Kolumne „Für die Ehre“ Die Schreie bleiben im Kopf
Samstags geht es hier immer ums Ehrenamt. Diesmal schreibt Manuel Goldenstein über die menschlichen Belastungen eines Notfalleinsatzes. Und er hat auch einen Rat für seine Kameraden.
Keine Socken in den Lederstiefeln an, nur ein dünnes Shirt unter der Einsatzjacke. Die Haare liegen quer und die Zähne, da war auch keine Zeit zum Putzen da. Wenn es um Alarme geht, bei denen Menschenleben in Gefahr sind, muss es schnell gehen, für Details keine Zeit, herauszuputzen ist nicht. Die Einsatzkleidung sorgt für Seriosität. Die Details der Kleidung und des Aussehens fällt erst nach getaner Arbeit auf oder sogar erst, wenn sich die Einsatzkräfte umziehen im Feuerwehrhaus. Blasen an den Fersen und eine Erkältung kann dann fix im Anschluss die eigene Einsatzstelle werden.
Das sind vertretbare Kleinigkeiten im Vergleich zu einer lebensgefährlichen Situation. Zeit, um rasch die Einsatzfahrzeuge zu besetzten, müssen wir einholen beim Anziehen und auf Fußwegen. Das Verhalten im Straßenverkehr mit dem eigenen PKW muss gesittet erfolgen. Geschwindigkeiten müssen eingehalten und Verkehrsregeln beachtet werden.
Zur Person
Manuel Goldenstein (41), geboren in Aurich und aufgewachsen in Südbrookmerland, arbeitet eigentlich als Pfleger im Klinikum Emden. Vor allem aber ist er leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Er ist Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Aurich und Sprecher des Arbeitskreises Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Feuerwehrverbands Ostfriesland.
Diese Sachen gehören zum Einsatzvorbereitungsdienst. Wer soll auch schon sehen, dass jemand mit seinem Privat-PKW auf dem Weg zur Menschenrettung unterwegs ist? Übermäßige Geschwindigkeiten und rote Ampeln zu überfahren, gibt eher ein großes Risiko, für die nächste Rettung. Die eigene Sicherheit geht immer vor! Daher ist es auch ratsam, ein Paar Socken und einen dicken Pullover im Feuerwehrhaus parat liegen zu haben, um seine Gesundheit zu schonen. Diesen Hinweis muss ich mir selbst hinter die Ohren schreiben.
Es gibt allerdings eine Gefahr, der wir nur schwer ausweichen können: die psychische Belastung. Die Bilder von Brand- und Unfallopfern, Schreie und viele andere Eindrücke bleiben im Kopf. Es hilft nur die Einsatznachbereitung mit vielen Gesprächen, in denen man zu sich selbst ehrlich sein muss, um nicht zu zerbrechen. Reden befreit. Unsere Einsatzkräfte der Psychosozialen Notfallvorsorge, Seelsorger und Kameraden sind stets für uns da und helfen. Aber auch unsere Familien sind stets für uns da. Achte auf dich!
kolumne@zgo.de
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Die Kultur des in die Quere kommens
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