Verbindung zu den Inseln Schnellfähre nach Juist lässt auf sich warten
Eigentlich sollte der „Wasserbus“ nach Juist längst im Einsatz sein, aber es dauert noch. Wenn es so weit ist, soll die Schnellfähre die kleineren ersetzen.
Norddeich / HOE - Im Spätsommer dieses Jahres sollte er starten, der sogenannte Wasserbus nach Juist. Die neue Schnellfähre soll Platz für bis zu 54 Passagiere mit Gepäck bieten und die Überfahrt zur Insel – tideunabhängig – auf unter eine Stunde verkürzen, so die Reederei Cassen-Tours in ihrer Mitteilung vom Januar. Doch wann die Jungfernfahrt stattfinden wird, ist noch nicht klar.
„Das neue Boot wird wahrscheinlich im November in Deutschland eintreffen. Einen offiziellen Termin für die Indienststellung gibt es noch nicht“, sagt Fred Meyer, Mitgeschäftsführer von Cassen-Tours, auf Anfrage. Als Grund für die Verzögerung nennt die Ems Maritime Offshore GmbH (EMO) aus Emden, die das Schiff für Cassen-Tours bauen lässt und an die Reederei verchartert, Lieferengpässe bei Bauteilen aus Europa. „Wir gehen davon aus, dass die Fertigstellung noch in diesem Jahr erfolgen wird“, teilt die EMO-Pressesprecherin Corina Habben auf Nachfrage mit. Von einer Verzögerung spricht EMO nicht. „Der Bau des Wasserbusses liegt noch im Zeitplan“, so Habben. Gebaut wird das Schiff von der Penguin-Werft mit Sitz in Singapur. Je nach Verfügbarkeit werde die Fähre mit einem Containerschiff oder einem Spezialschiff nach Deutschland befördert.
Darum fällt Elektroantrieb flach
Angetrieben wird die neue Schnellfähre von einem Dieselmotor – nach Einschätzung der EMO „absolut noch zeitgemäß“. Habben: „Wir prüfen bei derartigen Projekten immer alle Möglichkeiten. Auch wenn es inzwischen E-Motoren gibt, die für ein solches Schiff in Betracht kommen, so hat aber etwa eine verbaute Batterie Einfluss auf den Tiefgang. Gerade aber der Tiefgang ist für den flexiblen Einsatz im tideabhängigen Gewässer entscheidend.“ Ein Antrieb auf LNG-Basis lasse sich ebenfalls nicht realisieren, da auch der Platzbedarf des Tanks nicht mit den Anforderungen an einen geringen Tiefgang zusammenpasse.
Außerdem spiele das Thema Hafeninfrastruktur eine Rolle, etwa im Hinblick auf die Ausstattung mit Ladesäulen. „Es ist darüber hinaus vorgesehen, dass das Schiff mit GTL betrieben wird“, betont Habben. „GTL steht für ‚Gas to Liquids‘, einem Dieselkraftstoff, der synthetisch aus Erdgas gewonnen wird. Langfristig gesehen könnte dieser auch durch ein ‚Power to Gas‘-Verfahren aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Außerdem haben wir bewusst zukunftsfähige Motoren ausgewählt, um in Zeiten wie diesen auch flexibel reagieren zu können.“
Schiff soll kleinere Schnellfähren ersetzen
Laut Fred Meyer soll der Wasserbus die kleineren Schnellfähren der Reederei, die höchstens elf Personen Platz bieten, ersetzen. Die Zahl der Gäste, die mit dem neuen Schiff befördert werden könne, sei deutlich größer – und die Betriebskosten annähernd die gleichen. Die Tarife seien noch in Planung. Meyer: „Zurzeit gehen wir von vergleichbaren Fahrpreisen zum jetzigen Angebot mit unseren Inselexpress-Booten aus.“ Für eine einfache Fahrt mit dem Inselexpress nach Juist zahlen Erwachsene (ab 14 Jahre) aktuell 40 Euro.
Der Juister Bürgermeister und Kurdirektor, Dr. Tjark Goerges, bestätigt, dass sich die Schnellverbindungen zum Festland bewährt haben und immer größerer Beliebtheit erfreuen. „Diese Fähren werden sehr gut angenommen. Gerade von den Insulanern selbst, zum Beispiel für Arztbesuche oder zum Einkaufen auf dem Festland. Früher hätte man dafür den Flieger nehmen müssen. Das bedeutet natürlich Einschränkungen beim Gepäck. Insofern sind die neuen Angebote ein Plus an Lebensqualität vor allem für die Einheimischen.“
Alternative zum Flug
Die Sorge, dass die schnellen, tideunabhängigen Schiffe zu einer Überforderung der Inseln führen könnten, teilt Goerges nicht. Die Schnellverbindungen seien in erster Linie eine Konkurrenz zum Flugverkehr, also eher ein Verdrängungswettbewerb. „Durch die Schnellfähren kommen nicht zwangsläufig mehr Leute auf die Insel. Aber die Anreise wird für viele bequemer. Anders als zum Beispiel auf Wangerooge ist unser Flugplatz ja relativ weit außerhalb des Dorfes. Die Schiffe kommen hingegen direkt im Hafen an. Das spart natürlich Zeit und Wege.“
Außerdem sei die Infrastruktur auf der Insel aus ihrer Geschichte heraus auf hohe Gästezahlen ausgelegt. Goerges: „Früher, in unseren besten Jahrzehnten, hatten wir 10.000 bis 12.000 Gäste am Tag. Heute sind es rund 7000. Da ist also noch Luft nach oben.“ Allenfalls in der Gastronomie könne es bei einer sehr hohen Zahl an Tagesgästen einmal einen Engpass geben, aber das Angebot wachse: „Derzeit wird ein weiteres Lokal mit rund 200 Sitzplätzen fertiggestellt.“ Der Bürgermeister kann den Schnellfähren sogar einen positiven Umweltaspekt abgewinnen. „Gerade für Gäste, die mit der Bahn kommen, ist ihre Anreise wesentlich flexibler planbar. Wenn die vom Auto auf die Bahn umsteigen, hat das positive Auswirkungen auf den CO2-Fußabdruck ihres gesamten Urlaubs.“