Klimaschutz Welche Moorböden in Ostfriesland können wiedervernässt werden?
Wieviel bringt die Wiedervernässung ostfriesischer Moorböden für den Klimaschutz? Diesbezüglich soll eine Karte Informationen liefern, an der das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie arbeitet.
Ostfriesland/Hannover - Moore sollen wiedervernässt werden, damit sie weniger Kohlenstoffdioxid und andere klimaschädliche Gase wie Methan abgeben, sondern Kohlenstoff und Co. speichern. Niedersachsen gilt als moorreichtes Bundesland in Deutschland und Ostfriesland als eine der moorreichsten Regionen in Niedersachsen. Doch der Klimaschutz steckt noch im Vorplanungsstadium, wie Recherchen unserer Zeitung im ersten Halbjahr 2022 ergeben haben. So gibt es für Ostfriesland keinen Überblick, welche Flächen überhaupt wiedervernässt werden könnten – und in welchem Umfang der Ausstoß klimaschädlicher Gase verringert werden könnte.
Das niedersächsische Umweltministerium hat im August reagiert und eine Potenzialstudie zu Mooren im Land ausgeschrieben: „Im Rahmen der Potenzialstudie sollen die in den jeweiligen Moorgebieten bestehenden Potenziale zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen sowie die Potenziale für diesbezügliche Maßnahmen und zur Erhaltung der Kohlenstoffspeicher in Mooren herausgearbeitet und Prioritäten abgeleitet werden.“ Dabei hätten „Lösungen Priorität, die landwirtschaftliche Nutzung und Moorschutz vereinen“, so das Ministerium. „Auf jeden Fall muss vor allen Umsetzungen sichergestellt sein, dass die dort jeweils wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe eine Perspektive bekommen und nicht der Wert des Betriebes in Frage gestellt wird.“
Minister: „Landwirtschaft und Moorschutz gemeinsam denken“
Die Erarbeitung der Studie solle durch Akteure aus Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz begleitet werden, hieß es in der Pressemitteilung des Ministeriums. Minister Olaf Lies wurde wie folgt zitiert: „Landwirtschaft und Moorschutz müssen wir immer gemeinsam denken.“ Und: „Die jetzt vom Bund zur Verfügung gestellten vier Milliarden Euro für natürlichen Klimaschutz sind eine gute Grundlage, Projekte zu entwickeln und Lösungen in der Praxis zu erproben.“ Der Minister forderte einen Strategiewechsel: „Wir müssen auch dringend von einem Entwässerungssystem in unserem Land, das das Wasser auf dem schnellsten Weg in die Nordsee bringt, wegkommen. Wir müssen das System zu einem Wassermanagementsystem weiterentwickeln.“
In Niedersachsen sind laut Umweltministerium rund acht Prozent der Landesfläche Moorböden – 365.000 Hektar. Landwirtschaftlich genutzt werden demnach rund 65 Prozent davon. Weiter hieß es in der Pressemitteilung: „Nicht alle Moorflächen sind gleichermaßen geeignet, um Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen umzusetzen. Zu beachten sind beispielsweise der Zustand der Böden, die Mächtigkeiten der Torfschichten, ob Siedlungsbereiche betroffen sind, inwieweit zusammenhängende Flächen vorliegen und anderes mehr.“
Landesamt arbeitet an der Konkretisierung der Treibhausgas-Effekte
Welche Klimaschutz-Effekte erzielt werden können, will das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) konkretisieren. Es hat im Oktober „Standardwerte zu Treibhausgasemissionen aus kohlenstoffreichen Böden in Niedersachsen“ veröffentlicht. „Damit können Planer, im Naturschutz Aktive, Landwirte und weitere Flächennutzer unter Verwendung von einfachen Daten die Treibhausgasemissionen für Standorte und Gebiete abschätzen“, heißt es in der Pressemitteilung. „Anhand von Informationen zum Boden, zur Landnutzung oder zum Biotoptyp wird die Freisetzung der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas als Summenwert ermittelt. So können auch eine Verminderung der Emissionen und die dafür nötigen Maßnahmen geplant werden, wenn der Ausgangs- und der Zielzustand der Flächen bezüglich Nutzung oder Biotoptyp bekannt sind oder plausibel prognostiziert werden können.“
Das LBEG erklärt: „Bei der Nutzung einer Fläche als Acker oder Intensivgrünland liegen die Treibhausgasemissionen bei rund 40 Tonnen CO2-Äquivalenten je Hektar und Jahr. Bei naturnahen Mooren sind es gerade mal nur gut ein Zehntel so viel. Das heißt, dass sich durch Vernässung und Renaturierung der landwirtschaftlich genutzten Moore eine besonders starke Minderung der Emissionen erreichen ließe. Doch auch bei Extensivgrünland auf Moor, bewaldeten Mooren oder trockenen Moorstadien sind immer noch erhebliche Emissionen von bis zu 25 Tonnen CO2-Äquivalenten je Hektar und Jahr zu verzeichnen. Um die gesetzten Klimaziele zu erreichen, müssten auch diese gemindert werden.“
Unsere Zeitung hat beim LBEG angefragt, welche Aussagen sich inzwischen für Ostfriesland treffen lassen – also welche kohlenstoffreichen Böden es hier gibt und in welcher Größe und mit welchen Eigenschaften. Die Antwort: „Die landesweite Karte zum Vorkommen und zu den Eigenschaften von Moorböden und weiteren kohlenstoffreicher Böden für Niedersachsen und Bremen wird derzeit noch erstellt.“ Das werde noch etwas länger als ein Jahr dauern: „Für die Erstellung der Karte werden vorhandene Daten ausgewertet und in ausgewählten Bereichen bodenkundliche Kartierungen durchgeführt. Die Ableitung der Flächen mit kohlenstoffreichen Böden erfolgt dann auf der Grundlage dieser aktuell zu erhebenden und aufzubereitenden Datengrundlagen regelbasiert landesweit für ganz Niedersachsen und Bremen.“ Die Fertigstellung der Gesamtkarte sei für Ende 2023 geplant.