Landtagswahl 2022  SPD-Mann Matthias Arends siegt in Emden – aber er lässt Federn

Mona Hanssen Michael Hillebrand Claus Hock
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Von Mona Hanssen, Michael Hillebrand und Claus Hock
| 09.10.2022 23:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gerold Verlee (CDU, links) zeigte sich sportlich und gratulierte noch am Wahlabend Matthias Arends (SPD) für das gewonnene Direktmandat im Wahlkreis 85 (Emden-Norden). Foto: Hock
Gerold Verlee (CDU, links) zeigte sich sportlich und gratulierte noch am Wahlabend Matthias Arends (SPD) für das gewonnene Direktmandat im Wahlkreis 85 (Emden-Norden). Foto: Hock
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Gerold Verlee (CDU) zeigt sich sportlich als Zweiter. Hillgriet Eilers (FDP) verliert Mandat. AfD gewinnt deutlich an Stimmen.

Emden/Norden - Schon knapp eine Stunde nach Schließung der Wahllokale konnte Matthias Arends in Emden das Sektglas heben. Da war bereits absehbar, dass die SPD wieder stärkste Kraft in seinem Wahlkreis Emden-Norden werden würde – und Arends in seinem Amt als Landtagsabgeordneter wiedergewählt sein würde. Aber: Der Emder musste Federn lassen. 2017 hatte er noch etwas mehr als 50 Prozent der Erststimmen bekommen. Jetzt kam er nach dem vorläufigen Endergebnis auf 43,94 Prozent. Das sind jedoch immer noch doppelt so viel, wie der Zweitplatzierte Gerold Verlee für die CDU holte (21,53 Prozent). Aber: Auf Platz drei folgte schon Harald Kutscher für die AfD mit 12,66 Prozent.

„Das ist ein ganz klarer Auftrag“, sagte Arends im Gespräch mit dieser Zeitung. Es sei das erste Mal, dass die AfD einen Direktkandidaten in dem Wahlkreis aufgestellt hatte. Die Stimmungslage derzeit – „viel Angst und für manche die fehlende Perspektive“ – habe der Partei in die Hände gespielt. „Daran müssen wir arbeiten“, so der Emder. Man müsse den Menschen wieder aufzeigen, es Verlässlichkeit in der Politik gebe, und dass „jeder die Möglichkeit hat, sein Leben hier zu gestalten“.

Hillgriet Eilers (Mitte) schaffte es nicht wieder in den Landtag. Mit ihrer Büroleiterin Tanja Luitjens (rechts) und Cornelia Debus verfolgte sie die Auszählung. Foto: Hanssen
Hillgriet Eilers (Mitte) schaffte es nicht wieder in den Landtag. Mit ihrer Büroleiterin Tanja Luitjens (rechts) und Cornelia Debus verfolgte sie die Auszählung. Foto: Hanssen

Gerold Verlee: „Ich bin zufrieden“

Insgesamt schaut Arends optimistisch auf sein Ergebnis. Es sei sichtbar, dass man seine Arbeit auch wertschätze, die er in den vergangenen fünf Jahren in Hannover für den Wahlkreis geleistet habe. „Das ist der Lohn für uns alle“, sagte er im Kreis der SPD in Emden. Interessant: Während Arends in seiner Heimatstadt Emden auf knapp 42 Prozent der Wählerstimmen kommt, sind es im restlichen Wahlkreis deutlich mehr. Die meisten Wähler vertrauen ihm in der Gemeinde Hinte: Hier liegt er bei 47,64 Prozent. Aber: In seinem Emder Heimatstadtteil Borssum gewann er zum Teil mehr als 50 Prozent der Erststimmen.

Auch bei den Christdemokraten zeigte man sich am Wahlabend zufrieden. „Auf Landesebene hätte ich mir natürlich gewünscht, dass wir auf Augenhöhe mit der SPD sind“, so CDU-Kandidat Gerold Verlee. Den zurückliegenden Wahlkampf sieht der Emder als Erfolg für sich und die Partei. „Ich bin mit meinem persönlichen Ergebnis sehr zufrieden.“ Den Wahlkreis 85 Emden-Norden bezeichnet Verlee als den „politisch schwierigsten Landkreis“.

Hillgriet Eilers holt nur 4,37 Prozent

Die CDU musste – ähnlich wie die SPD – im Wahlkreis allerdings Stimmen lassen. Auffällig auch hier: Außerhalb von Emden holte Verlee prozentual mehr Stimmen als in seiner Heimatstadt. Das beste Ergebnis fuhr der 47-Jährige mit 23,73 Prozent in der Samtgemeinde Hage ein. Noch am Wahlabend gratulierte der Zweitplatzierte dem Gewinner. Gegenüber dieser Zeitung gab Verlee Arends mit auf den Weg: „Ich hoffe, dass Matthias Arends sich in der SPD so durchsetzen kann, dass er viel für unsere Region rausholen kann.“ Verlee wird weiter politisch aktiv bleiben: Er ist CDU-Fraktionschef im Emder Stadtrat.

Hillgriet Eilers (Mitte) schaffte es nicht wieder in den Landtag. Mit ihrer Büroleiterin Tanja Luitjens (rechts) und Cornelia Debus verfolgte sie die Auszählung. Foto: Hanssen
Hillgriet Eilers (Mitte) schaffte es nicht wieder in den Landtag. Mit ihrer Büroleiterin Tanja Luitjens (rechts) und Cornelia Debus verfolgte sie die Auszählung. Foto: Hanssen

In direkter Nähe zur Wahlparty der SPD war die Stimmung am Sonntagabend eher gedrückt. Hillgriet Eilers, die seit 2013 für die FDP im Landtag sitzt, schafft es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht wieder für die Liberalen in den Landtag. Sie holte im Wahlkreis nur 4,37 Prozent. Das sind sogar weniger Erststimmen als der Linken-Kandidat Friedrich-Bernd Albers (4,60 Prozent) bekommen hat. „Das demokratische Ergebnis akzeptiere ich so“, sagte die 63-Jährige in Emden. Und fügte hinzu: „Es ist schade, ich würde gerne weitermachen. Ich glaube auch, dass ich das gut kann.“

AfD: Drittstärkstes Ergebnis

Es sei sehr schlimm, dass die Wahl zugunsten der AfD ausgefallen sei. „Das ist für Ostfriesland keine gute Entwicklung“, so die Emderin. Der AfD-Kandidat Kutscher sei zumindest in Emden „völlig unbekannt“. Ihrem Eindruck nach gelte aber für die AfD: „Je weniger Kandidaten in Erscheinung treten, desto mehr Stimmen bekommen sie.“ Die Entwicklung sei „zum Fürchten“. Ihrer Partei wolle sie treu bleiben, egal, wie das Schlussergebnis für sie und die FDP ausfalle. Langeweile werde sie auch ohne Landtags-Mandat nicht haben, denn sie sitzt im Emder Stadtrat, ist Vorstandschefin der Emder Volkshochschule und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Internationalen Filmfestes Emden/Norderney.

Das drittstärkste Ergebnis im Wahlkreis sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen hat die AfD erreicht. Der Direktkandidat Harald Kutscher holte mit 12,66 Prozent der Erststimmen rund 2,5 Prozent mehr als Dirk Paul Finkeldey von den Grünen. Kutscher wertet sein Abschneiden als „super“. Vermutlich sei es das beste Ergebnis, das ein Kandidat seiner Partei je in der Region erzielt habe, sagte er in einer ersten Stellungnahme. Viel bringt Kutscher das gute Ergebnis aber nicht: Weil er als Direktkandidat angetreten ist, hat er keine Chance, in den Landtag zu kommen.

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