Hamburg  Russland oder Ukraine: Wer besser auf den Winter vorbereitet ist

Laurena Lynn Erdmann
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Von Laurena Lynn Erdmann
| 25.10.2022 15:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die Temperaturen sinken deutlich und der Winter steht bevor. Doch ein Ende des Ukraine-Kriegs ist nicht in Sicht. Wie wird sich der Ukraine-Krieg im Winter entwickeln? Experten erklären, welche Seite besser auf den Winter vorbereitet ist.

Der Winter hat schon in vielen Kriegen für eine Wende gesorgt. Doch wie wirkt sich die Kälte auf die russische Invasion in der Ukraine aus?

„Bei großen Operationen spielt das Wetter immer eine Rolle. Die angreifende Seite braucht feste Böden, damit man nicht nur auf die Straßen beschränkt ist“, erklärt Sicherheitsanalyst Niklas Masuhr vom Center for Security Studies an der ETH Zürich im „SRF“. Jetzt in der kalten Jahreszeit stellen sich Ukrainer und Russen wieder auf Schlamm ein, in dem im Frühjahr einige Fahrzeuge Russlands stecken geblieben waren. Der Militäranalyst und ehemaliger Aufklärungsoffizier der finnischen Armee, Petri Mäkela, sagt, dass „die Schlammsaison militärische Operationen verlangsamen wird, besonders an Stellen der Front, die über kein robustes Straßennetz verfügen.“

Besonders gezogene Artillerie und Radfahrzeuge seien betroffen. Doch das Problem wird sich erledigen, sobald der Boden friert, so Mäkela im „Spiegel“.

Ein ukrainischer Soldat erklärt, dass im Herbst das Laub den Soldaten Deckungen gibt. Für den Winter wird sich die Strategie also ändern müssen, auch weil die Feinde beispielsweise Fußabdrücke im Schnee sehen könnten.

Die Ukraine scheint für den Winter besser ausgerüstet zu sein als Russland. Mäkela erklärt, dass „die Ukraine Zugang zu westlicher Wartung und Ersatzteilen hat, ihre Fahrzeuge dürften mit den veränderten Bedingungen etwas besser fertig werden.“ Aus dem Westen kommen außerdem Winteruniformen und andere Ausrüstung, die „der russischen weit überlegen sind“, so Mäkela. Deutschland stellte ein „Winterpaket“ für ukrainische Soldaten bereit, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Enthalten sind unter anderem Winterbekleidung, Feldlagermaterial, Verpflegungsrationen, Stomerzeugungsaggregate und 130 Feldheizgeräte.

Wegen der Kriegsschäden an Strom- und Wärmeversorgung der Ukraine bittet die Regierung geflüchtete Frauen und Männer, erst im kommenden Frühjahr zurückzukehren. „Wenn sich die Möglichkeit bietet, bleiben Sie und verbringen Sie den Winter im Ausland!“, sagte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Dienstag in Kiew im landesweiten Fernsehen.

Die bessere Ausrüstung ist nicht der einzige Vorteil, den die ukrainische Truppen derzeit zu haben scheinen. Die letzten Gegenoffensiven waren erfolgreich, mitunter konnten Soldaten die Stadt Isjum zurückgewinnen. Manche Experten gehen sogar davon aus, dass die Ukraine die Krim zurückerobern könnte.

Aus diesen Erfolgen schöpfen die Soldaten Hoffnung und scheinen weiter motiviert zu sein, wie es heißt. Außerdem kennen die ukrainischen Soldaten die Gebiete besser als die Angreifer, was ebenfalls von Vorteil ist.

Es mehren sich die Berichte, dass russische Soldaten schlecht ausgerüstet sind, insbesondere für den bevorstehenden Winter. „Wir alle wissen, dass die russische Wartung schwere Probleme hat“, so Mäkela. Es gibt außerdem nicht genügend Zelte und Öfen. „Wenn sie es nicht schaffen, ihre Leute damit auszustatten, werden viele Männer erfrieren“, erklärt Mäkela. Außerdem hat Russland Schwierigkeiten damit, Nachschub zu bekommen. In Nato-Kreisen heißt es, dass Russland bereits einen großen Teil der Präzisionsmunition verbraucht habe.

Auch die Teilmobilisierung verschärft das Problem: Es müssen mehr Soldaten mit Ausrüstungen versorgt werden, doch die gibt es kaum. In Sozialen Netzwerken berichten Angehörige, dass die Soldaten und deren Familien selbst für Ausrüstung sorgen müssen.

Lesen Sie hier die Auswirkungen der Teilmobilmachung.

Vom ukrainischen Verteidigungsminister heißt es, dass Russland versucht hatte, über die Türkei 500.000 Kampfanzüge für den Winter sowie Westen zu beschaffen. Die Türkei hinderte Russland allerdings daran. Das „Institute for the Study of War“ beschreibt die Lage der russischen Armee folgendermaßen: „Sinkende Moral, Disziplin und Gefechtsfähigkeit der russischen Truppen in den Kampfgebieten der Ukraine könnten in einigen Region zu einer vorübergehenden Einstellung von Offensivoperationen führen.“

Der Winter ist in Kriegszeiten besonders belastend für „Mensch und Material“ ist, wie es im „Handelsblatt“ heißt. Sowohl Russland als auch die Ukraine haben hohe Verluste erlitten. Die Nato rechnet damit, dass die Kämpfe die nächsten Wochen abschwächen. Doch trotzdem gehen Experten davon aus, dass die Ukraine auch während des Winters Fortschritte machen kann.

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