Osnabrück Hohe Inflation: Wir werden den Wohlstandsverlust hinnehmen müssen
Gas, Strom, Lebensmittel: Das tägliche Leben in Deutschland hat sich zuletzt extrem verteuert. Die Inflation ist auf dem höchsten Stand seit etwa 70 Jahren. Schuld ist das knappe Angebot. Das macht es so schwierig.
10 Prozent Inflation - das sind Zahlen wie aus einer anderen Zeit, dessen Folgen für viele bereits schmerzlich spürbar sind: Der Wert von Einkommen und Ersparnissen schmilzt wie Eis im Hochsommer, ebenso das Eigenkapital von Unternehmen - Anschaffungen und Investitionen werden verschoben. Eine Rezession lässt sich kaum mehr verhindern.
Die Teuerung lässt sich nicht wegzaubern, die Wucht, mit der sie bei den Menschen ankommt, allerdings abfedern. Zumindest in der Theorie. Die Praxis jedoch - auch das zeigt sich nun - ist deutlich komplexer.
Denn diese Inflation begründet sich nicht in einer starken Nachfrage, sondern durch knappe Ressourcen und Kapazitäten - die ihren Ursprung bereits in der Corona-Pandemie haben, als Lieferkettenprobleme ganze Produktionen lahmlegten. Dadurch war das Angebot plötzlich größer als die Nachfrage, steigende Preise die Folge. Verschärft wurde dieser Zustand durch die Russland-Sanktionen und der damit verbundenen Energieknappheit.
Die Einflussmöglichkeiten der Europäischen Zentralbank (EZB) halten sich entsprechend in Grenzen. Die Währungshüter haben zwar richtigerweise die Zinsen angehoben, um so die Nachfrage zu drosseln. Knappe Güter bleiben damit aber trotzdem knapp (und teuer).
Auch die Bundesregierung tut sich sichtlich schwer, sinnvoll Einfluss zu nehmen. Begleitet von zwischenparteilichen Querelen wirft sie mit Geld in Form von Hilfspaketen nur so um sich, um die Menschen und Unternehmen vor den Folgen der steigenden Preise zu schützen. Dabei sind die Entlastungen weder sonderlich zielgerichtet, noch kommen sie schnell bei den Bedürftigen an.
Nein, kleinreden lässt sich die Krise gewiss nicht mehr. Und doch lässt sich ihr auch etwas Positives abgewinnen: Sie zwingt uns zu Korrekturen, die längst überfällig waren, etwa zu einem deutlich schnelleren Ausbau regenerativer Energien, wodurch sich mittelfristig die Preise wieder stabilisieren können. Bis dahin gilt es, Sparpotenziale zu nutzen. Und vor allem: Ruhe zu bewahren.