Gesundheitsversorgung  Bau der neuen Emder Rettungswache verzögert sich weiter

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 14.10.2022 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Seit 2016 gehört das Grundstück an der Petkumer Straße dem Rettungsdienst RKSH, doch der Bau der neuen Wache verzögert sich weiter. Foto: F. Doden/Archiv
Seit 2016 gehört das Grundstück an der Petkumer Straße dem Rettungsdienst RKSH, doch der Bau der neuen Wache verzögert sich weiter. Foto: F. Doden/Archiv
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Im Sommer hätten schon erste Bodensondierungen auf dem Gelände für die neue Emder RKSH-Rettungswache stattfinden sollen. Doch es gibt Probleme.

Emden - Schon seit 2016 soll auf dem Grundstück neben dem Score-Hauptquartier an der Petkumer Straße in Emden eine neue Rettungswache entstehen. Jetzt ist es ziemlich wahrscheinlich, dass auch in diesem Jahr noch nicht der erste Spatenstich gemacht werden kann. Bislang war nur zweimal gemäht worden. Der Baustart wird weiter ausgebremst, weil eine Fachfirma für die nötigen Sondierungen des Bodens auf Kampfmittel noch nicht gefunden ist. Das bestätigt Holger Rodiek, Leiter des privaten Rettungsdienstes RKSH, auf Nachfrage.

Was und warum

Darum geht es: Der Umzug der Emder RKSH-Wache verzögert sich weiter.

Vor allem interessant für: Menschen, die in Emden auf eine gute Gesundheitsversorgung und eventuell auch mal einen Krankenwagen angewiesen sind

Deshalb berichten wir: Uns war aufgefallen, dass sich auf dem Grundstück an der Petkumer Straße weiterhin nichts tut. Deswegen haben wir bei Holger Rodiek angerufen.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Es wird anhand von Luftbildern der Alliierten davon ausgegangen, dass es im Zweiten Weltkrieg mindestens 21 Bombenflüge über dem Grundstück in Hafennähe gegeben hat. Das Risiko ist entsprechend groß, dass noch Blindgänger im Boden ruhen. Da auf dem Gelände – wie fast überall in Ostfriesland – aufgrund des weichen Bodens gerammt werden müsse für den Bau, müsse die gesamte Fläche daher erst einmal gründlich untersucht werden, erklärte Rodiek schon im Mai. Insgesamt 476 Sondierungslöcher müssen dafür gebohrt werden. Weil mögliche Blindgänger über die Jahre abgesackt sein könnten, wird bis in eine Tiefe von acht bis zehn Metern gebohrt.

Hoffnung auf Fallen der Baupreise

Hatte Rodiek im Frühjahr noch davon gesprochen, dass zwei Angebote von Fachfirmen auf dem Tisch lagen und „über den Sommer“ die Arbeiten starten könnten, hat er jetzt den Vorschlag eines anderen Unternehmens im Blick. Denn: Die vorigen zwei Firmen hätten ihn insbesondere preislich „nicht begeistert“. Die Preisentwicklung habe sich da „heftigst“ gezeigt. Jetzt geht er davon aus, dass in zwei Wochen klar ist, ob es das neue Angebot wird. Seine Hoffnung ist, dass noch in diesem Jahr eine erste Sondierung vorgenommen werden kann.

So soll die Rettungswache aussehen, wenn sie mal fertig ist. Grafik: RKSH
So soll die Rettungswache aussehen, wenn sie mal fertig ist. Grafik: RKSH

Vielleicht sei es finanziell auch gar nicht so schlecht, wenn der erste Spatenstich nicht mehr in diesem Jahr erfolge, so Rodiek. Denn: Laut Medienberichten seien die „Baupreise im Rückwärtsgang“, weil viele Bauwillige ihr Vorhaben aufgrund der starken Kostensteigerung auf Eis gelegt hätten. Aber auch wenn die Verzögerung für das Bauprojekt, das fast zu 100 Prozent von den Krankenkassen getragen wird, sich preislich vielleicht bemerkbar machen könnte: Rodiek würde für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohl lieber heute als morgen mit dem Bau beginnen. Der „Frust bei den Kollegen“ sei mittlerweile groß.

Jetzige Wache ist in ehemaligem Tankstellen-Gebäude

2016 hatte der RKSH das Grundstück an der Petkumer Straße bereits erstanden. Die Verhandlungen zwischen RKSH, der Stadt Emden als Auftraggeberin des Rettungsdienstes und den Krankenkassen waren zäh und hatten sich hingezogen. Insbesondere die Größe der neuen Wache hatte zu Diskussionen geführt. Der RKSH speckte zweimal die Pläne ab. Im vergangenen Jahr fiel dann überraschend der Startschuss. Die Arbeiten sollten im Januar beginnen. Außer Gestrüpp-Beseitigung ist auf dem Gelände bislang aber nichts passiert.

Holger Rodiek hält trotz der erneuten Rückschläge an dem Areal fest, betonte er im Frühjahr. „Es gibt strategisch keinen besseren Standort“, sagte er. Die Autobahn sei „um die Ecke“ und damit der Ring um die Stadt, genauso die Innenstadt und der Hafen, schnell geht es Richtung Borssum. Die jetzige Wache ist seit 1985 als Provisorium in einer ehemaligen Tankstelle an der Wolthuser Straße untergebracht. Wegen Platzmangels war 2020 bereits die Geschäftsstelle zusammen mit Schulungsräumen und dem Essensdienst des Anbieters an den Schweckendieckplatz gezogen. An der Petkumer Straße soll die „reine“ Wache stehen und das nur als Erdgeschoss-Bau.

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