Nach Corona-Pause Es ist wieder Gallimarkt
Besser konnte es zur Eröffnung des Gallimarktes nicht laufen: Die Sonne schien, es gibt keine Corona-Einschränkungen und ein besonderer Gast war auch da.
Leer - Der 514. Gallimarkt ist eröffnet. Auf die Minute pünktlich um 11.30 Uhr traten am Mittwoch die drei neuen Herolde Michael Alsdorf, Hinrich Behrens und Reemt Reemtsema mit ihrem „Radeau, Radeau, raditjes doe“ ans Mikrofon auf dem Rathausbalkon. Zuvor hatte die Postkapelle musikalisch Schwung in die Sache gebracht, und das schon zum 59. Mal, wie Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) betonte: „Nächstes Jahr gibt es ein Jubiläum.“ Beim offiziellen Pressetermin vor genau zwei Wochen hatte sich Ordnungsamtsleiter Torsten Blank weit aus dem Fenster gelehnt. Am Eröffnungstag werde es viel Sonne geben, hatte er vorhergesagt. Er hatte Recht behalten.
Vor dem Rathaus drängelten sich unzählige Jahrmarktsfreunde, von den Ständen nebenan wehte der Duft von Popcorn und gebrannten Mandeln herüber. Das machte offenbar Appetit. Eigentlich könnte sich Leer ein Beispiel an Oldenburg nehmen, meinte eine Dame. Dort gebe es Süßigkeiten beim Kramermarkt-Umzug. Wenigstens ein paar Bonbons wären doch auch jetzt schön. Ihr Begleiter hatte immerhin Traubenzucker dabei.
Viersprachiges Programm
Die meisten waren aber zufrieden, mit dem, was geboten wurde. Das war immerhin ein viersprachiges Programm: Horst hielt seine Premieren-Rede in einer Mischung aus Platt- und Hochdeutsch. Zu Gast war außerdem der stimmgewaltige Ausrufer von Winschoten, Jan Veen, der seine Grüße auf Niederländisch überbrachte. Für das Englische war Trevor Heeks, Ausrufer der Partnerstadt Trowbridge, Leeraner Ehrenherold und Publikumsliebling, zuständig: „Isch liiiiiiiebe Lääraner, isch liiiiebe Queen Elisabeth, God save the King“, rief er unter dem Jubel der Zuhörer.
Lange war unsicher gewesen, ob es Trevor Heeks in diesem Jahr zum Gallimarkt schafft, er ist gesundheitlich angegriffen. Aber er war da, gut gelaunt und stimmgewaltig wie eh und je rollte er in einem elektrischen Rollstuhl durch die Innenstadt, begleitete die Herolde, schüttelte Hände und genoss die Zuneigung der Leeraner. Immer an seiner Seite Mitglieder des Städtepartnerschaftsvereins.
Harmonie und Sorgen
Horst setzte in seiner Rede viel auf Harmonie. Er dankte allen, die am Gelingen des Gallimarktes mitwirken, den Landtagsabgeordneten, die in der Vergangenheit immer wieder dafür gesorgt hätten, dass Geld aus Hannover geflossen sei, den politischen Fraktionen und Gruppen im Rat, mit denen es ein gutes Auskommen gebe. Dank gab es auch für die Anwohner des Gallimarktes, die es „erdulden, dass wir vor ihren Haustüren Krach machen dürfen“.
Aber er redete auch über seine Sorgen: Über die politische Entwicklung in Niedersachsen, wo nur knapp 60 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen seien und von denen ein großer Teil keine der etablierten Parteien gewählt habe. Über den Krieg in der Ukraine, der ein Angriff auf die Demokratie sei. Über die eigentlich gute Entwicklung der Stadt, aus der aber aktuell das Tempo raus sei, weil die Kosten explodierten, Fachkräfte und Material fehlten.
Seitenhieb an die Presse
Einen kräftigen Seitenhieb kassierte die Presse und mit Abstrichen auch die Politik. Berichterstattung über die Jagd nach Schottergärten und über die Forderung, die Passagierzahlen in den Bussen während der Gültigkeit des 9-Euro-Tickets zu zählen – beides Forderungen aus der Politik – seien fehl am Platz, schließlich gebe es in dieser Zeit wahrlich Wichtigeres, über das man berichten solle. Beispielsweise darüber, wie man durch den nächsten Winter komme, wie die Kostensteigerung in den Griff zu kriegen sei oder wie man mit großen coronabedingten Ausfällen in der Belegschaft umgehen solle.
Drei Donnerschüsse und vor allem das gemeinsame Singen des Ostfriesland-Liedes beendeten für die meisten Besucher den offiziellen Teil des Eröffnungstages. Die Menge zog weiter auf den Gallimarkt, wo in den nächsten fünf Tage 20 Großfahrgeschäfte, diverse Kinderkarussells und unzählige Buden für Nervenkitzel, Spaß und Gaumenfreuden sorgen werden. Die Gallimarkt-Freunde haben einiges nachzuholen, hatte doch Corona das größte Volksfest in Ostfriesland in den vergangenen beiden Jahren ausfallen lassen.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version stand, dass der Post-Sport-Verein für Musik sorgte. Es war aber die Postkapelle Leer, die ein eigener Verein ist. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert und bitten um Entschuldigung.