Deutschland und Frankreich Ein Mittagessen mit Macron reicht nicht
Die deutsch-französische Freundschaft ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Berlins Alleingänge stoßen in Paris auf Ablehnung. Das hat vor allem der Bundeskanzler zu verantworten.
Es ist gerade schlecht bestellt um die viel beschworene deutsch-französische Freundschaft. Wenn ein französischer Präsident beim EU-Gipfel über die „isolierten“ Deutschen stichelt und ein symbolträchtiger gemeinsamer Ministerrat abgesagt wird, dann gilt Alarmstufe Rot. Kein Wunder: Der Ukraine-Krieg und seine Folgen haben für einen tiefen Riss gesorgt. Die Hauptverantwortung dafür liegt in Berlin.
Kanzler Olaf Scholz hat in jüngster Zeit Paris mehrfach und unnötig vor den Kopf gestoßen. So herrscht im Elysée-Palast völliges Unverständnis über die irrationale deutsche Energiepolitik, bei der Scholz am Atomausstieg festhält und zugleich von den anderen EU-Partnern frech Solidarität einfordert. Noch größer ist der Ärger in der Verteidigungspolitik. In Paris ist man sauer, dass der Bundeskanzler vor allem Rüstungsgüter in den USA kauft. Dagegen kommen gemeinsame deutsch-französischen Rüstungsprojekte nicht voran.
Natürlich hat es immer mal Verstimmungen unter Freunden gegeben. Doch diesmal zeigt Scholz ein Verhalten, das Deutschland sich nicht leisten kann. Der Kanzler würde gut daran tun, wieder näher an den direkten Nachbarn und engen Partner Frankreich zu rücken. Er muss nun Porzellan kitten, das er selbst zerschlagen hat. Ein Mittagessen mit dem französischen Präsidenten reicht dafür nicht.