Kolumne Intern Unsere Welt ist viel besser, als wir es wahrnehmen
Wir alle haben einen schiefen Blick auf die Welt. Wir nehmen sie viel negativer wahr, als sie ist. Das liegt natürlich auch an der Berichterstattung der Medien, es hat aber auch tiefere Ursachen.
Drei Fragen vorweg: Was glauben Sie, wie viele Mädchen absolvieren heute fünf Jahre Grundschule in Ländern mit niedrigen Einkommen? 20 (a), 40 (b) oder 60 (c) Prozent? Wo lebt heute die Mehrheit der Weltbevölkerung? In Ländern mit geringen (a), mittleren (b) oder hohen (c) Einkommen. Hat sich seit 2000 der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung ... verdoppelt (a), kaum verändert (b) oder mehr als halbiert (c)? 2017 ließ der schwedische Forscher Hans Rosling 12.000 Menschen in 14 westlichen Ländern diese und neun ähnliche Fragen stellen. Nur ein einziger beantwortete elf Fragen richtig, der Durchschnitt wusste nur zwei richtige Antworten (die lauten bei den Fragen übrigens c, b, c).
Zur Person
Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.
Was bedeutet das? Wir alle, Sie und ich, sehen unsere Welt viel schlechter, als sie in Wirklichkeit ist. Denn tatsächlich haben wir in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht. Den meisten Menschen geht es deutlich besser als zuvor.
Aber warum sehen wir die Welt so negativ? Klar, werden Sie sagen, das liegt an den Medien, die verkaufen ja nur schlechte Nachrichten. Ja, das ist zu einem Teil sicher richtig. Weit gravierender ist aber der menschliche Instinkt, das Schlechte aufmerksamer wahrzunehmen als das Gute. Und auch ältere Menschen, die dazu neigen, die „gute alte Zeit“ zu beschwören, weil ihnen die Gegenwart nicht gefällt, haben Unrecht: Die meisten Dinge waren früher schlechter, nicht besser.
Tun Sie mir doch bitte einen Gefallen: Blättern Sie mal die Zeitung aufmerksam durch oder scrollen Sie durch unsere Webseite und zählen Sie, wie viele Texte negativ sind und wie viele positiv, gerade in der lokalen Berichterstattung. Ich bin mir sicher, Sie werden sich wundern, dass tatsächlich vieles positiv ist, was wir schreiben.
Mehr und mehr wenden wir uns einem konstruktiven Ansatz zu. Das heißt, wir zeigen zwar die Probleme auf, suchen aber auch nach Lösungsansätzen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Serie „Unser Klima“. Achten Sie bitte mal darauf.
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