Energiekrise Combi und Aldi schränken Öffnungszeiten ein
Die Energiekrise wirkt sich nun auch auf die Öffnungszeiten im Lebensmitteleinzelhandel aus. Aldi Nord und die Combi-Märkte in Ostfriesland haben ganz konkrete Pläne. Bei Multi hält man davon wenig.
Ostfriesland/Berlin - Der Discounter Aldi Nord und die Combi-Supermärkte der Bünting-Gruppe wollen die Öffnungszeiten ihrer Filialen reduzieren. Grund ist die anhaltende Energiekrise.
Wie die Bünting-Gruppe mit Sitz in Leer auf Anfrage unserer Redaktion am Mittwoch mitteilte, sollen die Öffnungszeiten der 180 Combi-Märkte in der Region ab 1. November „marktindividuell“ um eine Stunde verkürzt werden. Marktindividuell bedeutet in diesem Fall, dass die Märkte entweder eine Stunde später öffnen oder eine Stunde früher schließen. Nach Auskunft einer Unternehmenssprecherin kann dies jeder Filialleiter selbst entscheiden.
Detaillierte Infos direkt in den Märkten
Bünting betreibt in Ostfriesland insgesamt 25 Combi-Märkte. Famila-Filialen, die ebenfalls zu Bünting gehören, gibt es in Ostfriesland nicht. Die Kunden sollen nach Auskunft der Bünting-Gruppe in den nächsten Tagen über die jeweiligen veränderten Öffnungszeiten informiert werden. Dazu sind Aufsteller in den Märkten in Vorbereitung. Bislang sind die Märkte je nach Standort zwischen 8 Uhr und 20 beziehungsweise 22 Uhr geöffnet.
Bünting will sich mit der Maßnahme der aktuellen Situation in der Energiekrise anpassen. Wie viel Energie genau und auch wie viele Kosten damit eingespart werden können, „können wir noch nicht verlässlich beziffern“, hieß es dazu am Mittwoch aus dem Unternehmen.
Aldi Nord schließt abends früher
Ähnlich sieht es im Discounter-Bereich aus. Aldi Nord will in der Energiekrise mehrere Filialen abends früher schließen. Die Öffnungszeiten „zahlreicher Märkte“ würden angepasst, teilte das Unternehmen am Dienstagabend auf Twitter mit. Ab November würden diese Märkte um 20 Uhr schließen.
Bei den Multi-Märkten in Leer und Emden hält man von solchen Maßnahmen wenig: Eine Verkürzung der Öffnungszeiten sei an den drei Standorten nicht geplant, sagte Matthias Brahms von Multi Süd in Leer. „Das ist auch Augenwischerei“, sagte er unserer Redaktion. Die hohen Energiekosten hingen schließlich nicht vorrangig am Licht in den Märkten. Was durch verkürzte Öffnungszeiten an Energiekosten eingespart werden könne, seien „Peanuts“, sagte Brahms. Deutlich höher seien die Kosten bei der Kühlung, die aber durchgehend laufen müsse – egal, ob ein Markt geöffnet sei oder nicht.
Regelung bei Aldi gilt ab übernächster Woche
Bei Aldi Nord gelte die frühere Schließung der Märkte, die einen Beitrag zum Energiesparen leisten solle, zunächst für die Winterzeit 2022/2023. Bisher sind viele Aldi-Nord-Märkte in Großstädten wie Hannover oder Hamburg länger geöffnet, etwa bis 21 Uhr. Wie viele und welche Märkte von kürzeren Öffnungszeiten betroffen sind, teilte Aldi Nord nicht mit.
Statt um 21 oder 22 Uhr würden betroffenen Filialen ab November einheitlich um 20 Uhr schließen, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch. Märkte, in denen längere Öffnungszeiten vorgegeben seien, blieben aber davon ausgenommen. „Das betrifft beispielsweise Märkte in Einkaufszentren sowie Filialen, wo die Kundenfrequenz zwischen 20 und 21 Uhr besonders hoch ist.“ Kunden würden prominent in den Märkten sowie online über die Änderungen informiert.
Rewe will an Öffnungszeiten festhalten
Energie ist ein großer Kostenblock im Einzelhandel und fällt insbesondere für die Kühlung von Waren und die Beleuchtung an. Kürzere Öffnungszeiten sind in der Branche aber umstritten. So hatte Rewe-Chef Lionel Souque unlängst gesagt, man habe an eine Verkürzung der Öffnungszeiten bisher noch nicht gedacht.
Grundsätzlich sei es das Ziel der Rewe-Gruppe, „einen größtmöglichen Beitrag zu den bundesweit notwendigen Einsparungen zu leisten, ohne Einschränkungen für unsere Kundinnen und Kunden zu erzeugen“, hieß es Anfang September. Dieses Ziel teilt Rewe wohl mit den meisten anderen Händlern. So versprach auch Rossmann kürzlich, die Sparmaßnahmen würden für Kundinnen und Kunden „kaum spürbar sein“.
Mit Material von DPA