Osnabrück/Hamburg Emsländerin überzeugt: Krank durch Corona-Impfung – aber niemand glaubt ihr
Zwei Tage nach der Corona-Impfung setzen die Symptome ein: Schmerzen in Gelenken und Brustkorb, Sehstörungen und ständige Abgeschlagenheit. Kann das Zufall sein? Birgit Tegeberg* aus dem Emsland ist überzeugt, dass sie am sogenannten Post-Vac-Syndrom leidet. Nur will ihr sonst niemand glauben.
Birgit Tegeberg fühlt sich alleine gelassen. Die 57-Jährige ist krank. Die Ursache dafür vermutet die Emsländerin in ihrer Impfung gegen das Corona-Virus. Seit der Spritze, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion, geht es ihr schlecht. Für sie steht fest: Es ist das Post-Vac-Syndrom. Die Erkrankung präge ihr Leben, ebenso wie anhaltendes Unverständnis ihrer Mitmenschen sowie Rechtfertigungsdruck.
Tegeberg sagt, Ärzte würden nicht anerkennen, was zumindest für sie ganz offensichtlich ist: der Zusammenhang ihrer Beschwerden mit der Corona-Impfung. Als sie am 27. Dezember 2021 zum zweiten Mal eine Spritze mit dem Biontech-Wirkstoff erhielt, ahnte sie nicht, dass sich ihr Alltag und ihr Leben kurz darauf so grundlegend ändern würden. Die erste Impfung vier Wochen zuvor habe sie noch gut vertragen, sagt Tegeberg.
Zwei Tage nach der zweiten Spritze habe sie Schmerzen im Brustkorb gespürt, sich müde und schlapp gefühlt. Ihr sei es irgendwann so schlecht gegangen, dass ihr Mann einen Rettungswagen gerufen habe: Herzrasen, Brustenge und Schweißausbrüche – mit Verdacht auf einen Herzinfarkt bringt das Rettungsteam die 57-Jährige in die Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses.
„Da hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben echte Todesangst“, erzählt Birgit Tegeberg. Zahlreiche Untersuchungen später wird sie ohne Befund nach Hause geschickt. Die Symptome bleiben.
„Vorher war ich topfit und aktiv. Ich habe viel Sport gemacht und Vollzeit in der Gastronomie gearbeitet“, erzählt Tegeberg. Bei ihrer Arbeit sei sie leistungsfähig gewesen und habe „nächtelang durcharbeiten“ können, etwa bei der Bewirtung von Hochzeitsgesellschaften. Sie sucht Rat bei ihrem Hausarzt, erzählt ihm vom zeitlichen Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und der Impfung.
„Er hat meinen Fall aber nicht als Impfnebenwirkung gemeldet“, sagt Tegeberg. Ihr Hausarzt habe Long Covid vermutet. Die Symptome sind vergleichbar mit dem sogenannten Long-Vac-Syndrom, das aber auf die Impfung zurückgeführt wird: chronische Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Sehstörungen.
Doch Birgit Tegeberg ist sicher, dass sie sich nicht mit dem Corona-Virus infiziert hat. Nur will ihr das ihrer Schilderung nach niemand glauben. Für ihre Arbeit habe sie sich regelmäßig testen lassen. „Eine Covid-Infektion wäre auf jeden Fall aufgefallen“, sagt sie.
Auch andere Ärzte verweigerten die Anerkennung ihrer Beschwerden als Impffolgen, erzählt die Emsländerin. Eine Untersuchung habe die nächste abgelöst, immer wieder seien die Gespräche auf Long Covid hinausgelaufen. „Entweder das oder psychosomatische Beschwerden - Impffolgen hat jeder ausgeschlossen“, sagt sie.
Es sei auch kein Mediziner bereit gewesen, ihren Fall den zuständigen Behörden mitzuteilen, berichtet Tegeberg. Das Infektionsschutzgesetz schreibt Ärzten vor, schwerwiegende Impfnebenwirkungen über das Gesundheitsamt an das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zu melden. Das Institut ist dem Bundesgesundheitsministerium nachgeordnet und führt Buch unter anderem über die Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe.
Glaubt man den amtlichen Zahlen, ist Tegeberg kein Einzelfall. Im aktuellen Sicherheitsbericht des PEI ist von 0,3 Meldungen schwerwiegender Impfreaktionen je 1000 Impfdosen die Rede. Nicht immer müssen die Nebenwirkungen so schwer sein wie die Folgen, die die Emsländerin dem Impfstoff zuschreibt. Tegeberg meldete ihre Beschwerden schließlich selbst beim PEI, doch sie habe weder eine Eingangsbestätigung noch eine Rückmeldung erhalten.
Beim PEI heißt es, dass entsprechende Meldungen mehrheitlich von Patienten eingehen und nicht etwa von Ärzten oder Gesundheitsämtern. Die Forscher des PEI weisen außerdem darauf hin, dass Deutschland bei den Meldungen schwerer Impfnebenwirkungen im internationalen Vergleich überproportional vertreten sei.
Den Grund dafür vermuten die Verfasser in einer „unverhältnismäßig hohen Berichterstattung in Deutschland“, sprich: Weil in den Medien häufig über Nebenwirkungen berichtet wird, könnten sich besonders viele Menschen betroffen fühlen und sich melden. Am Ende ist die Statistik möglicherweise verfälscht, die 0,3 Meldungen pro 1000 Impfdosen übertrieben.
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Das sieht Birgit Tegeberg ganz anders. Sie ist überzeugt, dass genau das Gegenteil der Fall ist und noch deutlich mehr Menschen unter schweren Impfnebenwirkungen leiden als bisher bekannt. „Wenn die Ärzte die Fälle nicht melden, so wie bei mir, dann landen sie auch nicht in der Statistik“, argumentiert die Emsländerin und ergänzt: „Viele wissen vielleicht nicht, dass sie sich auch selbst melden können.“
Für Birgit Tegeberg aber stehen zwei Dinge fest. Sie sei zum einen zurecht Teil der Nebenwirkungen-Statistik. Und sie werde sich nicht noch einmal einen mRNA-Impstoff spritzen lassen. Wenn sie von ihrem Erleben in ihrem Umfeld berichte, stoße sie auf Unverständnis für ihre Haltung. Sie werde als Impfgegnerin oder Corona-Leugnerin bezeichnet.
Deswegen möchte sie auch nicht mit ihrem echten Namen in der Zeitung stehen. „Dabei bin ich beides nicht“, versichert sie und ergänzt: „Schließlich habe ich mich impfen lassen.“ Ein Schritt, den sie heute allerdings bitter bereut, denn seither habe sich ihr „Leben komplett verändert“ - zum Negativen. Sie hofft, dass sich ihre Situation irgendwann wieder bessert. Und sie endlich ernst genommen wird.
*Name von der Redaktion geändert