Borkum  In diesem Offshore-Windpark müssen alle Windräder repariert werden

Dirk Fisser
|
Von Dirk Fisser
| 22.10.2022 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schäden am Lager: Im Offshore-Windpark „Trianel Borkum II“ müssen sämtliche Anlagen repariert werden. Foto: Matthias Ibeler/Trianel GmbH/obs
Schäden am Lager: Im Offshore-Windpark „Trianel Borkum II“ müssen sämtliche Anlagen repariert werden. Foto: Matthias Ibeler/Trianel GmbH/obs
Artikel teilen:

Ausgerechnet in der Energiekrise kämpft einer der deutschen Offshore-Windparks in der Nordsee mit technischen Problemen. Alle Windräder müssen auf offener See vor der Küste Borkums repariert werden.

Als der „Trianel Windpark Borkum II” im Sommer 2020 endlich vollständig ans Netz ging, war die Freude bei den Betreibern groß. Schließlich war die Bauphase mit einigen Hindernissen verbunden: Die Insolvenz von Windanlagen-Hersteller Senvion verzögerte die Inbetriebnahme der insgesamt 32 Windkraftanlagen um mehrere Monate.

Nun gibt es erneut Ärger. In den vergangenen zwölf Monaten seien an Rotorlagern der Anlagen vermehrt Schäden aufgetreten, bestätigte eine Sprecherin des Parks unserer Redaktion. „Im kommenden Jahr sollen daher alle Rotorlager ausgetauscht werden.”

Das Vorhaben ist kompliziert: Der Rotorstern mit den riesigen Blättern muss dafür abgenommen werden. Nach Trianel-Angaben liegt der Durchmesser bei 152 Meter. Derzeit wird ein Dienstleister gesucht, der die Operation auf offener See durchführen kann. In einem ersten Schritt sollen die Lager von 19 der 32 Anlagen ausgetauscht werden.

Die Sprecherin versichert: „Der Park ist am Netz und liefert Strom, einzelne Anlagen mussten vom Netz genommen werden.” Für wie viele das derzeit gilt, blieb zunächst unklar. In früheren Mitteilungen hieß es, der Windpark gut 60 Kilometer nördlich vor Borkum könne Öko-Strom für bis zu 200.000 Haushalte pro Jahr produzieren.

Die Nachricht über die Schäden an den Anlagen dürfte auch die Anteilseigner an dem Multimillionenprojekt beunruhigen. Sie hatten 800 Millionen Euro in den Park gesteckt. Beteiligt sind unter anderem der Oldenburger Energieversorger EWE mit 37,5 Prozent sowie ein Zusammmenschluss verschiedener deutscher Stadtwerke mit 37,99 Prozent; darunter aus Niedersachsen die Stadtwerke Georgsmarienhütte, Verden und Uelzen sowie aus Nordrhein-Westfalen Lengerich und Rheine.

Wie teuer die Reparatur wird und was den Schaden verursacht hat, steht laut Trianel-Sprecherin noch nicht fest. Es lägen noch keine weiteren Informationen vor. Bekannt ist aber: Im ersten Teil des Windparks, der bereits 2015 den Betrieb aufgenommen hat, sind keine Probleme bekannt. Hier drehen sich 40 Windräder des Herstellers Advena.

Insgesamt drehen sich vor der deutschen Küste mittlerweile gut 1500 Windräder. In den zurückliegenden Jahren war der Ausbau der Offshore-Windparks aber ebenso zum Erliegen gekommen wie an Land.

Das zeigt auch diese Statista-Grafik:

Das will die Bundesregierung allerdings ändern. Deutschland plant gemeinsam mit den weiteren Nordsee-Anrainerstaaten den Ausbau der Offshore-Windenergie forcieren. Eine entsprechende Erklärung verabschiedeten die Energieminister von Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Schweden sowie die EU-Kommission kürzlich im irischen Dublin.

So soll es bis 2030 in der Nordsee-Region Windparks auf See mit einer Leistung von 76 Gigawatt (GW) geben, bis 2040 von 139 GW und bis 2050 von 260 GW. Aktuell liegt die Kapazität laut Bundeswirtschaftsministerium bei weniger als 20 GW.

Auch in der Ostsee soll expandiert werden. Vor dem Hintergrund der Energiekrise in Europa hatten sich Ende August Staats- oder Regierungschefs von acht Ostsee-Ländern in Kopenhagen auf einen massiven Ausbau der Windenergie geeinigt - darunter wiederum Deutschland. So wollen die Staaten ihre Offshore-Leistung bis 2030 auf knapp 20 GW versiebenfachen, wie es in einer gemeinsamen Erklärung hießt.

Ähnliche Artikel