Lesung zu Rassismus Erinnerungen bringen Autorin in Leer zum Weinen
Die Autorin und Kolumnistin Canan Topçu las im Leeraner Kulturspeicher aus ihrem Buch. Dabei flossen nicht nur bei ihr die Tränen.
Leer - Nach knapp 15 Minuten flossen bei Autorin Canan Topçu schon die Tränen. Sie las kürzlich im Leeraner Kulturspeicher aus ihrem Buch „Nicht mein Antirassismus“. Sie kritisiert den „ganz alltäglichen“ Rassismus. Doch nicht deswegen begann die deutsch-türkische Autorin, zu weinen. Es waren die Erinnerungen an ihre Mutter, die 1973 mutig ihre Familie verließ, um in Deutschland ein anderes, ein besseres Leben zu finden. „Ich bin meiner Mutter noch immer dankbar dafür“, sagte Topçu. Doch nicht nur Canan Topçu weinte, auch einige der rund 100 Zuschauer rührte die 57-Jährige mit ihren Ausführungen zu Tränen.
Es sollte nicht nur rührig zugehen an diesem Abend. Canan Topçu, die auch Kolumnistin dieser Zeitung ist, diskutierte zusammen mit dem Publikum und Chefredakteur Joachim Braun, der den Abend moderierte, wie die Rassismus-Debatte in Deutschland derzeit geführt wird und was die Deutsch-Türkin daran stört. „Migration ist ein Lebenstrauma, sie werden es nicht los“, sagte Canan Topçu.
Was ihr in Deutschland zu kurz komme, sei das Wissen über die Gastarbeiter-Bewegungen in Deutschland in den 1960er und 1970er-Jahren. Es sei zwar ein Teil der Geschichte, aber nicht Teil der Geschichtsbildung. Wenn nur über die Hintergründe der Migration damals unterrichtet und gelehrt werde, könne man sich viel Geld für nachträgliche Demokratieprojekte sparen. Rassismus sei mit Bildung entgegenzutreten. Doch das Bildungssystem sei in Deutschland ausbaufähig. „Ich habe großen Respekt vor Lehrerinnen und Lehrern, die jeden Tag mit den Schülern arbeiten“, sagt sie. Mangelnde Bildung mache empfänglicher für einfache Antworten auf komplexe Fragen, wie sie zum Beispiel die AfD liefere. Die Investition in Bildung sei daher essentiell.