Ausbildung in Leer So wirbt die Reeder-Branche um den Nachwuchs in Ostfriesland
In Leer sitzen große und international wichtige Reedereien. Sie suchen Nachwuchs für die verschiedensten Jobs. Dafür hat das Mariko nun ein neues Projekt.
Leer - Wo sind eigentlich die ganzen potenziellen Auszubildenden? Diese Frage stellen sich derzeit viele Betriebe. Auch die Leeraner Reeder fragen sich das. „Vor sechs bis sieben Jahren hatte ich noch 60 bis 70 Bewerbungen pro Jahr für Schifffahrtskaufleute auf dem Tisch. Heute sind es noch sechs bis sieben“, sagt Maik Escherhaus, der bei der Reederei Hartmann aus Leer für die Auszubildenden zuständig ist.
Was und warum
Darum geht es: Leer ist der zweitgrößte Reederstandort Deutschlands. Doch gerade potenziellen Auszubildenden scheint die Vielseitigkeit der Jobmöglichkeiten nicht bekannt zu sein.
Vor allem interessant für: Alle, die sich für die maritime Branche interessieren und sich vorstellen können, in dem Bereich zu arbeiten
Deshalb berichten wir: Das Mariko hat ein neues Projekt aufgelegt, um Jugendliche für die maritime Branche zu begeistern. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Für ihn ist das größte Problem, die jungen Leute von der Straße ins Gebäude zu bekommen. „Viele wissen gar nicht, was man hier alles machen kann. Wenn sie mal ein Praktikum gemacht haben, sind sie dann oft angetan“, sagt er. Deshalb ist man bei der Reederei Hartmann dazu übergegangen, schnell und einfach Praktika für ein oder zwei Tage anzubieten. „Im Prinzip kann jeder hier reinkommen und nach einem Praktikum fragen. Wir machen da gerne mit. In der Zeit kann man sich hier alle Abteilungen einmal ansehen“, sagt er.
In Leer bleiben und die Welt sehen
Vor allem sei es nicht so, dass die Reeder nur Leute suchen, die zur See fahren. „Man kann hier in Leer bleiben und trotzdem das Internationale kennenlernen“, sagt er. Vom Hauptsitz in Leer aus kommunizieren die Reeder mit der ganzen Welt. Sei es morgens mit Japan oder abends mit den USA. „Viele glauben, man müsste schon Chinesisch sprechen können, um hier zu arbeiten. Das ist aber nicht so. Es reicht, das Schulenglisch gut zu beherrschen“, sagt Escherhaus.
Gleichzeitig sollten Bewerber weltoffen sein und Lust auf das internationale Geschäft haben: Das gelte nicht nur für Hartmann, sondern generell für Berufe in der internationalen Seeschifffahrt. „Viel mehr ist es aber auch nicht, was man mitbringen sollte. Vieles lernt man. Es ist ein anspruchsvoller, aber auch sehr attraktiver Beruf“, ist Escherhaus sich sicher. Als Schifffahrtskaufmann kümmere man sich um Flotte und Crew der Reederei. Es gelte, die Logistik rund um die Fracht und den Sprit im Blick zu halten und die Fahrten zu koordinieren.
Auslandsaufenthalte möglich
Gleichzeitig ermöglichen die Leeraner Reeder auch mehrmonatige Auslandsaufenthalte in den verschiedenen Niederlassungen. „Wir haben beispielsweise gerade eine Mitarbeiterin, die aus ihrer Ausbildung raus ist, auf die Philippinen geschickt“, sagt er. Dabei sei es möglich, jederzeit nach Leer zurückzukommen, wenn es nicht passe. Gleichzeitig gebe es in den Reedereien nach wie vor die Leute, die tatsächlich mehrere Monate zur See fahren. Das ist der Bereich von Vanessa Gerdes bei der Hartmann Reederei.
„Da geht es um die Studiengänge zum nautischen oder technischen Offiziersassistenten“, sagt sie. Das Studium finde in Präsenz statt und könne an mehreren Standorten in Norddeutschland absolviert werden. Auch in Leer ist das möglich. Zu dem Studium gehört, insgesamt zwölf Monate an Bord eines Schiffes gewesen zu sein. „Ein Praktikum ist da nicht so einfach möglich.“
Sommerferien nutzen
Es gebe allerdings Ferienfahrprogramme. Meist in den Sommerferien können Schüler dabei für einige Wochen zur See fahren. „Man bedient hochkomplexe Schiffe. Nach der Ausbildung ist man für viele Jobs gewappnet. Man muss nicht sein Leben lang zur See fahren“, betont Gerdes. Bei diesen Jobs würden die Noten und Qualifikationen auch mehr ins Gewicht fallen. „Ich muss zuversichtlich sein, dass sie das Studium in angemessener Zeit schaffen können“, sagt Gerdes. Doch auch bei den Seefahrern würden die Bewerbungszahlen zurückgehen.
Eine Erklärung für die zurückgegangenen Bewerberzahlen haben die beiden. „Man hat nicht mehr so viel Gelegenheit, über die Jobs zu erzählen“, sagt Escherhaus. Deshalb intensiviere man die Social-Media-Aktivitäten und sei im Austausch mit Schulen, um die Berufe vorstellen zu können. Von diesem Problem weiß man auch am Mariko. Deshalb wurde in diesem Jahr zum ersten Mal ein Tag ausgerichtet, um Schülern die Attraktivität maritimer Jobs näher zu bringen.
Aktion am Mariko
Unter dem Titel „MariX“ wurden Schüler der Oberschule Uplengen und einer niederländischen Schule nach Leer eingeladen. Das Mariko will die Jugendlichen für zahlreiche Karrierewege in den Bereichen Schifffahrt und Schiffbau begeistern. Dafür wurde Unterrichtsmaterial für die Schulen geschaffen. „Wir wollen das Projekt jährlich umsetzen“, erklärt Katja Baumann, Geschäftsführerin des Mariko.
„Die maritime Wirtschaft braucht Nachwuchs“, sagt auch Marcus Bentin, Dekan der Hochschule Emden-Leer. Mit dem Projekt wolle man deshalb gezielt das Interesse an der Maritimen Wirtschaft wecken und über die Möglichkeiten aufklären. „In Aurich weiß kaum jemand, dass Leer der zweitgrößte Reederstandort Deutschlands ist“, sagt er.
Auch die Schüler konnten einiges lernen. „Ich war überrascht, wie vielseitig das ist“, sagt Kaja (13). Ihre Mitschülerin Melina war irritiert, wie groß der Reederstandort Leer ist. Eins eint die Schülerinnen. Eine Ausbildung oder Studium im maritimen Bereich ist für sie nun eine Option. Auch, wenn sie betonen: „Was wir in Zukunft machen wollen, wissen wir noch nicht, aber spannend ist es.“