Landtagswahl im Wahlkreis Wittmund/Inseln  Der zweite Sieger heißt AfD

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 10.10.2022 13:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch so wurden die Stimmen aufgeteilt. Ein Wahlzettel aus einem Wittmunder Wahllokal. Foto: Oltmanns
Auch so wurden die Stimmen aufgeteilt. Ein Wahlzettel aus einem Wittmunder Wahllokal. Foto: Oltmanns
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Sonntagabend standen im Wahlkreis Wittmund/Inseln die beiden Kandidaten von SPD und CDU im Mittelpunkt. Doch es lohnt sich, einen Blick auf die kleinen Parteien zu werfen. Vor allem auf eine.

Wittmund - Neben der SPD gab es im Wahlkreis Wittmund/Inseln am Sonntagabend noch einen zweiten Wahlsieger: die AfD. Das fiel vor allem beim Blick auf die Grafik mit den Gewinn- und Verlustrechnungen ins Auge. Während SPD, CDU, FDP und Linke teils starke Verluste hinnehmen mussten, legte die AfD um knappe acht Prozentpunkte zu; und zwar sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen. Nur die Grünen schafften auch ein Plus, allerdings deutlich kleiner.

Die Wahl ist zu Ende: Kurz nach 18 Uhr wird in einem Wittmunder Wahllokal die Urne ausgekippt. Foto: Oltmanns
Die Wahl ist zu Ende: Kurz nach 18 Uhr wird in einem Wittmunder Wahllokal die Urne ausgekippt. Foto: Oltmanns

Die AfD landete laut vorläufigem Wahlergebnis bei den Zweitstimmen im Wahlkreis 87 Wittmund/Inseln auf dem dritten Platz nach SPD und CDU und kam auf 13,55 Prozent – das ist sogar mehr als auf Landesebene, wo die Partei auf 10,95 Prozent kam. Die Grünen erreichten im Wahlkreis Wittmund/Inseln 9,09 Prozent, die FDP 3,87 Prozent. Schlechter waren nur die Linken mit 2,07 Prozent. Sowohl bei den Grünen, der FDP und den Linken schnitten die Parteien auf Landesebene jeweils besser ab.

AfD

„Das war abzusehen“, kommentierte AfD-Kandidat Achim Postert das Ergebnis am Montagmorgen. In den letzten vier Wochen des Wahlkampfs sei der Zuspruch an den Wahlständen immer größer geworden. Er führte das auch auf die Bekanntheit der lokalen AfD-Mitglieder zurück: „Die Leute sehen, dass wir keine glatzköpfigen, Springerstiefel tragenden Nazis sind.“ Einen Ausdruck von Protest sieht Postert in dem Zuspruch zu seiner Partei nicht. Obwohl die AfD im Nachbarwahlkreis 86 Aurich mit gut 15 Prozent noch besser abschnitt, und das, ohne einen eigenen Kandidaten. Wie das geschehen konnte? „Keine Ahnung“, so Postert.

Der AfD-Landtagskandidat Achim Postert aus Esens. Foto: privat
Der AfD-Landtagskandidat Achim Postert aus Esens. Foto: privat

Für ihn selbst hat das Ergebnis keine Auswirkungen. Als Direktkandidatin wurde Karin Emken von der SPD in den Landtag gewählt und Postert hat nach eigener Auskunft gar keinen Listenplatz. Er bleibt also weiterhin Unternehmer in Esens. Bleibt die Frage, wie sich das Stimmenpotenzial der AfD im Landkreis Wittmund niederschlagen wird. Erstmal gar nicht, räumte er ein. In den kommunalen Gremien des Landkreises ist die AfD nur im Kreistag vertreten, mit zwei Mitgliedern.

Grüne

Die Kandidatin der Grünen, Nicole Henkel, kam am Wahlabend erst spät in das Wittmunder Kreishaus, die Zentrale für den Wahlkreis Wittmund/Inseln. Da waren alle anderen längst gegangen, entweder um Wunden zu lecken (CDU, FDP) oder um zu feiern (SPD). Sie selbst hatte die Entwicklung der Wahlergebnisse mit ihren Parteifreunden in einem Wittmunder Lokal verfolgt. Was auch zu der Verspätung beitrug: „Wir haben so toll gefeiert“, erklärte sie am Montagmorgen. Im Wahlkreis Wittmund/Inseln verbesserten sich die Grünen im Vergleich zur Landtagswahl 2017 von sechs auf neun Prozent. Landesweit sah es noch besser aus, da kletterte die Partei von acht auf 14 Prozent. Außerdem winkt die Regierungsbeteiligung in Hannover.

Die Landtagskandidatin der Grünen, Nicole Henkel, im Wahlkampf. Foto: privat
Die Landtagskandidatin der Grünen, Nicole Henkel, im Wahlkampf. Foto: privat

Persönlich hat der Wahlausgang für Nicole Henkel keine Auswirkungen. „Wir wussten ja, wer das Direktmandat holt“, erklärte sie mit Blick auf die Wahlsiegerin Karin Emken. Mit diesem Ausgang sei sie auch einverstanden. Außerdem, so betonte Henkel, sei sie in Hannover und Berlin schon aktiv. Sie ist nach eigener Auskunft Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Kultur und Delegierte für die entsprechende Bundesarbeitsgemeinschaft.

FDP

Stephan Bünting von der FDP hat als einziger Kandidat der kleineren Parteien am Sonntagabend den Ausgang der Wahl im Wittmunder Kreishaus verfolgt. Da sah er schon wenig glücklich aus, was er bei einem Anruf am Montagmorgen so ausdrückte: „Ich bin enttäuscht von meinem persönlichen Ergebnis.“ Er habe sich eigentlich gut verkauft, nun aber die Lorbeeren nicht einfahren können. Bünting erhielt nach vorläufigem Ergebnis 2,86 Prozent der Erststimmen. Das Zweitstimmenergebnis lag mit 3,87 Prozent etwas höher. Beides bewegt sich allerdings noch unter dem landesweiten Ergebnis von 4,7 Prozent.

Der FDP-Landtagskandidat Stephan Bünting am Wahlabend im Wittmunder Kreishaus. Foto: Oltmanns
Der FDP-Landtagskandidat Stephan Bünting am Wahlabend im Wittmunder Kreishaus. Foto: Oltmanns

„Der Trend ist halt gegen die FDP, das müssen wir jetzt eben ausbaden“, so Bünting. Für ihn selbst hat das Abschneiden erstmal keine direkten Auswirkungen. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich das Direktmandat gewinne“, erklärte er. Und sein Listenplatz sei so weit hinten, dass die FDP schon ein deutlich besseres Ergebnis hätte einfahren müssen. Tatsächlich sieht es im Moment so aus, als sei die FDP gar nicht im nächsten Landtag vertreten.

SPD und CDU

Karin Emken von der SPD gewann das Direktmandat für diesen Wahlkreis mit 38 Prozent der Erststimmen und setzte sich damit bequem gegen Björn Fischer von der CDU durch, der auf 31 Prozent der Stimmen kam. Beide Parteien mussten allerdings sowohl bei Erst- als auch bei Zweitstimmen Verluste im Vergleich zur letzten Landtagswahl hinnehmen.

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Wittmund/Inseln lag bei 58,91 Prozent und damit etwas niedriger als bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren (60,58 Prozent). Niedersachsenweit lag die Wahlbeteiligung nach Angaben des Landesamtes für Statistik bei 60,3 Prozent. Auch das war etwas niedriger als vor fünf Jahren, als dieser Wert bei 63,1 Prozent lag.

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