Geschäftsführer gesucht Neue Reederei will Norderney anfahren
„Meine Fähre“ heißt eine neue Reederei, die ab dem Sommer zwischen Norddeich und Norderney verkehren will. Sie will auch Autos zu der Insel bringen.
Norddeich/Norderney - Eine neue Reederei will gegen die Norden-Frisia antreten. Ab dem Sommer will das Unternehmen „Meine Fähre“ mit dem ersten Schiff zwischen Norddeich und Norderney verkehren. Gerade wird es gebaut. Schon jetzt wird deutlich, dass es sich um ein größeres Exemplar handeln wird.
Was und warum
Darum geht es: Eine neue Reederei will im Norddeich-Norderney-Fährverkehr Fuß fassen.
Vor allem interessant für: Reisende auf dem Weg zu den Inseln
Deshalb berichten wir: Wir sind auf Facebook auf einen entsprechenden Eintrag des Norderneyer Immobilienverwalters Jann Ennen aufmerksam geworden. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Wie aus einem gerade veröffentlichten Eintrag auf dem Online-Stellenportal Stepstone hervorgeht, wird zum Januar ein Geschäftsführer für die neue GmbH gesucht, der die Reederei aufbauen soll. Als Kontakt für weitere Informationen wird Frank Voss, Director of Operations (Prokurist) beim Bremer Unternehmen Brune & Company angegeben.
Autos werden mitgenommen
Auf Nachfrage schreibt er, dass nicht nur Brune & Company an dem Projekt beteiligt ist, sondern dass es zehn Gesellschafter gibt. „Dieses sind neben Norderneyer Hoteliers auch ein Gesellschafter aus der Schifffahrtsbranche und eine Stiftung.“ Man werde künftig sowohl Passagiere als auch Fahrzeuge befördern – für private ebenso wie für gewerbliche Kunden. „Da wir uns noch in der Projektvorbereitung befinden, möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weitere Informationen geben“, so Voss weiter. „Zur gegebener Zeit werden wir eine offizielle Mitteilung oder kleine Pressekonferenz durchführen.“
Auf den Stepstone-Eintrag gestoßen ist unsere Zeitung über einen Facebook-Beitrag des Norderneyer Hotels Jann von Norderney, hinter dem der Immobilienhändler Jann Ennen steht. In dem Beitrag heißt es: „Mit der neuen Fährverbindung würde man sich dem Fährangebot der Frisia gegenüber unabhängig machen und könnte neue Kapazitäten für Pendler schaffen, die dann nicht auf die knappen Personalunterkünfte auf der Insel angewiesen sind.“ Der Verkehr zwischen den Inseln nehme stetig zu und die Fähren der Frisia seien gerade in den Sommermonaten voll. Da sei die „Meine Fähre“ eine gute Alternative, so das Hotel.
Frisia will sich erst später positionieren
Carl-Ulfert Stegmann, Reederei-Vorstand der Frisia, möchte indes das Vorhaben von „Meine Fähre“ nicht kommentieren. Auf Nachfrage kündigt er jedoch an, dass sich sein Unternehmen in der Sache zu gegebener Zeit „positionieren“ werde. Die Frisia betreibt insgesamt zehn große Fähren sowie vier schnelle Minischiffe für den „Insel-Express“. Darüber hinaus soll im Spätsommer die tideunabhängige Schnellfähre „Wasserbus“ Richtung Norderney starten, die bis zu 54 Passagieren Platz bietet. Außerdem soll in den kommenden Jahren ein vollelektrischer Katamaran für etwa 180 Passagiere hinzukommen, wofür die Frisia derzeit an einem Forschungsprojekt zum Thema Lade-Infrastruktur beteiligt ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass es die Frisia mit Mitbewerbern zu tun bekommt. So stieg vor einigen Jahren der Juister Gastronom Jörg Schmidt als erster mit flinken Minifähren in das Geschäft ein, die heute unter dem Namen „Töwerland-Express“ von Norddeich und Neßmersiel aus die Inseln Juist und Baltrum anfahren. Die Frisia reagierte über eine Tochterfirma mit dem besagten „Insel-Express“, mit dem man Norderney und Juist erreicht.
Unternehmen aus Husum zieht sich zurück
Aber auch von außerhalb Ostfrieslands kamen in jüngster Vergangenheit Versuche von Unternehmern, neue Verbindungen zu den hiesigen Inseln zu schaffen. So die Reederei Watten Fährlinien aus Husum in Schleswig-Holstein. Sie setzte im vergangenen Winter die „MS Liinsand“ zwischen Norddeich und Norderney ein, die rund 50 Passagieren Platz bietet und jeweils nur eine halbe Stunde Fahrzeit benötigte. Darauf wies damals der nautische Inspektor der Reederei, Detlef Reiser, hin.
Es handelte sich zwar erst einmal nur um eine Testphase, da die Liinsand im Sommer auf der Elbe zwischen Stade und Hamburg unterwegs ist. Allerdings wurde angekündigt, dass ab diesem Herbst eine Dauerverbindung mit der Schnellfähre nach Ostfriesland kommen könnte. Dieses Vorhaben sei inzwischen aber bis auf Weiteres auf Eis gelegt, sagt Reiser nun auf Nachfrage. Durch die durch Krieg und Inflation steigenden Kosten werde ein zu starker Rückgang der Urlauber befürchtet, die demnächst noch zu den Inseln wollen, begründet er den Schritt.