Fachkräftemangel In Niedersachsens Kitas fehlen Tausende Erzieher
Eine Studie zeigt dramatische Zahlen: 12.000 Fachkräfte fehlen an Kitas im Land. Die Situation bringe mittlerweile auch Eltern an die Belastungsgrenze, so Verbandschefin Melanie Krause aus Leer.
Hannover/Bremen/Leer - In niedersächsischen Kitas müssten laut einer Studie im kommenden Jahr 12.000 Fachkräfte eingestellt werden, um den Betreuungsbedarf zu decken. Gemessen am Bedarf fehlen für 2023 voraussichtlich bis zu 45.500 Kita-Plätze, wie aus Berechnungen der Bertelsmann Stiftung für das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme hervorgeht, das am Donnerstag vorgelegt wurde.
Zur Ermittlung der Daten hat die Stiftung Betreuungsquoten der Kita-Kinder im Jahr 2021 mit dem Anteil der Eltern abgeglichen, die im selben Jahr in der Kinderbetreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) einen Betreuungsbedarf äußerten. Im Ergebnis kommen die Autoren zu dem Schluss, dass bei einer Umsetzung der geforderten Zahlen zusätzliche Personalkosten von mehr als 543 Millionen Euro jährlich entstünden. Betriebs- und mögliche Baukosten für neue Kita-Plätze kämen dabei noch hinzu.
In Kitas fallen immer mehr Betreuungszeiten aus
Der Fachkräftemangel sei mittlerweile in fast jeder Kita angekommen, teilte Melanie Krause aus Leer, die Vorsitzende des Kita-Fachkräfteverbands Niedersachsen-Bremen, am Donnerstagabend mit. „Als Folge müssen immer mehr Gruppen eingeschränkt oder sogar ganz geschlossen werden. Auch die Randzeiten, wie der Führdienst oder Spätdienst, brechen immer häufiger weg.“ Diese Situation bringe gerade berufstätige Eltern an ihre Belastungsgrenzen, so Krause – zumal Arbeitgeber es immer weniger tolerieren würden, wenn Eltern ihre Arbeitszeit einschränken müssten, weil die Betreuung der Kinder nicht gewährleistet sei.
„Die Ampel ist von gelb auf dunkelrot gesprungen“, sagte der Verdi-Landesbezirksleiter für Niedersachsen und Bremen, Detlef Ahting. Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel seien bisher viel zu langsam ergriffen worden. Wegen der hohen Belastung für die verbliebenen Erzieher und Erzieherinnen würden zahlreiche Beschäftigte der Branche den Rücken kehren. „Wir brauchen deswegen zwingend Entlastung in den Einrichtungen“, sagte Ahting, etwa über eine Ausbildungsoffensive und erleichterten Zugang für Quereinsteiger. Für Bremen, wo ebenfalls Kita-Plätze und Personal fehlen, fordert die Gewerkschaft einen Kita-Gipfel.
Den fordert auch die Landeselternvertretung (LEV) der niedersächsischen Tagesstätten zum wiederholten Mal für ihr Bundesland. Das geht aus einem Sechs-Punkte-Papier hervor, das die LEV an die SPD und die Grünen geschickt hat. Die beiden Parteien wollen in der kommenden Woche offiziell in die Verhandlungen für eine Regierungskoalition in Niedersachsen einsteigen.
Mit Material von DPA