Berlin  Blutwäsche gegen Long Covid: Warum es Kritik an der Methode gibt

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 19.10.2022 10:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine TV-Dokumentation mit TV-Arzt Eckart von Hirschhausen stellte die Blutreinigung als geeignete Methode gegen Long Covid vor. Foto: imago images/Oliver Ring
Eine TV-Dokumentation mit TV-Arzt Eckart von Hirschhausen stellte die Blutreinigung als geeignete Methode gegen Long Covid vor. Foto: imago images/Oliver Ring
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Noch immer sind Wissenschaftler auf der Suche nach geeigneten Behandlungsmethoden gegen Long Covid. Eine TV-Dokumentation mit Eckart von Hirschhausen hat jetzt die Blutreinigung als probates Mittel vorgestellt. Experten sehen das kritisch.

Konzentrationsschwierigkeiten, Kurzatmigkeit, Gleichgewichtsstörungen: Viele Menschen haben nach einer überstandenen Corona-Infektion noch lange mit den Langzeitfolgen zu kämpfen. Bis heute gibt es keine wirklich effektive Therapie oder Medikation, die zur längerfristigen Genesung der Betroffenen beiträgt.

Der Moderator und Fernseharzt Eckart von Hirschhausen hat in der ARD-Dokumentation „Long Covid – Die Pandemie der Unbehandelten“ kürzlich über die Lage berichtet. Er berichtet vom eingeschränkten Leben der Betroffenen und hilflosen Ärzten, die nur schwerlich über das unübersichtliche Krankheitsbild urteilen können.

Auf der Suche nach Heilung greifen viele Patienten und Ärzte auf experimentelle Behandlungen zurück, die in den meisten Fällen nur wenig erforscht sind und deren Effekt sich nur schwer untersuchen lässt. Dazu gehört auch die Blutreinigung, die von Hirschhausen in der TV-Dokumentation an sich selbst ausprobierte.

Denn der Moderator erkrankte während der Dreharbeiten am Coronavirus und nutzte seine Infektion, um die Behandlungsmethode zu testen. Gleichzeitig sprach er mit mehreren Betroffenen von Long Covid, bei denen die Blutreinigung angeblich zur Besserung beitrug. Dabei wird die Behandlung zum Wundermittel gegen Corona-Langzeitfolgen ernannt. Das sehen viele Experten allerdings kritisch.

Dass es sich hierbei um eine effektive Methode handelt, ist demnach keinesfalls bewiesen. „Der Film macht mir wirklich Bauchweh“, erklärt die Leiterin der Immundefekt-Ambulanz an der Berliner Charité, Carmen Scheibenbogen, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. „Diese Behandlung wurde für Menschen entwickelt, die zu hohe Blutfettwerte haben.“

Zwar gebe es Hinweise darauf, dass die Behandlung kleine Blutgerinnsel entfernt, es sei jedoch nicht belegt, dass die Reinigung tatsächlich gegen Long Covid helfe.

Die Expertin ist mit ihrer Meinung nicht allein. Im August unterstrich die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie in einer Mitteilung, dass man noch zu wenig über die Behandlungsmethode wisse. „Ohne fundierte wissenschaftliche Daten kann keine Empfehlung für die Durchführung dieser Therapieverfahren ausgesprochen werden, auch da es bei ihrer unsachgemäßen Anwendung zu schweren Komplikationen kommen kann.“

Umso größer ist die Kritik an der TV-Dokumentation, die die Blutwäsche als Heilmittel gegen Long Covid darstellt. So hält es der Mediziner Jan Kielstein in der „Süddeutschen Zeitung“ für irreführend, dass in dem Film ausschließlich die Vorteile der Blutreinigung hervorgehoben werden. Er selbst habe Patienten, denen es nach der entsprechenden Behandlung nicht besser gehe.

Jördis Frommhold, Lungenfachärztin und Leiterin des ersten deutschen Long-Covid-Instituts, möchte der Methode dennoch eine Chance geben. „Für mich ist vorstellbar, dass die Lösung eine Kombination verschiedener Wirkweisen ist. Doch nochmal: das muss erforscht werden“, erklärte die Ärztin bei „Focus Online“.

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