Folgenschwere Coronaimpfung  Junge Frau sitzt ein Jahr nach Impfung im Rollstuhl

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 13.10.2022 19:31 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Corona-Schutzimpfung löst bei einigen Menschen massive, chronische Symptome aus. Foto: dpa/Hirschfeld
Die Corona-Schutzimpfung löst bei einigen Menschen massive, chronische Symptome aus. Foto: dpa/Hirschfeld
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Ann-Katrin Kruse leidet seit November 2021 unter dem Post-Vakzin-Syndrom. Am Donnerstag forderte sie im Kreis-Gesundheitsausschuss Unterstützung. Die Politiker waren bestürzt.

Ihlowerfehn - Am Donnerstagnachmittag sind die Mitglieder des Auricher Kreis-Ausschusses für Gesundheit und Pflege von ihren Sitzungsstatuten abgewichen. Eigentlich dürfen die Beiträge einer Einwohnerfragestunde nur ganz kurz formulierte Fragen sein. Im Bürgerhaus am Ihler Meer hat das Gremium eine Ausnahme gemacht. Der Grund: Jan Röbkes aus Wiesmoor berichtet über das Schicksal seiner Lebensgefährtin, die seit fast einem Jahr unter immer massiver werdenden Folgen einer Corona-Impfung leide. Glieder- und Muskelschmerzen, Sehstörungen, Konzentrationsprobleme, Erschöpfungszustände, Kopfschmerzen und aktuell starke Gangunsicherheiten seien die Folge. „Eigentlich wäre meine Frau gerne selbst gekommen, um ihr Anliegen vorzutragen, doch sie ist seit vergangenen Donnerstag im Emder Klinikum“, sagt der 38-Jährige. Stattdessen spielt er den Ausschussmitgliedern eine Sprachnachricht vor.

Zu hören ist die klare, unaufgeregte Stumme von Ann-Katrin Kruse. „Ich bin weder Querdenkerin noch Coronaleugnerin“, schickt sie voraus. Im Gegenteil. Sie habe sich am 16. November 2021 solidarisch zeigen wollen, als sie sich „aus voller Überzeugung“ gegen das Corona-Virus impfen ließ, um Risiko-Patienten zu schützen. „Danach war in meinem Leben nichts mehr so wie vorher“, sagt die Wiesmoorerin. Sie könne ihren Alltag nicht mehr selbstständig bestreiten, sei von Unterstützung abhängig. Seit anderthalb Wochen sei sie auf einen Rollator angewiesen, seit zwei Tagen auf einen Rollstuhl. Bewegung verursache starke Schmerzen. Ann-Katrin Kruse sagt, dass die meisten Ärzte mit dem Post-Vakzin-Syndrom überfordert seien, unter dem sie leide. Deutschlandweit gebe es nach ihren Recherchen lediglich an der Uniklinik in Marburg eine Anlaufstelle für Patienten mit diesen Einschränkungen. Diese Spezial-Ambulanz sei allerdings heillos überlaufen. Nach Recherchen der Redaktion sind dort seit Januar etwas mehr als 200 Fälle behandelt worden. Auf der Warteliste stehen allerdings nach Medienberichten rund 4000 Männer und Frauen. Etwa 0,02 Prozent aller Geimpften seien von Impfschäden betroffen, schätzt Bernhard Schieffer, Leiter der Spezialambulanz in Marburg.

Politiker angesprochen

„So krank wie wir sind, können wir nicht ein Jahr oder länger warten“, sagt Ann-Katrin Kruse. Sie fordert von der Politik und den Behörden, dass mehr Anlaufstellen oder Kompetenzzentren geschaffen würden. Um das zu erreichen, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann bereits etliche Politiker kontaktiert, hat sogar vor Kurzem Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei einer Wahlkampfveranstaltung direkt angesprochen. Er habe sich immerhin fünf Minuten Zeit für sie genommen. Die 31-Jährige sagt, dass sie nicht nur für sich, sondern auch für andere kämpfe. In Ostfriesland litten einige Menschen ebenfalls unter Impfschäden. Personen, bei denen wegen einer Corona-Schutzimpfung dauerhafte gesundheitliche Schäden eintreten, haben einen Anspruch auf Entschädigung. Dieser muss bei den zuständigen Ämtern beantragt werden. „Auch dabei benötigen die Betroffenen Unterstützung“, sagt Jan Röbkes.

Die Deutsche Presseagentur hat Anfang des Jahres berichtet, dass bisher in Deutschland rund 600 Anträge auf Schadenersatz wegen Impffolgen gestellt worden seien. Die positiven Bescheide bewegten sich im einstelligen Bereich, hieß es. „Es wäre wünschenswert, wenn es eine schnellere und unbürokratischere Bearbeitung der Anträge geben würde“, forderte die Wiesmoorerin in ihrem Beitrag für die Mitglieder des Kreis-Ausschusses. Darauf hat man auf lokaler Ebene keinen Einfluss. Eine Option gibt es aber für den Landkreis Aurich: Er könnte sich dafür einsetzen, dass eine Anlaufstelle für Menschen mit einem Post-Vakzim-Syndrom eingerichtet werden. Ausschuss-Vorsitzende Ingeborg Kleinert (SPD) versicherte, dass sich die Kreistagsmitglieder dafür engagieren würden. „Sie sehen ja, dass wir sehr betroffen sind.“

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