Töwerland-Express wächst Reederei-Chef hofft auf 50-Passagier-Fähre für Baltrum
Bislang nutzt der Töwerland-Express nur sogenannte Wassertaxis. Bald soll aber die erste größere Fähre hinzukommen – und dabei allein soll es nicht bleiben.
Baltrum/Juist - Das nächste Ziel ist fast erreicht, das übernächste bereits vor Augen: Die Rede ist von den Ausbau-Plänen des Töwerland-Express. Dieses Mal benötigt die Reederei dafür jedoch finanzielle Unterstützung von der Wirtschaft auf Baltrum, wie ihr Juister Geschäftsführer Jörg Schmidt gegenüber unserer Zeitung erklärt. Egal ob führende Hotels, große Baufirmen, Energieversorger oder andere Betriebe mit pendelnden Mitarbeitern: Sie alle sollen davon am Ende profitieren. Die Idee: Die Beteiligten schmeißen zusammen, um am Ende gemeinsam eine 800.000 Euro teure Fähre für bis zu 50 Passagiere anzuschaffen, die dann an den Töwerland-Express vermietet wird.
Was und warum
Darum geht es: Bald soll nicht nur eine neue 50-Personen-Fähre zwischen Norddeich und Juist den Betrieb aufnehmen, sondern es soll auch noch eine weitere hinzukommen. Dafür wird aber Hilfe von der Wirtschaft auf Baltrum benötigt.
Vor allem interessant für: Reisende, die nach Juist oder Baltrum fahren müssen
Deshalb berichten wir: Eigentlich hatten wir mit Jörg Schmidt über die momentane Pause für seine Baltrum-Wassertaxis gesprochen. Dabei äußerte er auch den Wunsch, das Angebot in Richtung Neßmersiel auszubauen. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Selbst könnte Schmidt diese Summe derzeit nämlich nicht aufbringen, sagt er. Auch weil er zuletzt bereits in ein anderes baugleiches Schiff investiert hat, das bald zwischen Norddeich und Juist fahren soll. Es ist zwölf mal sechs Meter lang und soll noch in diesem Jahr fertig werden. Aufgrund von noch ausstehenden Genehmigungen geht er davon aus, dass die Fähre aber erst im Februar in den Linienbetrieb integriert werden kann. Es wird die erste größere für den sogenannten Reederei-Rebellen sein, der vor drei Jahren die Wassertaxis nach Ostfriesland gebracht hat.
Das sind schnelle Minifähren, die in seinem Fall bis zu zwölf Personen Platz bieten. Durch andere Fahrtzeiten und dank der größeren Unabhängigkeit von der Tide sollen mit ihnen gerade diejenigen Personen angesprochen werden, die zu eher untypischen Zeiten reisen wollen oder die es besonders eilig haben. Inzwischen sind daher unter anderem auch die AG Reederei Norden-Frisia und die Bootstouren Spiekeroog GmbH in das Geschäft eingestiegen, deren Wassertaxis an den Häfen von Norddeich, Norderney, Juist, Baltrum, Neßmersiel, Neuharlingersiel und Spiekeroog liegen.
Sportbootfahrer sollen weiter qualifiziert werden
Auch wenn die 50-Personen-Fähre Richtung Juist startet und es vielleicht auch noch mit der Investition auf Baltrum klappt, will Schmidt daher zumindest einige seiner Wassertaxis beibehalten. Während die großen nach Fahrplan fahren, sollen die kleinen für den Fall der Fälle nützlich werden, wenn sich zum Beispiel der Anschlusszug einzelner Passagiere verspätet oder wenn Handwerker zu Notfällen auf die Inseln gerufen werden, erklärt der Gastronom. Sie bieten aber noch einen weiteren Vorteil, von dem die ganze Schifffahrtsbranche profitieren könne, ist er sich sicher.
Während es an professionellen Seeleuten mangelt, gibt es nämlich im Verhältnis dazu relativ viele Leute mit einem Sportbootführerschein. Die dürfen zusammen mit einem gesundheitlichen Zusatzzeugnis die Wassertaxis steuern. Ein niederschwelliges Jobangebot, über das Schmidt jedoch auch Leute finden will, die auf den Geschmack kommen. Sie sollen sich dann stärker qualifizieren und am Ende zum Beispiel mit einem großen Kapitänspatent abschließen. Schmidt kann diese Leute dann auf seinen großen Fähren einsetzen. Er wirbt mit der guten Bezahlung in der Seefahrtbranche.
Wie viel Anbindung verkraftet eine kleine Insel?
„Wir nehmen die Herausforderung an“, sagt Christina Ulrichs, als unsere Zeitung sie auf die Expansionspläne im Neßmersiel-Baltrum-Verkehr anspricht. Bislang ist es nämlich nur ihre Reederei, die Baltrum-Linie, die mit großen Fähren zwischen diesen beiden Orten unterwegs ist. „Wettbewerb auf Augenhöhe belebt aber das Geschäft“, zeigt sich die Geschäfsführerin optimistisch. Sie vermutet, dass eine bessere Anbindung auch mehr Leben auf die kleine Insel bringen könnte und davon Restaurants, Geschäfte und Hotels profitieren. Allerdings stelle sich die Frage, in welchem Ausmaß und wie es dann außerhalb der Saison aussehe. Mit 140.000 bis 160.000 Personenbeförderungen pro Jahr sei das Geschäft von und nach Baltrum nämlich vergleichsweise klein, gibt Ulrichs zu bedenken. Bei der Frisia hingegen seien es zuletzt beispielsweise rund 2,6 Millionen Beförderungen von und nach Norderney gewesen und dort sei das ganze Jahr über Betrieb.
Das erklärt, warum jetzt auch dort ein neuer Mitbewerber in das Geschäft mit den großen Fähren einsteigt und dem Platzhirsch Frisia die Stirn bieten will. Es handelt sich um das Unternehmen „Meine Fähre“, hinter dem zehn Gesellschafter stecken, zu denen Norderneyer Hoteliers und ein Gesellschafter aus der Schiffahrtsbranche gehören. Viel ist über das Angebot nicht bekannt, nur dass mit dem Schiff sowohl Passagiere als auch Fahrzeuge transportiert werden können.
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