1800 Spiele-Neuheiten Begeisterung für Spiele hält an – auch ohne Promi-Faktor
Der Norder Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf hat sein erstes Escape Game herausgebracht. Wir werfen einen allgemeinen Blick auf die aktuellen Spieletrends.
Norden - Spielen ist nicht nur etwas für Kinder: Das wurde auch am Sonnabend in Norden wieder bewiesen, wo Klaus-Peter Wolf sein erstes Spiel „Ostfriesenspiel“ vorgestellt hat. Damit ist der Krimi-Schreiber unter seinen Autorenkollegen nicht alleine, wie ein Blick in die Buchhandlungen zeigt. Das weiß auch Malika Wolf vom „Lesezeichen“, die ihren Namensvetter jetzt in dem Norder Geschäft begrüßen konnte. Während Klaus-Peter Wolf und Jens Schumacher – der Entwickler des „Ostfriesenspiels“ – mehr als 200 Autogrammkarten unterschrieben, gab sie unserer Zeitung einen kleinen Einblick.
Was und warum
Darum geht es: Zu den Ostfriesen-Krimis von Klaus-Peter Wolf gibt es jetzt auch ein Spiel.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Spiele mit und ohne Lokalkolorit interessieren.
Deshalb berichten wir: Wir haben uns das neue Spiel und weitere Trends angesehen. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Bücher seien zwar nach wie vor das Hauptgeschäft, sagt sie. Gerade die sogenannten Escape Games (Fluchtspiele) laufen im Lesezeichen aber „besonders gut“. Egal ob in Form eines Kartenspiels oder als Exit-Buch. Spiele seien heute ein sehr wichtiger Bestandteil des Nicht-Buch-Bereichs, gerade diejenigen mit regionalem Bezug. So im Falle von Norden das „Nordsee-Memo“ oder das „Küstenspiel“. Aber auch Puzzle verkaufe man.
Das „Ostfriesenspiel“: Lokalkolorit und Wiederholungschance
Lokalkolorit gibt es beim „Ostfriesenspiel“ definitiv genug. Ein kurzer Vergleich zwischen dem „Ostfriesenspiel“ und den typischen Escape-Spielen im Fundus der Redaktion zeigt aber noch einen weiteren Unterschied: Beim Spiel von Klaus-Peter Wolf muss man nichts kaputtmachen. Bei vielen Escape-Spielen gibt es aber immer wieder Elemente, die freigerubbelt oder kaputtgemacht werden müssen.
Bei Wolf ist das anders. Entsprechend kann man den Fall mehr als einmal durchleben – und es danach zum Beispiel einfach weiterverschenken. Das Weitergeben der Spiele, sofern möglich, hat sich bei vielen Fans der Escape-Spiele schon etabliert.
Promi-Faktor und Spiele-Fans
Ein gewisser Promi-Faktor hilft bei Spielen natürlich. Das zeigte sich auch in Norden. Unter den Besuchern der Veranstaltung mit Klaus-Peter Wolf waren sowohl eingefleischte Spielefans als auch solche, die sich das „Ostfriesenspiel“ nur anschauten, weil es von Klaus-Peter Wolf kam. So beispielsweise Cathrin und Elke Bengsch aus Duisburg, die sich Autogramme abholten. Uwe und Marlen Queck aus Frankfurt am Main hingegen sagten unserer Zeitung, dass sie sich mit „vielen Kartenspielen“ und auch Brettspielen die Zeit vertreiben würden. Dirk und Angelika Hartmann aus Schwerte seien gerade erst noch auf einer Spielemesse gewesen und besäßen 400 eigene Spiele, sagten die beiden. Auch Melanie Jordt aus Wildeshausen hat schon Erfahrungen mit Escape Games gesammelt.
Das Ostfriesenspiel
Die Komplexität: Angeboten wird das „Ostfriesenspiel" mit einem mittlereren Schwierigkeitsgrad. Tatsächlich empfiehlt es sich, schon eine gewisse Erfahrung mit Spielen dieser Art zu haben.
Wiederholbarkeit: Da weder die 50 Spielkarten, noch der Brief oder das Codeheft aus dem „Ostfriesenspiel" zerstört oder anderweitig beschädigt werden müssen, gibt es grundsätzlich einen Wiederspielwert. So kann man, wenn man den Fall nicht in der ersten Runde löst, ohne Probleme ein weiteres Mal spielen. Allerdings: Ist der richtige Weg (oder die richtigen Wege) zum Sieg erstmal gefunden, gibt es wenig Grund, das Spiel schnell erneut auszupacken.
Dauer: Eine Runde dauert zwischen 45 und 90 Minuten. Geeignet ist das „Ostfriesenspiel" für ein bis vier Personen ab zwölf Jahren.
Mit Spielemesse ist in diesem Fall die gerade beendete Messe in Essen gemeint. Die Branche feierte 1800 Spieleneuheiten, aber auch einen leichten Rückgang bei den Verkaufszahlen. Nach zwei Jahren Boom ging der Umsatz mit Spielen und Puzzles in Deutschland in diesem Jahr um rund sieben Prozent zurück, heißt es in einer Branchenmitteilung.
Klassiker und Lesefans
Dennoch ist das Interesse an Brett-, Karten-, Würfel und anderen Spielen in Deutschland weiterhin hoch. Das weiß auch Birgit Trost vom Kinder- und Spielzeug-Fachgeschäft Hermerding in Aurich. „Escape-Spiele gehen immer noch gut“, sagt sie. „Auch, weil es da so viele von gibt, dass eigentlich jeder Geschmack getroffen wird.“ Beliebt seien aber auch schnelle Würfel- und Kartenspiele wie „Würfelhelden“ oder „Sauscharf“.
Aber auch Klassiker wie Risiko oder Stratego seien noch lange keine Ladenhüter. Allerdings: „Kooperative Spiele werden immer mehr“, so Trost. Bei dieser Art würden die Spieler nicht gegeneinander, sondern zusammen gegen das Spiel spielen.
In Buchhandlungen gehören Spiele unterschiedlicher Größe schon länger fest zum Angebot. Das hat Gründe: Lesefans lassen sich gut für neue Dinge begeistern. Das gilt aber auch für andere Produkte. Malika Wolf bezeichnet diese als die „schönen Sachen drum herum“. Das könne beispielsweise Dekoratives sein oder gar alkoholische Getränke mit Bezug zur Region oder zu Autoren. So gibt es beispielsweise im „Lesezeichen“ in Norden Whisky aus Aurich oder auch einen Rot- und einen Weißwein mit dem Gesicht von Klaus-Peter Wolf auf den Flaschen: „Ostfriesenblut“ und „Wolfs Krimiwein“ heißen sie. Dahingegen seien Hörbücher oder auch DVDs rückläufig, sagt Malika Wolf. Heute werde eben mehr online gestreamt oder heruntergeladen.
Klaus-Peter Wolf stellt erstes Krimi-Spiel vor
„Tick Tack Bumm“ statt Böllern
Mal was anderes als nur Monopoly und Co.