Energiesicherheit  Die Sorge in Emder Unternehmen vor dem Stromausfall

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 26.10.2022 18:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vollautomatische Fertigung im Emder VW-Werk: In der Produktionshalle für den ID.4 setzen Roboterarme Karosserieteile zusammen. Ohne Strom herrscht Stillstand. Foto: Ortgies
Vollautomatische Fertigung im Emder VW-Werk: In der Produktionshalle für den ID.4 setzen Roboterarme Karosserieteile zusammen. Ohne Strom herrscht Stillstand. Foto: Ortgies
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Die Berichte über Angriffe auf kritische Infrastruktur nagen am Sicherheitsgefühl vieler Menschen. Wie wappnen sich Industriebetriebe wie VW in Emden für einen Blackout?

Emden - Mit der Pandemie, spätestens aber mit den Kriegs-Eindrücken dieses Jahres, sind bei vielen Gewissheiten ins Wanken gekommen. Die Bilder von zerstörter Energie-Infrastruktur, die Berichte über Sabotage kritischer Versorgungssysteme und die gespenstisch wirkende Dunkelheit ukrainischer Städte, in denen der Strom knapp wird, machen klar, wie verwundbar der Alltag ist – auch in Ostfriesland.

Was und warum

Darum geht es: Energieversorgung, Unsicherheit und die Emder Wirtschaft.

Vor allem interessant für: Unternehmer und Beschäftigte.

Deshalb berichten wir: Der Krieg in Europa und die Bilder von zerstörter Energie-Infrastruktur werfen Fragen zur Sicherheit auch in Ostfriesland auf.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Während man sich in etlichen Privathaushalten wieder mit Vorratsplänen befasst und sich mit möglichen Engpässen beschäftigt, findet auch in der Wirtschaft ein Umdenken statt. „Wir waren lange verwöhnt und sind jetzt sehr unsanft aus einem Dornröschenschlag geweckt worden“, stellt Niels Rehbock fest. Gerade produktionsintensive Betriebe oder Unternehmen mit großen Maschinenparks seien auf eine stabile Stromversorgung angewiesen, sagt der Geschäftsführer der Emder Werft und Dock GmbH. Das Thema sei nicht neu, aber für viele habe es sich „abrupt verschärft“, so der Manager. Alle seien jetzt alarmiert. „Es hat bei uns allen dazu geführt, dass dieser normale Autopilot, dieses Sicherheitsgefühl weg ist.“

Begrenzte Möglichkeiten

Kirre machen lassen will sich Niels Rehbock nicht von möglichen düsteren Szenarien. Ohnehin sind die Möglichkeiten, auf Stromausfälle zu reagieren, bei der Emder Werft und Dock begrenzt, räumt er ein. Mit Generatoren würden sie nicht weit kommen, sagt der Geschäftsführer. Dafür sei das Gelände zu groß. Im Zweifel würden die Maschinen ruhen oder bei der Reparatur von Schiffen den Strom direkt von den Schiffsdieselmotoren beziehen.

Gravierender fallen Blackouts dagegen für große Produktionsbetriebe aus – in Emden allen voran das Volkswagen-Werk. Bereits im März hat man dort nach Aussage von Sprecherin Indra van Schwartzenberg damit angefangen, Notfall- und Reaktionspläne zu erarbeiten. „Unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine“ habe man begonnen, sich auf mögliche Auswirkungen eines Gas-/Energiemangels vorzubereiten – „speziell für die Fahrzeugproduktion“, so die Unternehmenssprecherin.

Es gibt keinen Rundumschutz

Wie schon zu den Hochzeiten der Pandemie und während der Halbleiter-Krise, als essentielle Fahrzeug-Bauteile nicht mehr verfügbar waren, wurde eine Taskforce gegründet. Dieser Krisenstab tage regelmäßig und erarbeite Gegenmaßnahmen.

Dazu zählt, dass man besonders kritische Anlagen möglichst autark mit eigenem Strom versorgen und selbst schwankende Netzkapazitäten im Werk so auffangen kann, dass sich die Systeme sicher herunterfahren lassen. Einen Rundumschutz bedeuten all diese Vorkehrungen nicht. „Aufgrund der hohen Anschlussleistung ist es nicht möglich, das gesamte Werk im Inselbetrieb weiter zu betreiben“, sagt Indra van Schwartzenberg.

Eine stabile und möglichst autarke Energieversorgung ist auch für Knut Bettels, Gesellschafter und Geschäftsführer der Bettels Betonfertigteile GmbH im Emder Hafen erklärtes Ziel. Aus diesem Grund hat er nach der Übernahme des Standortes im vergangenen Jahr von WEC Turmbau angefangen, das Werk mit einer leistungsstarken Photovoltaikanlage auszustatten. „Es wird mehr denn je zum Thema“, sagt er. In vielen Unternehmen standen bei solchen Entscheidungen in der Vergangenheit vor allem die immer höheren Energiekosten im Vordergrund. Mittlerweile werde es aber auch aus Gründen der Sicherheit immer interessanter, sagt Bettels-Vertriebsleiter Hervé Mota. Sie hätten keine Notstromaggregate. Kein Strom aus dem herkömmlichen Netz würde derzeit „kompletter Stillstand“ bedeuten.

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