Hamburg Tragödie um McFit-Gründer: Stürzen Privatjets besonders oft ab?
Der Absturz des Privatflugzeugs von McFit-Gründer Rainer Schaller reiht sich in eine Reihe ähnlicher Unfälle. Wie gefährlich ist der Luxus über den Wolken?
In Mexiko startete am Freitag, 21. Oktober, ein Geschäftsreiseflugzeug vom Typ Piaggio P.180 Avanti in Richtung Costa Rica. Vor dem Zielflughafen verschwand es plötzlich vom Radar. Am Wochenende fanden Einsatzkräfte die Leiche eines Mannes und eines Kindes sowie Trümmerteile und Gepäckstücke vor der Küste Costa Ricas. Mittlerweile ist klar, dass McFit-Gründer Rainer Schaller, seine Familie, ein weiterer Deutscher und ein Pilot an Bord der verunglückten der Maschine waren. Die Leichen von Rainer Schaller und seinem Sohn wurden mittlerweile identifiziert, auch McFit bestätigte den Tod seines Gründers.
Das Unglück reiht sich ein in eine Reihe von Abstürzen privater Flugzeuge: Im September stürzte die Maschine des Kölner Unternehmers Peter Griesemann mit seiner Familie aus Spanien kommend in die Ostsee. Das Flugzeug irrte zuvor stundenlang durch den europäischen Luftraum.
Kein Bordmitglied überlebte. Im August verunglückte die privat gecharterte Cessna einer vierköpfigen Familie aus München über einem Naturschutzgebiet in Namibia. Alle Insassen kamen ums Leben.
Im Oktober 2021 starben der rumänische Milliardär Dan Petrescu und sieben weitere Personen beim Absturz seines Flugzeuges. Die Maschine krachte in der Nähe von Mailand in ein leer stehendes Bürogebäude. Der argentinische Fußballprofi Emiliano Sala kam ebenfalls beim Absturz einer privat gecharterten Maschine ums Leben. Die einmotorige Piper PA-46 Malibu mit dem Sportler am Bord verschwand am 21. Januar 2019 vom Radar. Wrackteile der Maschine wurden wenige Tage später im Ärmelkanal gefunden.
Sind Privatjets anfälliger für Unfälle? Germout Freitag, Pressesprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), verneint: „Bei den allermeisten Flügen passiert nichts. Natürlich kann es vorkommen, dass auch Privatflugzeuge verunfallen.“ Genaue Angaben über die Anzahl der Unglücke von Privatflugzeugen im Vergleich zu Linienfliegern gibt es nicht.
Mitarbeiter der BFU haben sich auf den Weg nach Costa Rica gemacht und unterstützen die Untersuchungsstellen vor Ort. Nähere Informationen liegen noch nicht vor. Den Absturz der Maschine von Peter Griesemann in der Ostsee untersucht die Behörde ebenfalls. „Auch wenn durch die Berichterstattung ein anderer Eindruck entsteht, wir beobachten keine Häufung von Unfällen“, sagt Freitag. Es handle sich jeweils um Einzelfälle, die unabhängig voneinander untersucht werden.
Die geschäftliche Luftfahrt bommt, das hat der Flugzeugbauer Honeywell Aerospace in seiner Prognose für die kommenden zehn Jahre festgestellt. Den Angaben zufolge hat die Corona-Pandemie zu einer erhöhten Nachfrage geführt - und die hält weiter an: Viele Privat- und Geschäftsleute wollen auch nach der Corona-Pandemie kontaktarm - also im privaten Flieger - reisen. 30 Prozent der Befragten erklärten in dem Bericht, dass sie in den nächsten zehn Jahren mehr Geschäftsflüge absolvieren wollen. Die Branche profitiert davon: Der Flugzeugbauer prognostiziert für die kommenden zehn Jahre die Auslieferung von 8500 neuen Geschäftsflugzeugen im Wert von 274 Milliarden Dollar.
In Costa Rica geht die Suche nach den Vermissten und den Wrackteilen derweil weiter. Es sei nun wichtig, den Rumpf der Maschine zu finden, um die Untersuchungen zur Absturzursache voranzutreiben, sagte der Direktor der zivilen Luftfahrtbehörde, Fernando Naranjo. Die Maschine verfügte weder über einen Flugschreiber noch über ein Gerät zur Aufzeichnung der Kommunikation. Nach Angaben der costa-ricanischen Behörden ist das bei der Größe des Flugzeugs auch nicht verpflichtend.