Wahl-Nachlese  Gegner des Torfabbaus in Marcardsmoor setzen auf Rot-Grün

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 11.10.2022 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Torfabbau in Marcardsmoor bleibt umstritten. Foto: Archiv
Der Torfabbau in Marcardsmoor bleibt umstritten. Foto: Archiv
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Wie positioniert sich eine mögliche rot-grüne Landesregierung zum industriellen Torfabbau in Marcardsmoor? Gegner des Projektes erhoffen sich Unterstützung.

Wiesmoor - Der industrielle Torfabbau in Marcardsmoor ist nach wie vor umstritten. Das hat zuletzt erneut die Informationsveranstaltung zum Gebietsentwicklungskonzept im Forum der KGS Wiesmoor gezeigt. Unter einer rot-grünen Landesregierung, wie sie sich nach der Landtagswahl am Sonntag abzeichnet, könnten sich Vorzeichen ändern. Dies erhoffen sich zumindest im Rat der Stadt Wiesmoor sitzende Gegner des in einem Kompromisspapier vereinbarten Integrierten Gebietsentwicklungskonzeptes (IGEK), das in den kommenden Jahren weiteren Torfabbau vorsieht. Zu Recht?

Was und warum

Darum geht es: Der industrielle Torfabbau in Marcardsmoor ist seit mehr zehn Jahren umstritten. Wie sieht es jetzt nach der Landtagswahl aus?

Vor allem interessant für: Marcardsmoorer, Umweltfreunde und Grünen-Wähler.

Deshalb berichten wir: Uns hat interessiert, ob sich unter einer rot-grünen Landesregierung Vorzeichen ändern könnten.

Den Autor erreichen Sie unter: o.baer@zgo.de

Aktuell sei die Frage schwer zu beantworten, sagt Meta Janssen-Kucz. Die Borkumerin ist für die Grünen Vizepräsidentin des niedersächsischen Landtages. „Wir müssen uns das ganz genau anschauen: Was sind die Voraussetzungen? Was ist genehmigt? Und was lässt sich zurückdrehen?“ Grundsätzlich fühle sich ihre Partei an das 1,5-Grad-Klimaziel gebunden. Und das beinhalte auch, schutzwürdige Öko-Systeme zu erhalten. „Es bleibt uns ja gar nichts anderes übrig, als auf die Klimaveränderungen zu reagieren“, betont die ehemalige Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes der Grünen. Sie könne und wolle den Koalitionsverhandlungen aber nicht vorgreifen, sagte Janssen-Kucz im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch, um sich nicht frühzeitig vom Verhandlungspartner in die Karten schauen zu lassen. Der Schutz der Moore sei aber eine wichtige Sache und stehe auf der grünen Agenda.

1,2 Millionen Kubikmeter Moor

In Marcardsmoor wollen Unternehmen gemeinschaftlich etwa 80 Hektar eines knapp 100 Hektar großen Areals zwischen der Zweiten Reihe und dem Naturschutzgebiet Klinge in Marcardsmoor auf einer Tiefe von 1,70 Metern abtorfen. 1,2 Millionen Kubikmeter Aushub sind beantragt. Das Genehmigungsverfahren beim Landkreis ist noch im Gang. Ursprünglich waren gut 800 Hektar Fläche in Marcardsmoor von der seinerzeit schwarz-gelben Landesregierung im Landesraumordnungsprogramm 2012 als Vorrangfläche für den Torfabbau ausgewiesen gewesen.

„1,2 Millionen Kubikmeter Moor, das entspricht etwa 200.000 Tonnen CO2-Äquivalent“, verdeutlicht Edgar Weiss von der Freien Bürgerliste Wiesmoor, der gegen den industriellen Torfabbau in Marcardsmoor zu Felde zieht. Von den Grünen erwartet er, dass sie in den anstehenden Koalitionsverhandlungen dem Projekt den Todesstoß setzen. „Noch ist das Genehmigungsverfahren nicht abgeschlossen. Noch lässt es sich durch eine andere politische Entscheidung aufhalten“, ist er überzeugt.

„Es muss jetzt einfach mal genug sein“

Der industrielle Torfabbau passe einfach nicht mehr in eine Zeit, in der der Klimawandel solch ein großes Problem darstelle. Weiss erwartet ein klares Bekenntnis des Landtages für den Schutz des Moores. „Ich erwarte auch, dass der bestehende Torfabbau ebenso mit CO2-Strafsteuern belegt wird, wie andere CO2-intensive Industrieformen wie etwa Unternehmen bei der Erdöl- oder Erdgasförderung sowie dem Kohleabbau.“

Das endgültige Ende des industriellen Torfabbaus in Marcardsmoor erhofft sich auch Frieda Dirks, Ratsmitglied der Freien Wählergemeinschaft Wiesmoor, von einer möglichen rot-grünen Landesregierung. In ihren Augen hat sich die scheidende Landesregierung viel zu wenig um den Torfabbau in Marcardsmoor gekümmert. „Es muss jetzt einfach mal genug sein. Der industrielle Torfabbau ist ja nicht nur für ein Jahr geplant. Was da vorgesehen ist, belastet die Anwohner ja ein ganzes Jahrzehnt.“ Es könne nicht sein, dass ein Ort wie Marcardsmoor damit leben müsse.

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