Osnabrück Frankfurter Buchmesse: Warum sie viel länger hätte dauern dürfen
Endlich wieder Frankfurter Buchmesse, in voller Präsenz nach Corona: Die Besucherzahlen fallen eher schwach aus. Trotzdem hat gerade diese Buchmesse bestens funktioniert.
„Zu meiner Verblüffung feststellen, dass die Buchmesse von mir aus noch eine Woche länger hätte gehen können“: Hanser-Chef Jo Lendle hat seinen Stoßseufzer auf Facebook gestellt. Damit spricht er der ganzen Buchbranche aus dem Herzen. Endlich wieder Buchmesse in voller Präsenz. Und endlich wieder jene vielen Gespräche in den Kojen und Cafés, die helfen, neue Ideen zu produzieren. Auf der Buchmesse werden Texte gehandelt. Aber die Buchmesse ist auch ein einziger, großer Text, den ihre Kommunikationen produzieren. Dieser Text ist der Sauerstoff der literarischen Welt. Das hat diese Buchmesse eindrucksvoll bewiesen.
Deshalb ist es auch nicht so wichtig, dass die Besucherzahl von 180000 am Ende klar unter den Werten geblieben ist, die vor der Corona-Pandemie erreicht wurden. Ob jemals wieder 300000 Menschen zur Buchmesse kommen werden? Von Theater bis Konzertbühnen – alle Kulturmacher suchen verzweifelt ihre Besucher. Sie wissen dabei nicht einmal, ob die Pandemie und jetzt die Energiekrise das Verhalten von Besuchern nicht dauerhaft verändern werden. Die Buchmesse hat trotzdem funktioniert, als Marktplatz, Knotenpunkt der Kommunikation, Bühne der Kundgebungen für die Freiheit.
Die Frankfurter Buchmesse versteht sich politisch, als Kulturveranstaltung: Das ist mehr als Marketing, das ist das richtige Signal in dieser schwierigen Zeit. Drei Belege: Serhji Zhadan, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, stemmt sich mit seinen ukrainischen Landsleuten gegen die russischen Invasoren. Kim de l´Horizon, erster non-binärer Träger des Deutschen Buchpreises, wird im Internet mit Hass und Hetze überzogen. Und dann das Messerattentat auf Salman Rushdie im August. Das freie Wort steht massiv unter Druck. Die Frankfurter Buchmesse hat Flagge gezeigt, nicht nur in Gelb und Blau. Was für eine famose Buchmesse!