Mehr Corona-Neuinfektionen  Inzidenz steigt auch in Ostfriesland – was heißt das für Kliniken?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 12.10.2022 20:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Corona-Lage verschärft sich in einigen Krankenhäusern bereits wieder. Foto: Matthias Balk/dpa
Die Corona-Lage verschärft sich in einigen Krankenhäusern bereits wieder. Foto: Matthias Balk/dpa
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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen nimmt zu, die Belegung der Kliniken auch. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Intensivmediziner-Vereinigung DIVI warnen. Wie ist die Lage in Ostfriesland?

Berlin/Hannover/Ostfriesland - Die Corona-Inzidenz in Ostfriesland lag in der vergangenen Woche bei 592. Das geht aus der Statistik des Robert-Koch-Insituts (RKI) hervor – in Niedersachsen lag sie laut Deutscher Presseagentur (DPA) am Dienstag bei 863,6. Die Zahl beschreibt, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den vergangenen sieben Tage gemeldet wurden. Experten gehen aber davon aus, dass unzählige Fälle nicht vom RKI erfasst sind, so die DPA – vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen.

„Wir haben heute die gleiche Anzahl an Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zu versorgen wie im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit, uns stehen hierfür auch gute Medikamente zur Verfügung“, sagte Professor Dr. Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am 7. Oktober. „Gleichzeitig sehe ich aber im DIVI-Intensivregister, dass heute gegenüber dem gleichen Tag im Jahr 2021 1.850 Intensivbetten weniger zur Verfügung stehen.“ Die Versorgung von Notfallpatienten und lebensbedrohlich erkrankten Patienten hänge „selbstverständlich entscheidend davon ab, wie viele Mitarbeitende in den Kliniken und Praxen für die Behandlung zur Verfügung stehen“.

Die Intensivbetten-Lage in Ostfriesland

In den ostfriesischen Krankenhäusern waren am Mittwoch im DIVI-Intensivregister 73 betriebsbereite Intensivbetten gemeldet – vier weniger als vor knapp einem Jahr, am 30. November 2021. Elf dieser Betten waren frei, eines weniger als vor fast einem Jahr. Und die Zahl der Covid19-Intensivpatienten lag um eine Person höher – bei acht.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht die Kliniken des Landes wegen eines deutlichen Anstiegs der Patienten mit Corona-Infektion vor einer schwierigen Zeit, berichtet die DPA. „Wir haben erhebliche Zuwächse bei den covidpositiven Patienten. Im Vergleich zur Vorwoche ist die Belegung um 50 Prozent gestiegen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Mit rund 19.000 positiv getesteten Patienten liegen wir aktuell so hoch wie zu Spitzenzeiten der Sommerwelle.“ Gaß warnte: „Wir laufen flächendeckend und nicht nur in Süddeutschland auf extrem schwierige Wochen zu.“

Kommt es zu Verschärfungen beim Corona-Schutz?

Als maßgebliche Zahl zur Bewertung der Corona-Lage in Niedersachsen gilt die Hospitalisierungsinzidenz. Sie gibt an, wie viele Patientinnen und Patienten je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb von sieben Tagen neu mit einer Corona-Infektion in Krankenhäusern aufgenommen wurden. Laut Landesregierung lag dieser Wert am Dienstag bei 14,7 – und führte damit einen seit einigen Tagen anhaltenden, steigenden Trend fort. Landesweit waren 4,3 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Kranken belegt.

Laut dem niedersächsischen Corona-Fahrplan für Herbst und Winter soll es zu einer Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen kommen, wenn die Hospitalisierungsinzidenz über 15 liegt und gleichzeitig mehr als 10 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind.

Die Corona-Lage in ostfriesischen Krankenhäusern

„Derzeit versorgen wir 17 Covid19-Patienten, einen davon auf der Intensivstation“, teilte das Klinikum Leer am Mittwoch mit. „In den letzten zwei Wochen haben wir zum Teil noch höhere Patientenzahlen, bis zu 22 Covid19-Patienten gleichzeitig, versorgt.“ Der ostfriesische Klinikverbund mit Hauptsitz in Aurich schrieb: „Es werden 45 Corona-Patienten in den Kliniken Aurich, Emden und Norden behandelt, davon keiner auf der Intensivstation.“ Im Divi-Register wurden im Kreis Aurich hingegen vier Intensivpatienten geführt. Der Krisenstab der drei Kliniken erhöht die Kapazitäten auf den Covid-Stationen mit Blick „auf die sich abzeichnende ,Herbstwelle‘“.

Zusätzliche Probleme bereiten den Kliniken laut Gerald Gaß von der Deutschen Krankenhausgesellschaft die hohen Personalausfälle, erläutert die DPA. Die Zunahme coronapositiver Patienten bedeute zudem einen erhöhten Infektionsschutz und somit Mehrarbeit. Gaß beklagte einen „verheerenden Dreiklang“ aus Personalausfällen durch Corona und andere Atemwegserkrankungen, wirtschaftlichem Druck durch die Inflation und Bürokratie. „Alles zusammen wird dazu führen, dass Krankenhäuser Leistungen verschieben und Abteilung zeitweise abmelden müssen.“

Im Vergleich der Landkreise und kreisfreien Städte meldete laut DPA der Landkreis Göttingen mit 1410,7 die höchste Inzidenz. Den niedrigsten Wert verzeichnete demnach der Landkreis Leer mit 566,1.

Mit Material von dpa.

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