Arten in ein paar Jahrzehnten nicht mehr geben.
Die Landschaft rund um das Große Meer und das Loppersumer Meer habe sich in den vergangenen Jahrzehnten durch eine geänderte Bewirtschaftungs- und Unterhaltungspraxis schleichend verändert – zum Nachteil der Wiesenvögel. Der Landkreis sei gesetzlich verpflichtet, das rückgängig zu machen. Das EU-Recht schreibe vor, dass der Lebensraum der bedrohten Vögel erhalten oder wieder hergestellt werden muss.
Kurzfilm erläutert das Vorgehen
Die Kreisverwaltung weist auch den Vorwurf der Intransparenz zurück. Ein Managementplan für das Vogelschutzgebiet sei unter Beteiligung der Öffentlichkeit entwickelt und nach Fertigstellung öffentlich vorgestellt worden. „In dem Plan finden unter anderem auch wissenschaftliche Studien Berücksichtigung, die eine langfristige Reduzierung von Wildunfällen in offenen Landschaften belegen.“ Die Baumfällungen trügen somit auch zur Verkehrssicherheit bei.
Die jetzt laufenden Gehölzentfernungen hätten nichts mit dem Bau der geplanten Zentralklinik in Uthwerdum zu tun, betont der Landkreis und weist anders lautende Berichte zurück. Bei der Protestkundgebung am Dienstag war gespottet worden, der Kiebitz solle vom künftigen Klinikgelände umgesiedelt werden, wisse aber gar nichts vom bevorstehenden Umzug.
100 Menschen protestieren gegen Kahlschlag
Stadt Emden und Nabu roden weiter für den Wiesenvogel
Bäume müssen fallen, damit Wiesenvögel leben
Baumfällaktion nördlich der Bundesstraße 210 verschoben
Die Kreisverwaltung verweist auf einen Kurzfilm, der in Zusammenarbeit mit der Stadt Emden und dem Naturschutzbund (Nabu) Ostfriesland entstanden sei. Darin werde veranschaulicht, dass das Fällen von Bäumen auch Naturschutz bedeuten kann. Der Film ist auf der Internet-Plattform Youtube zu finden.