Schwerin Kein Happyend: Norddeutsche Bloggerin Jana Wendig erliegt dem Krebs
Seit einem Dreivierteljahr haben wir immer wieder über den Blog der jungen Mutter Jana Wendig berichtet. Jetzt hat die Schwerinerin den Kampf gegen den Krebs verloren.
Es gibt Texte, die man selbst dann weiterlesen muss, wenn man am liebsten die Augen vor dem verschließen möchte, was man dort liest. Den Blog „Zwischen Bäuerchen und Biopsie“ zum Beispiel.
Im Januar hat die Schwerinerin Jana Wendig begonnen, dort ihren Kampf gegen einen besonders aggressiven Nasennebenhöhlenkrebs zu schildern. Die Diagnose hatte sie nur wenige Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Moritz bekommen – der Kleine ist ein Wunschkind, auf das sie und ihr Mann Basti zuvor Jahre lang vergeblich gehofft hatten. Doch plötzlich stand das Leben der kleinen Familie Kopf.
In Schwerin hielten Ärzte den Tumor für inoperabel. An der Berliner Charité fanden sich dann doch Neurochirurgen, die es versuchen wollten – und obwohl letztlich sogar zwei Eingriffe nötig waren, schöpfte die Familie neue Hoffnung. Das bösartige Gewebe sei vollständig ausgeräumt worden, hieß es nämlich.
Dennoch sollte zur Sicherheit bestrahlt werden, die ganze Familie siedelte dafür aus dem neu gebauten Haus in Schwerin in ein zeitweiliges Domizil nach Heidelberg über. Und dort, im Tumorzentrum, gab es den nächsten Schock: Der Krebs war nachgewachsen, musste nun erst mit einer Chemotherapie behandelt werden, bevor die Bestrahlung versucht werden konnte.
Wie sie all das erlebt hat, schildert Jana Wendig in ihrem Blog. Schmerzen, Sorgen, Todesängste - nichts spart sie aus. Denn noch stärker als all das ist die Hoffnung: die Hoffnung, den Krebs besiegen zu können, vor allem aber die Hoffnung erleben zu können, wie Moritz aufwächst.
Dass Seh- und Hörvermögen durch Tumor und Therapie in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass sie den Geschmackssinn verlor, dass sie geplante Reisen und die große kirchliche Hochzeit nach der kleinen standesamtlichen Trauung im vergangenen Jahr verschieben musste, machte die seit Juni 33-Jährige zwar traurig. Aber sie gab nie auf.
Mehrfach in den zurückliegenden Monaten haben wir über Jana Wendig berichtet. Sie selbst hatte angeboten, ihren Blog vorzustellen – auch, weil wir uns als einstige Kollegen kannten. Mit ihren Notizen wolle sie Menschen mit einer ähnlichen Diagnose Wege aufzeigen, wie ihnen vielleicht doch geholfen werden kann, hatte sie erklärt.
Sie gab aber auch offen zu, dass das Schreiben ihr selbst dabei half, die Erkrankung zu realisieren, ihre Gedanken zu ordnen. Dass die Zahl ihrer Leserinnen und Leser daraufhin immer mehr stieg, dass sich bis dahin wildfremde Menschen für die Familie einsetzten und versuchten, ihnen zu helfen, so gut es ging, rührte Jana zutiefst.
Umso schockierender war dann am 9. Oktober dieser Blogeintrag: „Mein Name ist Jennie und ich schreibe euch, weil Jana es gerade nicht mehr kann...“ Zwei Tage später übernahm es dann Janas Mutter Maibritt Wendig, den Blog weiterzuführen und zu schildern, wie es ihrer Tochter ging. Mit unglaublicher Kraft, unendlicher Liebe, aber auch kaum zu ertragender Traurigkeit beschrieb sie, wie ihre einzige Tochter immer weiter abbaute.
Die Familie hatte sie aus der Klinik nach Hause geholt. Dort, wo am Silvestertag Moritz zur Welt gekommen war, sollte sich ihr Lebenskreis schließen. Viele Menschen nahmen daran Anteil, mit Hilfsangeboten, aber auch mit Zielen der Anteilnahme, die ihrerseits zu Tränen rührten.
Der letzte Blogeintrag ist am 28. Oktober erschienen. „Das, was wir nun schon lange geahnt haben, ist heute eingetreten. Jana hat heute am frühen Morgen ihren letzten Atemzug gemacht...“
Mehr als 50 Menschen haben unter diesem Eintrag inzwischen einen Kommentar hinterlassen. Dort heißt es unter anderem: „Erinnerungen, die unser Herz berühren, gehen niemals verloren.“
Ruhe in Frieden, liebe Jana! Auch wir vergessen dich nicht.