Corona-Impfung  Mobiler Dienst macht in Wiesmoor Station – Es geht recht fix

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 14.10.2022 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Petra Ziemer lässt sich von der Impfberechtigten Birgit Kratz die Spritze setzen. Foto: Bär
Petra Ziemer lässt sich von der Impfberechtigten Birgit Kratz die Spritze setzen. Foto: Bär
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Mit den steigenden Corona-Fallzahlen wollen sich wieder mehr Menschen Impfen lassen. Wir haben uns beim Besuch des mobilen Impfteams in Wiesmoor umgeschaut.

Wiesmoor. Lange Schlangen bilden sich vor dem Rettungswagen des mobilen Impfteams auf dem Marktplatz nicht, obwohl auch im Landkreis Aurich mittlerweile die neuen, an das mutierte Virus angepassten Impfstoffe verimpft werden. So geht es recht fix bei denjenigen, die sich am Freitag in Wiesmoor ihren Piks abholen. Ein paar Minuten dauert es dann aber doch, schließlich müssen zu Beginn ein paar Bögen Papier ausgefüllt und unterschrieben werden. Geimpft wird dann unbürokratisch.

Was und warum

Darum geht es: Eine unbürokratische Impfung gegen das Coronavirus gibt es im Landkreis Aurich bei den mobilen Impfteams.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich ohne großen Aufwand impfen lassen wollen.

Deshalb berichten wir: Das Impfteam hat am Freitag in Wiesmoor Station gemacht.

Den Autor erreichen Sie unter: o.baer@zgo.de

„Na, wer will?“, fragt Ralf Köcher aus dem Rettungswagen heraus. Er ist der Arzt im dreiköpfigen mobilen Impfteam des Landkreises Aurich, verantwortlich für das Aufklärungsgespräch und derjenige, der einschreitet, sollte es doch einmal zu einer schnellen, heftigen Impfreaktion kommen. Der erste Impfwillige kann eintreten und wird von der Impfberechtigten Birgit Kratz in Empfang genommen. Sie setzt später die Spritze. Die Tür des Fahrzeuges schließt sich, immerhin führt der Facharzt für Anästhesie jetzt ein Patientengespräch – und das ist vertraulich. Auch die Spritze wird hinter verschlossenen Türen im Wagen gesetzt. Nach knapp fünf Minuten ist in diesem Fall die Auffrischungsimpfung vorbei.

Impfteams haben sich bewährt

Petra Ziemer (55) ist die nächste. Mit ihrem Mann Ulrich (67) will sie sich die vierte Impfung abholen. „Ich habe eine pflegebedürftige Mutter und bin selbst vorgeschädigt“, erzählt sie während der Wartezeit. „Ich will mich schützen. Und meinen Mann habe ich gleich mitgebracht“, sagt sie. Die Inzidenzen würden ja wieder ansteigen, da wolle sie vorbereitet sein. „Ich hatte befürchtet, dass der Andrang größer ist. Aber so geht das ja schnell.“

Ein kleiner Piks – und das war es auch schon. Foto: Bär
Ein kleiner Piks – und das war es auch schon. Foto: Bär

Für die Unterstützung der Arztpraxen in der Impfkampagne und als Anlaufstelle für Personen ohne Hausarzt hätten sich die mobilen Impfteams bewährt, berichtet Landkreissprecher Rainer Müller-Gummels auf Anfrage. Seit ihrem Bestehen ab Oktober 2021 seien insgesamt 40.647 (Stand: 13. Oktober) Menschen zentral und dezentral von den Teams geimpft worden. Auch viele Impfungen in Pflegeheimen, Tagespflegen oder Einrichtungen der Eingliederungshilfe konnten durch die Teams abgedeckt werden. Niedrigschwellige Impfangebote in Wohnortnähe wäre allein durch das Regelsystem nur schwer möglich gewesen, berichtet der Sprecher weiter.

Freie Auswahl beim Impfstoff

Auf seine vierte Impfung wartet auch Torsten Bertram aus Großefehn. Angst vor der Spritze hat der 56-Jährige, der eigenem Bekunden nach zur vulnerablen Gruppe gehört, nicht. „Das pikst halt ein wenig. Und dann war es das auch schon.“ Eine Kleinigkeit für ihn, der gesund bleiben wolle. „In Deutschland jammern wir auf hohem Niveau“, kritisiert er die für ihn leidigen Diskussionen um die Impfstoffe.

Ein paar mehr hätten kommen können: Birgit Kratz, Ralf Köcher und Silvia Casjens-Meyer (von links) sind dennoch zufrieden. Foto: Bär
Ein paar mehr hätten kommen können: Birgit Kratz, Ralf Köcher und Silvia Casjens-Meyer (von links) sind dennoch zufrieden. Foto: Bär

„Bei uns gibt es fast für jeden die freie Auswahl“, betont Köcher. Vorrätig seien sowohl die an die mutierten Coronaviren BA.4 und BA.5 angepassten mRNA-Impfstoffe von Biontech (Comirnaty) und Moderna (Spikevax) als auch der proteinbasierte Impfstoff von Novavax (Nuvaxovid). Zudem führe das Impfteam auch die Original-Impfstoffe von Biontech und Moderna mit sich. Diese seien für jene Personen gedacht, die bislang noch nicht geimpft wurden und jetzt eine Grundimmunisierung aufbauen wollen.

Praktisches Angebot

Die Impfaktionen des Landkreises werden aktuell gut angenommen, berichtet Müller-Gummels. Bei den letzten Aktionen in Norden und Hinte seien jeweils etwa 70 Menschen geimpft worden. In Wiesmoor waren es am Ende gegen 15 Uhr 30. Die Nachfrage nach Impfungen steige parallel zu den Infektionszahlen seit einigen Wochen an. Der angepasste Impfstoff von Biontech werde aktuell am stärksten nachgefragt. Volker Rautmann (72) will genau diesen nicht. „Bei den Hausärzten gibt es meist Biontech. Ich habe bisher aber Moderna gut vertragen. Den möchte ich weiter behalten und bin deswegen heute hier hergekommen“, erzählt er während des Wartens. Das Angebot findet er praktisch, besser als zu Beginn der Pandemie, als er von Wiesmoor bis nach Georgsheil zum Impfzentrum fahren musste.

„Ich wundere mich immer wieder, wie viele Menschen immer noch nicht geimpft sind. Auch in den besonders gefährdeten Gruppen“, sagt Köcher, der auch als Notarzt unterwegs ist. „Die erste Booster-Impfung würde ich jedem ab zwölf Jahren empfehlen.“ Wobei es bei den Jüngeren nicht ganz so dringlich sei wie bei Älteren. Wer sich noch gar nicht impfen lassen hat, sollte das dringend nachholen, empfiehlt Köcher.

Ist die Spritze gesetzt, empfängt Silvia Casjens-Meyer die Geimpften in einem zweiten Fahrzeug. Impfpass und Personalausweis werden überprüft, die Impfung dokumentiert und im Impfpass vermerkt. Noch schnell eine Telefonnummer angeben und dann war es das auch schon.

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