Verzögerungen an Fockenbollwerkstraße Stadt Aurich bremst Großbaustelle aus
Bei den Bauarbeiten an der Fockenbollwerkstraße ist mächtig Sand im Getriebe. Der Stadt Aurich ist plötzlich aufgefallen, dass sie einen neuen Regenwasserkanal braucht.
Aurich - Was diese Zeitung bereits vor einer Woche aufgedeckt hat, bestätigt die Stadt Aurich nun offiziell: Die Bauarbeiten an der Fockenbollwerkstraße (L 34) verzögern sich, weil ein rund 560 Meter langer Regenwasserkanal auf der Nordseite der Straße erneuert werden muss. Das ist der Stadt aus nicht näher erläuterten Gründen plötzlich aufgefallen. Eigentlich sollte die Erneuerung der Straße bis Ende 2023 abgeschlossen sein. Eine „Bauzeitverlängerung bis in das Frühjahr 2024“ werde sich „nicht vermeiden lassen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt von Dienstag.
Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich schließt nicht aus, dass es noch länger dauert. „Ich kann keine Einschätzung abgeben, was die Bauzeit angeht“, sagt Behördenleiter Frank Buchholz. „Zum jetzigen Zeitpunkt gebe ich keine Prognose ab, wann wir fertig sein werden.“ Der Bauablauf müsse umgestellt werden. Buchholz spricht von einem „Worst-Case-Szenario“, das aus seiner Sicht hätte vermieden werden können. Der Zustand des Regenwasserkanals sei lange vor Beginn der Bauarbeiten bekannt gewesen. „Für mich ist das kein neuer Sachstand.“
Eine der meistbefahrenen Straßen Aurichs
Mit 15.000 Autos und 2500 Fahrrädern am Tag gehört die Fockenbollwerkstraße zu den meistbefahrenen Straßen Aurichs. Seit Juni wird sie erneuert. Sie erhält eine neue Fahrbahn, neue Rad- und Gehwege. Einige Parkstreifen fallen weg. Fußgänger und Radfahrer bekommen mehr Platz. Außerdem wird aus dem Knotenpunkt am östlichen Ende (Richtung Krankenhaus) ein Kreisverkehr. Während der Bauarbeiten ist die Straße halbseitig gesperrt. In Richtung Innenstadt (Ostertorkreuzung) kann die Baustelle passiert werden. Der Verkehr in die Gegenrichtung wird umgeleitet.
Besagter Regenwasserkanal habe bis zum Beginn der Baumaßnahme überwiegend im Rad-Gehweg-Bereich und im Bereich des Parkstreifens gelegen, sei also wenig durch Verkehr belastet worden, teilt die Stadt mit. Durch den Umbau der Straße werde künftig der asphaltierte Bereich bis über diesen Kanal reichen. „Nach der Umgestaltung der Straße ist davon auszugehen, dass der asphaltierte Bereich auch im Bereich des Regenwasserkanals von Pkw und Lkw befahren wird, was zu erhöhten dynamischen Belastungen des Rohres führt“, schreibt die Stadt. Durch das Verkehrsaufkommen inklusive Schwerlastverkehr und die geringe Tiefenlage des Kanals würde es „zu dauerhaften Schäden am Rohrmaterial“ kommen. Mit anderen Worten: Der Kanal wäre der Belastung nicht gewachsen und könnte versacken.
„Wir wollen Lösungen finden“
Bereits jetzt, während der Bauarbeiten, verlaufe eine provisorische Fahrbahn über den Kanal. All das führe dazu, dass „die Stabilität des Kanals an der derzeitigen Position nicht dauerhaft sichergestellt werden kann“. Daher solle er erneuert werden, und zwar mit einem größeren Querschnitt, „um auch für die nächsten Jahrzehnte einen dauerhaften und leistungsfähigen Kanal zu erhalten“.
Buchholz teilt die Einschätzung der Stadt, dass der Kanal erneuert werden muss. „Sonst müssten wir in wenigen Jahren die Straße wieder aufreißen.“ Allerdings hätte man dies aus seiner Sicht von Anfang an so planen können. „Ich bin erstaunt über den Zeitpunkt der Festlegung.“ Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) hat keine Antwort auf die Frage, woher der plötzliche Sinneswandel der Stadt kommt. „Das recherchieren wir noch, woran das liegt. Das können wir noch nicht genau sagen.“ Er wolle keine Schuldzuweisungen betreiben. „Erst mal ist wichtig, dass wir weiterkommen. Wir wollen Lösungen finden. Alles Weitere müssen wir sehen.“
„Da gilt das Verursacherprinzip“
Buchholz und seine Kollegen wollen die Arbeiten in Absprache mit der Firma Strabag so koordinieren, dass möglichst wenig Zeit verloren geht. Eine Möglichkeit sei, den Bau des Kreisverkehrs vorzuziehen. Versprechen könne er jedoch nichts, sagt Buchholz. „Wir kommen jetzt auch in einen zweiten Winter.“ Gemeint ist der Winter 2023/24. Allein das führe bei einer solchen Großbaustelle zu Unwägbarkeiten.
Eines stellt der Leiter der Straßenbaubehörde klar: Alle Mehrkosten, die durch die Änderung entstehen, gehen aus seiner Sicht zulasten der Stadt Aurich. „Da gilt das Verursacherprinzip.“ Das betreffe nicht nur den Kanalbau an sich, sondern auch etwaige Folgekosten wie Materialverteuerung aufgrund der verzögerten Abläufe. Bürgermeister Feddermann kann die Frage nach den Mehrkosten noch nicht beantworten. „Das wird sicher ein sechsstelliger Betrag“, sagt er. Die Politik werde darüber noch beschließen müssen.
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