Berlin Suche nach Attila Hildmann: Wer steckt hinter den „Hildbusters“?
Journalisten des „Stern“ haben in der Türkei den Aufenthaltsort des Verschwörungsideologen Attila Hildmann ausfindig gemacht. Der Coup gelang ihnen jedoch nicht allein. Mit dabei waren Hobby-Detektive der Gruppe „Hildbusters“. Wer steckt hinter dem Kollektiv?
Seit Dezember 2020 ist Attila Hildmann in Deutschland von der Bildfläche verschwunden. Mit einem internationalen Haftbefehl suchen Interpol, Europol und die Berliner Generalstaatsanwaltschaft nach Hildmann, der ursprünglich mit veganen Kochbüchern berühmt geworden war. Ihm drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Der Vorwurf: Volksverhetzung und Bedrohung.
Doch Hildmann bekam Wind von der drohenden Strafe und verließ Deutschland, verbreitete seine Botschaften statt auf Demos in seinem Telegram-Kanal. Rasch verdichteten sich die Hinweise, der 41-Jährige halte sich in der Türkei auf. Tatsächlich machten Journalisten des „Stern“ Hildmann jetzt dort ausfindig, in der Stadt Kartepe, rund 100 Kilometer südöstlich von Istanbul.
Die mühsame Suche bestritten die Mitglieder des „Stern“ jedoch nicht allein. Hilfe bekamen sie von den sogenannten „Hildbusters“, eine Gruppe von 13 Hobbydetektiven, die seit über eineinhalb Jahren nach Hildmann fahnden. Benannt haben sie sich in Anlehnung an den Filmklassiker „Ghostbusters“.
Nach eigenen Angaben wollten die „Hildbusters“ von je eher den ehemaligen Starkoch finden und dafür sorgen, dass er ins Gefängnis kommt. Den Strafermittlungsbehörden trauen sie diesen Schritt nicht zu. Für die Fahndung hätten sie unzählige Fotos, Videos und Sprachnachrichten aus Hildmanns Telegram-Kanal untersucht.
Der „Stern“ wiederum begleitete die Arbeit der „Hildbusters“ über mehrere Monate und recherchierte parallel. Die Journalisten untersuchten Hildmanns Geschäfte und unter anderem seine Kryptokonten. Eine Journalistin schleuste sich in den Telegram-Kanal des Verschwörungsideologen ein, um den genauen Standort von Hildmann herauszufinden.
Die jahrelange Suche endete schließlich erfolgreich. Dem Magazin gelang es, sich mit dem ehemaligen Koch auf offener Straße in Kartepe kurz zu unterhalten. Doch mit der Berichterstattung scheinen nicht alle Mitglieder der „Hildbusters“ einverstanden zu sein. Anfang Oktober erklärte offenbar ein Mitglied der Privatdetektive, dass Ende des Monats ein Bericht des „Stern“ zu dem Fall Hildmann erscheinen werde.
Zwar sei er zu keinem Zeitpunkt an der Planung und Durchführung des „Stern“-Gesprächs mit Hildmann beteiligt gewesen. Er könne aber nicht erkennen, dass die Aktion dem eigentlichen Ziel der „Hildbusters“ dienlich war – Hildmann in Deutschland den Prozess zu machen. „Ich halte es grundsätzlich für falsch, Antisemiten eine Plattform zu geben“, so das Mitglied und verkündet seinen Ausstieg aus der Gruppe.
Wie es für Hildmann weitergeht, ist noch unklar. Grünen-Politiker Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), forderte die zügige Auslieferung. „Der Rechtsstaat muss das Interesse haben, sein Recht durchzusetzen. Hildmann muss strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden“, so Beck gegenüber dem „Stern“.
Hildmann hatte den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Beck mehrfach bedroht. Auf einer Kundgebung im Juli 2020 soll Hildmann gesagt haben, wenn er „Reichskanzler wäre“ solle für Beck die Todesstrafe „durch Eiertreten“ eingeführt werden. Im vergangenen Jahr erwirkte Beck eine Unterlassung gegen den Verschwörungserzähler.
Im „Stern“-Interview kritisierte Beck die Arbeit der für Hildmann zuständigen Justizbehörden scharf: „So viel wie da schiefgelaufen ist, lässt einen zweifeln, dass da alles mit rechten Dingen zuging.“