Tallahassee  Interview im Gefängnis: Was Ghislaine Maxwell als ihren größten Fehler bezeichnet

Stella Bluemke
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Von Stella Bluemke
| 17.10.2022 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ghislaine Maxwell wurde dafür verurteilt, dem Investmentbanker Jeffrey Epstein geholfen zu haben, minderjährige Frauen zu missbrauchen. Foto: IMAGO IMAGES / ZUMA Wire
Ghislaine Maxwell wurde dafür verurteilt, dem Investmentbanker Jeffrey Epstein geholfen zu haben, minderjährige Frauen zu missbrauchen. Foto: IMAGO IMAGES / ZUMA Wire
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Ghislaine Maxwell sitzt momentan eine 20-jährige Gefängnisstrafe ab. Sie soll dem US-Multimillionär Jeffrey Epstein dabei geholfen haben, minderjährige Frauen zu missbrauchen. Jetzt hat sie sich in einem Interview zu den Vorwürfen geäußert – und sich bei einer Sache besonders reuevoll gezeigt.

In Ghislaine Maxwells kleinem schwarzen Buch sind sie alle versammelt: Namen von Präsidenten, Prominenten und Royals. Darunter auch der von Prince Andrew. Die Komplizin des toten US-Multimillionärs Jeffrey Epstein sitzt aktuell eine 20-jährige Haftstrafe in Florida ab. Sie soll unter anderem Epstein geholfen haben, minderjährige Frauen zu missbrauchen. Die Journalistin Daphne Barak von der britischen „Daily Mail“ führte zwei Gespräche mit ihr, in denen sie unter anderem über ihre Beziehung zu Prinz Andrew und den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump spricht.

Maxwell äußert sich über ihren „lieben Freund“ und drückt ihre „tief empfundene Trauer“ über die katastrophalen Auswirkungen des Skandals für Prinz Andrew aus. „Ja, ich verfolge, was mit ihm geschieht“, bestätigt die 60-Jährige. „Er zahlt einen hohen Preis für seine Verbindung mit Jeffrey Epstein. Ich sorge mich um ihn und fühle mich so schlecht für ihn.“

Prinz Andrew konnte einen Zivilprozess in den USA wegen Missbrauchsvorwürfen im Februar mit einem millionenschweren Vergleich umgehen. Die Vorwürfe sind Teil des Missbrauchsskandals um Epstein und Maxwell. Als Konsequenz wurde er von den royalen Pflichten entbunden. Als manipuliert bezeichnet Maxwell das bekannte Foto, das Andrew zeigt, wie er eine Hand um die Taille der damals 17-jährigen Virginia Roberts, heute Giuffre, legt.

Sie selbst ist ebenfalls auf dem Foto zu sehen. Auch der Prinz äußerte zuvor, dass das Bild gefälscht sei. Experten und die Betroffene sind anderer Meinung. Die mittlerweile erwachsene Frau warf Andrew vor, sie als Teenager mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Der Prinz hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Dass Andrews Anwälte die Behauptung, die Beiden seien eng befreundet gewesen, zurückweisen, nimmt sie hin. „Ich akzeptiere, dass diese Freundschaft meine Verurteilung nicht überleben konnte.“ Über eine Annäherung habe sie keine Hoffnung, sagt Maxwell im Interview. Viele Freunde hätten sich von ihr abgewandt. Der Herzog versuche sein Leben wieder aufzubauen und meide die Öffentlichkeit, weshalb die Unterstützung einer verurteilten Sexhändlerin nicht besonders hilfreich sei, sagte ein Freund des Royals mit Bezug auf Maxwells Interview der Zeitung „The Sun“.

Auch die Freundschaft zu Bill Clinton überstand die Vorwürfe gegenüber Maxwell nicht. Es sei eine besondere Verbindung gewesen, die über über mehrere Jahre bestand, sagt die 60-Jährige. Sie hätten viel gemeinsam gehabt. Sie fühle sich schlecht, dass er durch seine Verbindung zu Epstein zu einem weiteren Opfer wurde.

Einer der wenigen, der sich nach ihrer Verhaftung für sie aussprach, war Donald Trump. Er wünschte ihr öffentlich alles Gute, wofür er stark kritisiert wurde. Das habe sie sehr berührt und ihr in der Zeit großen Auftrieb gegeben, so Maxwell gegenüber der „Daily Mail“.

„Ich habe in meiner Erklärung vor Gericht gesagt, dass das Treffen mit Jeffrey Epstein der größte Fehler meines Lebens war“, sagt Maxwell auf die Frage der Journalistin, ob sie es bereue, Epstein getroffen zu haben. Wenn sie heute vermeiden könnte ihn zu treffen, würde sie es tun. „Ich glaube, viele Frauen können sich mit meiner Geschichte identifizieren. Viele haben sich entweder in Männer verliebt oder hatten Beziehungen mit Männern, bei denen sie im Nachhinein sagen: ‚Was habe ich mir nur dabei gedacht?‘“, sagt die wegen Sexualverbrechen verurteilte 60-Jährige. Sie glaube, dass es keine Frau auf der Welt gebe, die nicht so über eine vorangegangene Beziehung denke.

Trotz ihrer Verurteilung beteuert Maxwell weiterhin ihre Unschuld. Sie sei von den Medien als „böse Hexe“ dargestellt worden, noch bevor der Prozess begonnen habe. Nun setzt sie ihre Hoffnungen in ihre Berufung, die sie als „bereits in voller Blüte“ beschreibt.

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