Nachlese zur Wahl Weiter wie gehabt, Herr Arends?
So erlebt der SPD-Mann Matthias Arends den Tag nach seinem Sieg. Wie bewertet er die Verluste, welche Pläne hat er und was gibt ihm die CDU mit auf den Weg?
Emden/Norden - Nach seinem Sieg bei der Landtagswahl im Wahlkreis Emden-Norden hat das politische Alltagsgeschäft Matthias Arends am Montag schnell wieder eingeholt - allerdings nicht in Hannover, sondern in seiner Heimatstadt Emden. Der alte und neue SPD-Landtagsabgeordnete sitzt am Nachmittag schon wieder als Ratsherr im Verwaltungsausschuss des Stadtrates.
Was und warum
Darum geht es: den Sieg von SPD-Mann Matthias Arends im Wahlkreis Emden-Norden, die Ergebnisse des Politikers und was die CDU dazu sagt.
Vor allem interessant für: Wählerinnen und Wähler im Wahlkreis Emden-Norden sowie politisch Interessierte.
Deshalb berichten wir: am Tag nach der Wahl haben wir uns die Ergebnisse des Wahlsiegers Matthias Arends von der SPD näher angeschaut und ihn gefragt, welche Schlussfolgerungen er daraus zieht. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Dennoch ist es für den 52-Jährigen alles andere als Alltag: Denn ihn erreichen fast pausenlos Glückwünsche „Telefonieren, E-Mails schreiben und wieder telefonieren“, sagt er über seine ersten Tätigkeiten am Morgen nach der Wahl. Aber für das Gassi gehen mit seiner Hündin Abby nimmt er sich Zeit.
Am Ende des Wahlabends wird aufgeräumt
Der Sonntagabend endete für Arends mit Aufräumen. „Wir haben die Deko der Wahlparty beseitigt und noch im kleinen Kreis zusammengesessen“, erzählt er. Dabei habe das Personal des Grand Cafés aber schon darauf gewartet, dass auch die letzten Gäste gehen. Lange hätte es der Wahlsieger ohnehin nicht mehr ausgehalten. Denn am Vorabend des Wahlsonntags war er noch mit den Jusos bis in die Puppen um die Häuser gezogen.
Beim Kneipenbummel hatte Arends wie in den Wochen des Wahlkampfs noch auf ein Ergebnis von 45 Prozent der Erststimmen gehofft. Das hat nicht ganz geklappt. In seinem Wahlkreis, zu dem die Städte Emden und Norden, die Gemeinden Hinte und Krummhörn sowie die Samtgemeinde Hage gehören, kommt er auf 43,9 Prozent. Das sind 6,9 Prozent weniger als vor fünf Jahren. Damals zog der frühere Zeitsoldat und Elektrotechnikermeister zum ersten Mal in den Landtag ein. Zuletzt hatte er bei der Emder Werft und Dock gearbeitet. Bei den Kolleginnen und Kollegen gilt er noch immer als einer von ihnen.
Wo Arends Federn lässt
Dieses Mal muss Arends also Federn lassen. Am meisten davon in Hinte, obwohl er in der Emder Nachbargemeinde mit 47,6 Prozent der Erststimmen sein bestes Einzelergebnis einfährt. Vor fünf Jahren erreichte er dort noch das Traumergebnis von 58,8 Prozent. Ähnlich sieht es in der Krummhörn aus. Dort rutschte Arends von 57,5 auf 47,1 Prozent.
In seiner Heimatstadt fallen die Verluste nicht ganz so hoch aus: 41,9 Prozent weist das Ergebnis vom Sonntag für Emden aus. 2017 waren es 8,9 Prozent mehr. Aber die klassischen SPD-Hochburgen in der Stadt verteidigte er deutlich. In der Stadt Norden und in der Samtgemeinde Hage unterscheiden sich die Ergebnisse von 2017 und 2022 hingegen nur geringfügig. In Norden gewann Arends 44,74 (2017: 46,4) der Stimmen und in Hage machte er mit 43,7 Stimmen (43,5) fast eine Punktlandung.
„Den Menschen zur Seite stehen“
„2017 war eine andere Situation“, sagt Arends zu den aktuellen Verlusten. Damals sei sich die CDU beispielsweise im Wahlkreis in der Kandidatenfrage uneins gewesen, was ihm in die Karten gespielt habe. Aber das ist Vergangenheit: Arends blickt lieber nach vorne. „Wir müssen den Menschen mit ihren Ängsten zur Seite stehen und dürfen nicht mit ihren Ängsten spielen, so wie es die AfD es macht“, sagt er über die Schlüsse, die er aus dem Wahlergebnis zieht. Und die Menschen bräuchten „klare Perspektiven, wie es weitergeht“. Es müssten Perspektiven sein „für jeden Geldbeutel und für Unternehmen - egal wie groß oder klein“.
Ambitionen auf neue Ämter in einer rot-grünen Koalition hat Arends nicht: „Ich möchte das weitermachen, was ich bisher gemacht habe“. Er wolle Mitglied im wichtigen Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung“, Mitglied des Unterausschusses für Häfen und Schifffahrt sowie hafenpolitischer Sprecher seiner Fraktion bleiben. Das sei für einen Abgeordneten aus einer Küstenregion sinnvoll, zumal der Wirtschaftsausschuss auch den Tourismus umfasse.
CDU: „Herr Arends muss sich steigern“
Viel Erfolg bei der Arbeit für die Region wünscht dem Abgeordneten auch die Emder CDU. Den guten Wünschen schickt CDU-Kreisvorsitzender Wilke Held aber auch mahnende Worte an die Adresse des SPD-Politikers hinterher: „Ostfriesland braucht gerade in Zeiten der Energiekrise eine lautere Stimme in Hannover als in den letzten fünf Jahren“, so Held. Und fügt hinzu: „Herr Arends wird sich steigern müssen“. Deshalb würden die Emder Christdemokraten dessen Arbeit „sehr genau verfolgen“. Zugleich werde die CDU „Optionen anbieten und in fünf Jahren wieder auf Sieg spielen“. Darauf könne sich jeder verlassen.
Solche Äußerungen klingen nach einem neuem Selbstbewusstsein der Emder CDU, die laut ihres Chefs den Erfolg einer Wahl nicht nur an den Stimmenanteilen messen will. Mit ihrem unterlegenen Direktkandidaten Gerold Verlee habe die Kreispartei „einen furiosen Wahlkampf“ gemacht und die Stimmung sei gut. Das gewachsene Vertrauen und Miteinander werde bleiben, so Held. Er spricht auch von einem Generationswechsel, den der Kreisverband „erfolgreich gemeistert“ habe.
Dennoch: Weder das gestärkte Selbstbewusstsein noch das Spiel auf Sieg können über den nach wie vor großen Abstand der SPD zur CDU bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Emden - Norden hinwegtäuschen. Er beträgt 23,6 Prozentpunkte. Das ist mit Abstand der Spitzenwert aller 87 Wahlkreise in Niedersachsen. Es folgen die Wahlkreise Salzgitter (19 Prozentpunkte), Aurich (17,3) und Leer/Borkum (17,1).
SPD-Mann Matthias Arends siegt in Emden – aber er lässt Federn
AfD punktet nicht nur in der Stadt
Der SPD-Wahlsieg ist relativ
So wählte Ostfriesland in der Vergangenheit