Vor Spiel in Hamburg Tido Steffens spricht über seine Zukunft und Torflaute
Kickers Emden reist am Sonntag mit Mut zum „Krisen-Duell“ beim FC St. Pauli II. Ein BSV-Aufstiegsgarant erklärt die Probleme in der Offensive.
Emden - Die Leistungsträger des Aufstiegsjahres konnten bisher nicht an das Niveau aus der Vorsaison anknüpfen. Dieses führt Kickers Emdens Klubchef Dr. Jörg Winter mit als Hauptgrund für das bislang schlechte Abschneiden in der Fußball-Regionalliga Nord an. Die Kritik dürfte sich auch an Tido Steffens richten, dem Emder Aufstiegshelden schlechthin. In der vergangenen Woche hat es auch ein Gespräch gegeben, bestätigt Tido Steffens. „Es war eine Analyse der aktuellen Situation“, sagt der 28-Jährige, ohne auf Details eingehen zu wollen. Eine Trennung – wie bei Mittelfeldspieler Holger Wulff – steht bei dem Angreifer aber nicht im Raum. „Ich spiele weiter für Kickers und gebe alles, um dem Team weiterzuhelfen“, versichert der Mann aus Großheide.
Am Sonntag beim Auswärtsspiel in Hamburg gegen die U23 des FC St. Pauli wird Steffens die Kickers-Mannschaft erneut als Kapitän auf das Feld führen, weil Bastian Dassel noch gesperrt fehlt. Anstoß in der Partie, die durchaus als „Krisen-Duell“ bezeichnet werden kann, ist um 14 Uhr. Es ist das Spiel Vorletzter (St. Pauli) gegen den Letzten. Die beiden schlechtesten Defensiven der Liga (Kickers 42 Gegentore, St. Pauli 29) treffen aufeinander. Beide Klubs haben die vergangenen vier Partien allesamt verloren. Doch während St. Paulis Reserve zuletzt eine empfindliche 1:5-Derbypleite bei der Zweitvertretung des Hamburger SV kassiert hat, war Emdens jüngste Pleite gegen Werder II eine, die Mut macht. „Es war das erste Mal – das 3:0 gegen den Bremer SV mal ausgeklammert –, wo wir viele Offensivaktionen hatten, genausoviele wie der Gegner“, sagt Trainer Stefan Emmerling. Er hat in Hamburg denselben Kader zusammen wie beim 2:4 gegen Werder II, dazu kehren Ibrahim Sillah und Matthias Goosmann nach Sperren zurück. „Jetzt müssen wir mit aller Macht die unnötigen Gegentore abstellen“, sagt Emmerling.
Unser Tipp
St. Pauli II – Kickers Emden 1:1. Beide Teams sehen sich nach schwierigen Wochen nach einem Erfolgserlebnis. Geringes Selbstvertrauen könnte zu einem zerfahrenen Spiel führen. Vermeidet Kickers hinten individuelle Fehler, dürfte es etwas Zählbares mitnehmen.
Mit einem Sieg hat Kickers etwas Anschluss
Mit etwas Spielglück wäre auch gegen Bremens Reserve etwas Zählbares möglich gewesen. „Bei St. Pauli läuft es ebenfalls nicht so berauschend. Das kann uns zu Gute kommen“, sagt Tido Steffens. „Wir müssen gegen ein junges, spielerisch gutes Team über die Lauf- und Zweikampfstärke kommen.“ Eine kompakte Defensive ist der Grundstein, offensive Akzente sind aber notwendig, um möglicherweise den zweiten Saisonsieg einfahren zu können. Bei einem Dreier hätte Kickers dann bei fünf Punkten Rückstand auf den Gegner zumindest wieder etwas Anschluss.
Nicht ungelegen käme da mal wieder ein Törchen von Tido Steffens – dem Torgaranten der Vorsaison. 19 Treffer hatte der Mann aus Großheide in der regulären Oberliga-Saison erzielt, in den drei Aufstiegsrundenspielen ballerte er Kickers dann mit vier Toren in die Regionalliga – unvergessen sein sensationelles Fallrückziehertor gegen den Bremer SV. In dieser Saison will es bei dem Maschinenbauingenieur noch nicht so recht mit dem Toreschießen klappen. Dabei hatte er beim 1:3 gegen Havelse am dritten Spieltag das erste Emder Viertliga-Tor seit 14 Jahren erzielt. Weitere Steffens-Tore kamen bislang nicht dazu, seit 828 Spielminuten ist der Stürmer ohne Treffer. Allgemein hat Kickers erst acht Saisontore erzielt. „Wir kommen leider zu selten in die gefährliche Zone – und wenn wir mal da sind, müssen wir noch kaltschnäuziger werden“, analysiert Steffens.
Hatte er in der Vorsaison eigentlich in jedem Spiel mehrere, teils sehr erfolgversprechende Abschlussgelegenheiten, bleibt er in dieser Saison des Öfteren ohne nennenswerte Torchance. Im Spiel gegen Werder II erinnert er sich lediglich an einen Fernschuss. „Gefühlt finde ich mich in dieser Saison öfter im Mittelfeld wieder als in der Vorsaison. Ich komme seltener zu Abschlüssen“, sagt Steffens. Das hat auch Trainer Stefan Emmerling registriert. „In dieser Saison mussten wir öfters personellbedingt umstellen“, begründet Emmerling. „Wir müssen versuchen, Tido wieder öfter vor dem Tor in Szene zu setzen – hoffentlich klappt es schon gegen St. Pauli II.“ Dann könnte Tido Steffens seine persönliche Torflaute beenden – und Kickers erstmals auswärts punkten.