Schach Open in Leer  Ukraine-Flüchtling mit Talent und großen Hoffnungen

| | 01.11.2022 19:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ilkin Eyvazli (Mitte) belegte im A-Turnier nach sieben Runden den 38. Platz. Fotos: Doden/Emden
Ilkin Eyvazli (Mitte) belegte im A-Turnier nach sieben Runden den 38. Platz. Fotos: Doden/Emden
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Ilkin Eyvazli flüchtete mit seiner Familie aus Odessa nach Deutschland. Aktuell leben die Ukrainer in Moormerland. Der 16-jährige Ilkin spielt seit seiner Kindheit Schach – und bewies nun sein Talent in Leer.

Leer - Der Ukraine-Krieg vertrieb Ilkin Eyvazli und seine Familie aus Odessa. Sie flüchteten aus der Millionenstadt am Schwarzen Meer und bekamen Schutz in Deutschland. Seit erst zwei Monaten lebt Ilkin Eyvazli mit seinen Eltern und seinen zwei Schwestern in der Gemeinde Moormerland. Der 16-Jährige lernt seitdem Deutsch, versteht und spricht aber besser Englisch, wobei es am Wochenende gar nicht viele Worte brauchte, um sich zu verständigen: Die Schachsprache einte die 218 Teilnehmer, die aus ganz Deutschland, den Niederlanden, der Ukraine und Belgien zu den 5. Schach Open nach Leer gereist waren. Im Ostfriesen-Hof trat auch der zurückhaltende junge Mann aus Odessa an, der im stark besetzten A-Turnier sein Talent am Schachbrett bewies.

„In der Ukraine ist das Schachspielen sehr populär“, sagt Ilkin Eyvazli. Seine Mutter hatte ihm als Kind das Spielen beigebracht. Über die Jahre hat er sich seine Gegner vor allem auf Online-Plattformen gesucht.

„Er hat Talent und ist schon viel weiter als andere in seinem Alter“

In Ostfriesland führte ihn der Denksport allerdings ins reale Vereinsleben – und zwar in die Schachabteilung von Fortuna Logabirum, bei der er durch Meino und Dagmar Aden Anschluss gefunden hat. Im September nahm Eyvazli direkt an der Vereinsmeisterschaft im Schnellschach teil und sicherte sich den zweiten Platz – nur einen Punkt hinter Gesamtsieger Tammo Aden. „Er hat auf jeden Fall Talent und ist schon viel weiter als andere in seinem Alter“, sagt Meino Aden über Eyvazli.

Geboren wurde er in Aserbaidschan. Seine Jugend verbrachte er aber in der Ukraine, wo er mit 14 Jahren Jugend-Schachmeister von Odessa wurde. Bei den Leeraner Schach Open belegte Ilkin Eyvazli nach sieben Runden im A-Turnier den 38. Platz von 115 angetretenen Teilnehmern.

Zwei Hamburger Spitzenspieler machten Turniersieg unter sich aus

Das Duell um den Turniersieg am Montag wurde zum Hamburger Spitzen-Derby, das der topgesetzte Julian Kramer (Hamburger SK) gegen Vorjahressieger Aljoscha Feuerstack (FC St. Pauli) für sich entschied. Als beste Frau des A-Turniers ging Machteld van Foreest (SG Solingen) hervor. Wegen der Punktgleichheit von 4,5 Zählern nach sieben Runden wurde eine Feinwertung angewandt. Nach der Buchholz-Wertung lag die gebürtige Niederländerin (30 Punkte) vor der Deutschen Meisterin Lara Schulze (Werder Bremen/27 Zähler).

Ein voller Saal, in dem es mucksmäuschenstill war: 115 Schachspieler traten über das Wochenende beim A-Turnier an.
Ein voller Saal, in dem es mucksmäuschenstill war: 115 Schachspieler traten über das Wochenende beim A-Turnier an.
Beim B-Turnier traten 103 Schachspieler an. Mit Mika Dorendorf siegte ebenfalls ein Akteur vom Hamburger SK, dem größten Schachverein Deutschlands. Beste Frau war Sophia Brunner (SK Nordhorn-Blanke), die im Gesamtklassement den dritten Platz erreichte.

Ilkin Eyvazli möchte gerne in Deutschland studieren

„Es waren alle sehr zufrieden mit dem Turnier“, zog Organisator Edzard Wirtjes ein positives Fazit. Viele Teilnehmer hätten sich bereits für die nächste Auflage im kommenden Jahr angemeldet – so wie Michael S. Langer. Der Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes habe aus beruflichen Gründen am Wochenende nicht selbst spielen können, sagte Wirtjes.

Vielleicht wird auch Ilkin Eyvazli nächstes Jahr ein weiteres Mal antreten. Der 16-Jährige, der die IGS Moormerland besucht und parallel per Home-Schooling auf seinen Abschluss in Odessa hinarbeitet, möchte gerne in Deutschland bleiben und ein Studium beginnen – am liebsten im Bereich der Informationstechnologie. Seine Hoffnungen sind groß, seine Zukunft ungewiss. Durch seinen geliebten Schachsport hat er in Ostfriesland zumindest schon mal eine neue sportliche Heimat gefunden.

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